Schmiergeldaffären und Korruption im Bergtal

  07.11.2017 Kultur

Die Tatsache, dass noch heute weltweit geschmiert und bestochen wird, macht das Stück «Der Revisor» von Nikolaj W. Gogol aktueller denn je. Aber dass auch einige Turbacher in solchen Machenschaften dermassen geübt sind, lässt aufhorchen.

VRENI MÜLLENER
«Ich beschloss, alles Schlechte, das ich nur kannte, zusammenzutragen und mit einem Schlag dem Gelächter preiszugeben», schrieb der Autor über seine Komödie «Der Revisor», die er 1835 zu Papier brachte. Dies, nachdem ihm ein väterlicher Freund erzählt hatte, wie er einmal für einen höheren Beamten gehalten worden sei. Die Reaktionen darauf waren teilweise sehr heftig und es wurde sogar versucht, das verleumderische Werk zu verbieten.

Die Theatergruppe Turbach brachte diese Komödie, ins Saanendeutsche übersetzt von Fritz Müllener, erfolgreich auf die Bühne. Die Laienschauspieler verstanden es, nicht nur in ihre Rollen zu schlüpfen. Sie traten auf, als lebten sie tagtäglich so, wie es im Russland des 19. Jahrhunderts gang und gäbe war.

Aufregung im Dorf
Eine Gruppe korrupter Beamter in einer Provinzstadt erfährt auf Umwegen, dass ein Revisor inkognito bei ihnen auftauchen werde. Vor allem der Stadthauptmann Anton (Markus Romang) fürchtet sich vor diesem Besuch, aber auch die anderen Beamten haben Dreck am Stecken. Und so ruft Anton den Richter Ammos (Mario Hählen), den Armenvorsteher Filip (Matthias Moser) und den Schulinspektor Luka (Hansruedi Romang) in seine gute Stube und bespricht mit ihnen die Vorkehrungen, die getroffen werden müssen, um der strengen Kontrolle des zu erwartenden Revisors einigermassen zu genügen. Dass der Postmeister Iwan (Mathias von Siebenthal) nicht davor zurückschreckt, verdächtige Briefe zu öffnen, zu lesen und bei Bedarf zurückzuhalten, lässt die korrupte Elite der Stadt hoffen, dass die Ankunft des gefürchteten Aufsehers doch nicht ganz so unbemerkt erfolgen würde.

Als die beiden Gutsbesitzer Bobtschinski und Dobtschinski (Fritz Müllener und Emanuel Raaflaub) von Chlestakow (Markus Walter), dem Beamten aus Petersburg, und seinem Diener Ossip (Stefan von Siebenthal) erzählen, wird es dem Stadtmeister und seinen Beamten wind und weh. Ohne es auszusprechen, hofft jeder von ihnen, sich mit Schmieren und Bestechen doch noch eine Klage vom Hals zu halten. Jolanda Romang schlüpft gleich in zwei weibliche Rollen: Als Kellnerin im Gasthof wundert sie sich über das Benehmen des Ehrenmannes aus Petersburg und als Magd bei der Familie Anton Antonowitsch Skwosnik hat sie Vorbereitungen zu treffen, um den gefürchteten Gast möglichst bei guter Laune zu halten. Anna, Antons neugierige Frau (Arlette Matti) mit ihrer adretten Tochter Maria (Olivia Zmoos) freuen sich auf die Veränderungen, die sich anbahnen. Zusammen mit Anton schmieden sie kühne Zukunftspläne, um ihrem langweiligen Leben in der Provinz zu entfliehen.

Mit dieser Komödie bietet die Theatergruppe, unter der Regie von Markus Walther, während gut zwei Stunden beste Unterhaltung. Aber das Lachen kann denjenigen Zuschauern im Hals stecken bleiben, die sich die Frage stellen, ob eine solche Geschichte heute in der Schweiz auch passieren könnte …

Die weiteren Aufführungen finden am 10., 17., 18. und 24. November 2017 jeweils um 20.15 Uhr im Schulhaus Turbach statt. www.theatergruppeturbach.ch


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