Ins Huus zu Freunden zurück nach Hause kommen

  17.07.2016 Vorschau

Es hämmert, es fräst, es bohrt, es schleift und es ist ganz schön laut. Im riesigen Gebäude herrscht emsiges Treiben. Gemäss Architekt Peter Kohler sind rund 60 Handwerker auf der Baustelle tätig. Dass hier bis vor wenigen Wochen das Hotel Steigenberger noch seine Gäste verwöhnte, ist nur noch schwer vorstellbar. Das ganze Haus wird praktisch zurück in den Rohbau versetzt. Und mittendrin in diesem vermeintlichen Wirrwarr steht Günter Weilguni. Trotz Lärm und Staub huscht ihm ein kurzes Lächeln übers Gesicht. «Jetzt gibt es definitiv kein Zurück mehr», meint der CEO der Huus Gstaad AG zufrieden. Mehr als drei Jahre schon haben er und ein Team von Vertrauten über dem Projekt gebrütet. In zahlreichen Brainstormings wurden Dutzende von Ideen gewälzt, welches erfolgsversprechende Modell es denn zu verfolgen gäbe. Von der Idee, auch einige Eigentumswohnungen zu realisieren, sei man deshalb wieder schnell abgekommen, weil das Saanenland warme Betten brauche. Zu Beginn der Planungen sollte es ein so genanntes AlpenChic Hotel werden. Weil aber in den letzten Jahren doch einige sehr schöne Hotels in diesem Stil entstanden sind, sei schon bald klar gewesen, dass betreffend Gestaltung und auch Konzept etwas komplett Neues entstehen sollte.
Auf der Suche nach einem nicht alltäglichen Designer sind die Initianten des Projekts auf Erik Johansen im schwedischen Göteborg gestossen. Weilguni: «Die von ihm gestalteten und schon bestehenden Objekte haben uns begeistert und in ersten Gesprächen mit Johansen haben wir schnell sein hervorragendes kreatives Potenzial erkannt.» Nun werden sämtliche Zimmer und Nasszellen komplett renoviert und neu gestaltet. Zum Einsatz gelangt hochwertiges Material und alles soll im Einklang mit der Natur und der Umgebung des Hotels stehen. «Und alles gespickt mit einem modernen Dreh», wie Johansen anmerkt. Die markante Wohlfühlatmosphäre soll auch in die öffentlichen Bereiche übergreifen. Lobby, Bar, Lounge und Réception, alle auch umgebaut und komplett neu gestaltet, sollen der Mittel- und Treffpunkt des Hauses werden. Oder, wie es Weilguni nennt, so etwas wie der Huus-Dorfplatz. In Anlehnung an den Namen des Hotels sollen die Gäste sich hier eben wie zu Hause fühlen und gerne wieder zu Freunden zurück nach Hause kommen. Ebenfalls Bestandteil des Dorfplatzes sind der Shop mit u.a. einem breiten Angebot an Outdoorbekleidung sowie das Basecamp des Alpinzentrums Gstaad.
Hier können sich die Gäste über das Programm der Outdoor-Aktivitäten informieren und können diese ohne Aufpreis buchen. «Mit den höchsten Nahrungsmittelpreisen Europas, den teuersten Baukosten der Welt und der Lohnstruktur, die markant höher ist als in den benachbarten Euro-Ländern, können wir die Zimmerpreise nicht senken», kommentiert Weilguni die Ausgangslage. «Aber wir wollen mit diesem exklusiven Angebot den Gästen einen Mehrwert bieten.» Einen exklusiven Komfort wird das Vier-Sterne-Superior-Hotel seinen Gästen im Winter zudem mit der hauseigenen Ski- und Schneesportschule und der Vermietung von Ski, Snowboards, Schlitten und ganzjährig auch Bikes und E-Bikes bieten. Outdooraktivitäten die übrigens auch für Familien mit Kindern geeignet sind. Wie Weilguni nämlich betont, sind gerade Familien eine sehr wichtige Zielgruppe und entsprechend werde auch das Angebot gestaltet. Vorgesehen sind eine tägliche Kinderbetreuung mit speziellem Programm, der Nachwuchs diniert in einem eigenen Kids-Restaurant und zur Verfügung stehen werden auch zwei Spielzimmer, ein Kid\\'s Spa und eine eigene Lounge für Teenager.
Schon anfangs Dezember sollen die ersten Gäste im Huus einchecken. Ein sehr sportlicher Terminplan, wie auch Weilguni weiss. Ihm war es ein besonderes Anliegen, für die Umbauarbeiten möglichst viele lokale Unternehmen berücksichtigen zu können. Für die Baumeisterarbeiten ist das beispielsweise die Firma Moratti & Söhne, für die Elektroinstallationen inklusive W-Lan im ganzen Haus zeichnet Elektro Tschanz verantwortlich, die Sanitärarbeiten werden von Benz Hauswirth sowie Jaggi & Rieder durchgeführt, die Zimmermannarbeiten von der Burri–Zimmerei, die Entsorgung durch die Firma Wyssen in Saanen, Gartenbau Schopfer ist in Zusammenarbeit mit einem holländischen Gartendesigner für die Gartenbauarbeiten zuständig, die Natursteinarbeiten werden durch Mike Hauswirth ausgeführt und 238 Hästens-Betten konnten bei Firma Röthlisberger in Saanen bestellt werden. Mit Thomas Kernen aus Saanenmöser steht zudem auch ein einheimischer Ingenieur im Einsatz. Sie alle werden ihr Bestes geben müssen, um die Schlüssel rechtzeitig an die Betreiber des Huus übergeben zu können.
Denn Hoteldirektorin Mirka Czybik weiss: «Wir verzeichnen heute schon eine grosse Nachfrage von Feriengästen, aber es sind erfreulicherweise auch schon einige Buchungen aus dem Seminar- und Incentivesegment eingegangen.» So beherbergt das Hotel Huus unter anderem beispielsweise anfangs Januar während einer Woche 60 Ärzte aus Australien, die jeweils am Vormittag ihr Seminar abhalten und am Nachmittag von 15 einheimischen Skilehrern beim Wintersport betreut werden. Weitere Buchungen liegen schon von mehreren Banken und KMUs, ein schöner VIP-Anlass von der Art Basel, von Google Schweiz sowie den Universitäten von Lausanne und Fribourg vor. Von der Mitgliedschaft bei den Design-Hotels versprechen sich Mirka Czybik und Günter Weilguni insbesondere bei der internationalen Vermarktung einiges. Auch in Zusammenarbeit mit den Design-Hotels sowie einer Schweizer PR-Agentur werden schon in den kommenden Wochen zahlreiche Medienschaffende einen ersten Augenschein vor Ort nehmen können. Das übrigens kann auch die Bevölkerung schon in wenigen Tagen: Am 20. Juli lädt Huus zur grossen Tour de France-Sause mit Baustellenbesichtigung sowie kulinarischem und musikalischem Verwöhnprogramm. MICHAEL HUSCHNEKER


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