Ein spanischer Sieger und gute Zukunftsaussichten

  26.07.2016 Sport

Trotz wechselhaften Wetters und etwas tieferer Zuschauerzahlen war das J. Safra Sarasin Swiss Open Gstaad ein Tennisturnier auf hohem sportlichen Niveau. Am Ende siegte der Spanier Feliciano Lopez, der als Favorit ins Turnier gegangen war. Für die Zukunft sehen die Veranstalter die Synergien zwischen Damen- und Herrenturnier in Gstaad als wertvolle Chance.

JENNY STERCHI
Wenn in diesem Jahr auch weniger Zuschauer den Weg in die Roy Emerson Arena gefunden haben und das Wetter den Organisatoren, Spielern und dem Publikum einiges abverlangte, ist die Bilanz nach dem 101. J. Safra Sarasin Swiss Open Gstaad positiv.

Tennis auf hohem Niveau
Die Organisatoren mussten vielfach zu der Aussage Stellung nehmen, dass dem Gstaader Herrentennis-Turnier die Topspieler fehlen. Schaut man jedoch auf das Hauptfeld des am Sonntag zu Ende gegangenen Turniers, begegnen einem eine ganze Reihe von Spielern, die unter den Top 100 in der ATP-Weltrangliste stehen.
So auch der Turniersieger Feliciano Lopez. Der Spanier, auf Rang 22 in der Weltrangliste, trat zum zehnten Mal in Gstaad an. Er wurde seiner Favoritenrolle während der ganzen Woche gerecht. Einzig das unkonventionelle Spiel des Deutschen Dustin Brown, vom Publikum geliebt, verunsicherte Lopez zu Beginn des Halbfinalmatches. Aber auch dieses Spiel gewann er letztlich in drei Sätzen (4:6, 6:3,6:3). Im Final am Sonntag Mittag stand er dem Niederländer Robin Haase gegenüber, der mit seinen 191 cm Körpergrösse als «Aufschlagkönig» bezeichnet und derzeit mit Rang 76 in der ATP-Weltrangliste auch als Topspieler gehandelt wird.
Nach zwei Sätzen (6:4, 7:5) stand fest, dass Feliciano Lopez zehn Jahre nach seiner ersten Finalteilnahme das Turnier endlich gewinnen und gleichzeitig seinen ersten Turniersieg auf Sand feiern konnte.
Die Zuschauerränge waren während des Einzelfinals gut besetzt und die Unterstützung durch das Publikum verteilte sich auf beide Athleten. Lopez, der ziemlich erschöpft wirkte, dankte an der Siegerehrung den Organisatoren, den Volunteers, dem Publikum und seinem Trainer für das Ermöglichen seines Erfolgs. Auch der Zweitplatzierte fand lobende Worte und kündigte den Wunsch an, im nächsten Jahr wieder in Gstaad spielen zu dürfen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Tenniscracks den Aufenthalt im Saanenland sehr schätzen und geniessen.

Gstaad punktet mit Exklusivität
Es gibt nur wenig vergleichbare TennisTurniere, die in so entspannender Umgebung stattfinden. «Die Spieler geniessen den Aufenthalt im Saanenland. Sie haben so viele Möglichkeiten in der Region, das bisschen Freizeit, das ihnen zwischen Training und Matches bleibt, mit Aktivitäten zu füllen», weiss Nik Schwab, Medienverantwortlicher des Turniers, zu berichten. «Sie nehmen gern die Möglichkeiten wahr, auf die nahegelegenen Berge zu gehen.» Die Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern der Region ermöglicht den Turnierteilnehmern, das Saanenland noch näher kennenzulernen. «Verglichen mit anderen Turnierstandorten, sind die Wege zwischen Hotel und Tennisplatz sehr kurz und zu Fuss erreichbar», erklärt Schwab einen weiteren Vorteil, der von den Athleten gerne angenommen wird. «Es braucht keine TransferDienste, der Athlet kann sich sehr selbstbestimmt bewegen.»
Zukünftig könnte aus dem Veranstalten beider Turniere ein klarer Vorteil für Gstaad gegenüber anderen Turnierstandorten entstehen. So gibt es weltweit nur vier Städte, die ein Damen- und ein Herrenturnier so nah hintereinander veranstalten.

«Today\\'s Champions meet Stars of tomorrow»
Mit diesem Motto hat das Gstaader Tennisturnier eine ganz eigene Philosophie gefunden, die die Tradition des Turniers aufnehmen und weiterentwickeln kann. In diesem Jahr standen eine Reihe erfahrener, in der ATP gut platzierter Spieler. Ganz klar, die Champions von heute waren in der Überzahl. Aber die wenigen im Turnier verbliebenen Stars von morgen strahlten mit mutigem Spiel und ungebrochenem Siegeswillen . Der junge Schwede Elias Ymer begeisterte das Publikum mit hochstehendem Tennis, mit dem er sich bis in die Viertelfinals kämpfte. Erst dort wurde er vom späteren Turniersieger Feliciano Lopez gestoppt.
Das Turnier stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der aufschlagstarken Spieler. Im Halbfinal flogen Feliciano Lopez Aufschläge mit einer Geschwindigkeit von 221 km/h um die Ohren, gespielt von Dustin Brown, dem Deutschen mit jamaikanischen Wurzeln.

Fazit der Organisatoren
Turnierdirektor Jeff Collet zog an der abschliessenden Pressekonferenz ein durchaus positives Fazit. Er verheimlichte nicht, dass rund 20 Prozent weniger Zuschauer als im letzten Jahr auf den Tribünen Platz genommen haben. Die Gründe dafür waren vielfältig und nachvollziehbar. «Wir liegen mit unserem Turnier kurz vor Beginn der Hartplatzsaison. Für einen Spieler ist es eine echte Herausforderung, vom Rasen über den Sand auf den Hartplatz zu wechseln. Ausserdem befinden wir uns im Olympiajahr, bei dem die Matches auch auf Hartplatz ausgetragen werden». So erklärte Jeff Collet die Schwierigkeit, das Hauptfeld für das diesjährige Herrenturnier in Gstaad zu besetzen. «Dazu liefen drei weitere Turniere in der gleichen Woche.»
Die freien Plätze auf den Zuschauerrängen waren kaum zu übersehen, dennoch waren es mehr als die 11 500 Zuschauer während der DamentennisWoche. «Dank des Titelsponsors, der Privatbank J. Safra Sarasin, und den übrigen Sponsoren können solche Rückgänge in den Zuschauerzahlen abgefangen werden», sagte Collet weiter. Es sei heutzutage nicht so einfach, ein Unternehmen zu finden, das sich als Titelsponsor einbringen möchte. Man setze aber alles daran, auch für das Damenturnier weitere Sponsoren zu finden. So könne man aus der Woche Damentennis und dem folgenden Herrenturnier ein grosses Tennisfest im Saanenland werden lassen. Die bereits geschaffenen Synergien zwischen Damen- und Herrenturnier zeigten schon die ersten, erhofften positiven Effekte. Ruth Wipfli-Steinegger wies darauf hin, dass bei der Neuvergabe der Turnierdaten im Jahr 2019 diese Kombination aus Damen- und Herrentennis für die Turniere im Saanenland matchentscheidend sein könnten.
Für das nächste Jahr jedenfalls stehen die Termine für beide Turniere in Gstaad schon fest. Die Damen spielen vom 15. bis 23. Juli und die Herren gerade anschliessend vom 22. bis 30. Juli 2017.


NIK SCHWAB, MEDIENVERANTWORTLICHER DES J. SAFRA SARASIN SWISS OPEN GSTAAD IM INTERVIEW 

Die Schnittstelle zwischen Medien  und Turnier

Waren Sie vor dem diesjährigen Turnier schon einmal im Saanenland?
Ja, ich habe von 2000 bis 2006 am Tennisturnier mitgearbeitet. Ich war im Kommunikationsteam und habe die Homepage betreut. Social Media steckte damals noch in den Kinderschuhen und war Neuland für uns alle.

Warum haben Sie sich wieder für eine Tätigkeit am Gstaader Tennisturnier entschieden?
Es waren meine ersten Berufserfahrungen, die ich hier sammeln durfte. Und irgendwie wollte ich gern an das Tennis in Gstaad zurück.

Was ist Ihr Aufgabengebiet heute?
Ich bin die Schnittstelle zwischen Medien und Turnier. Ich betreue zusammen mit einem Team von zehn Leuten alle Formen der Kommunikation. Egal ob Pressekonferenz, Twitter-Meldungen, Medienmitteilungen oder Daily News. Mein Team und ich möchten bei denen, die dieses Jahr nicht an das Turnier gekommen sind, die Lust wecken, beim nächsten Mal selber als Zuschauer auf der Tribüne zu sitzen und das Tenniserlebnis hautnah zu erleben.

Sie haben am Damen- und Herrenturnier als Medienverantwortlicher gearbeitet. Gibt es einen Unterschied zwischen den Turnieren?
Ja, einen ganz klaren sogar. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, im Speziellen des Schweizer Publikums am Damenturnier, war gross, da so viele Schweizer Spielerinnen grandiose Leistungen gezeigt haben und mit Viktorija Golubic eine Landsfrau gewinnen konnte. Bei den Herren ist das etwas anders gelagert. Die Aufmerksamkeit am Herrentennis ist einfach im Allgemeinen grösser. Zahlreiche Twitter-Meldungen haben uns gezeigt, dass dem Herrentennis weltweit viel mehr Beachtung geschenkt wird.

Sind Sie nach zwei Wochen Turnierprogramm erschöpft?
Ja, ich bin müde. Aber es ist eine zufriedene Müdigkeit. Auch den Stress während der letzten zwei Wochen empfand ich als positiv.

Kennen Sie in der Zwischenzeit die Einheimischen?
Es ist toll, denn ich habe einheimische Volunteers getroffen, die ich 2006 schon mal getroffen hatte. Ansonsten ist mein Einsatz hier oben so intensiv, dass ich gar nicht dazu komme, Kontakte zu den Menschen im Saanenland herzustellen.


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