Im Outback

  01.07.2013 Gesellschaft, Gstaad

Am 11. Februar haben Daniel und Marlies von Siebenthal mit ihren vier Kindern das Saanenland Richtung Neuseeland verlassen. Seit einigen Wochen sind sie nun mit dem Camper in Australien unterwegs. Nun sind sie im Outback angekommen. (Fotos: Fam. von Siebenthal)

 

Im Outback
Nun haben wir ihn auch gesehen, den Ayers Rock, die am meisten fotografierte Sehenswürdigkeit Australiens nebst dem Opernhaus in Sydney. Schon etwas Spezielles, wie er da aus dem Nichts emporragt, aus einem Stück bestehend und rötlich, was beim Sonnenuntergang besonders zur Geltung kommt. Er liegt im so genannten Outback Australiens; flach, trocken, heiss und mit niedrigem Strauchwerk bewachsen. Ein weit verzweigtes System von ausgetrockneten, sandigen Flussläufen, die sich nur bei ausserordentlichen Niederschlägen füllen, durchzieht kilometerweit das Land. Zwischendurch hat es aber auch Gebirgszüge, Schluchten und rote Sanddünen, dies macht den speziellen Reiz dieser endlos scheinenden Wüste. So fuhren wir Hunderte Kilometer durch die menschenleeren Gegenden, nur die Kühe, die ab und zu am Strassenrand zu sehen sind, die Wegweiser zu den weit verstreuten Bauernhöfen und die Roadhouses an denen man wieder volltanken kann, zeugen von Zivilisation. Die riesigen Distanzen, die uns zu Beginn ein wenig Sorgen bereiteten, waren gar nicht so schlimm, da wir diese weiten und menschenleeren Gegenden mit den vielen Möglichkeiten zum freien Campieren, mit der Zeit so richtig zu geniessen begannen.  Da wir im Winterhalbjahr unterwegs sind, hatten wir auch angenehme Temperaturen, so zwischen 10 Grad in der Nacht und max. 30 Grad tagsüber. So konnten wir auch ein paar längere Wanderungen unternehmen, wie die steile Besteigung des Ayers Rock und des Kings Canyon, eine wunderschöne Schlucht. Ab und zu konnten wir auch  Wildtiere wie Kängurus, Dingos (wolfsähnlicher Hund) und verschiedene Vögel beobachten. Im Winter ist auch die Fliegenplage nicht so schlimm wie im Sommer, dennoch sind sie äusserst lästig, diese kleinen Biester, die einem vor allem in die Augen und Nasenlöcher fliegen. Da ist es bei uns im Heuberg ganz angenehm dagegen.

School of the Air
In Alice Springs, der Stadt mitten im roten Zentrum, besuchten wir die Funkschule. In dieser Schule sind nur die Lehrer anzutreffen. Die Schüler sind zwischen 50 und 1500 Kilometer entfernt in ihrem Zuhause auf Bauernhöfen, Nationalparks oder auch in Eingeborenendörfern. Letztere werden zusätzlich zu ihrer Schule in Muttersprache vor Ort,  in Englisch über die Funkschule unterrichtet. Die einzelnen Schüler leben über 2000 Kilometer voneinander entfernt, viermal jährlich treffen sie sich eine Woche in Alice Springs. Wir konnten live sehen und hören, wie so eine Schulstunde vor sich geht, heutzutage natürlich über modernste Computertechnik und nicht mehr über Funk. Die Kinder sind je nach Jahrgang bis zu zweieinhalb Stunden täglich online, die restliche Zeit arbeiten sie mit ihrem Hauslehrer und dem Unterrichtsmaterial. Hauslehrer sind in den meisten Fällen die Eltern. In Alice Springs rüsteten wir uns wieder fürs Outback mit Grosseinkauf und Autoservice. Schon feudal, wenn man immer den Kühlschrank bei sich hat. Unser nächstes Ziel Cairns ist 2500 Kilometer entfernt. Mit einem etwas mulmigen Gefühl, ob wir wohl so viele Kilometer ohne grösseren Reisekoller überstehen werden, machten wir uns auf den Weg. Aber auch die gingen schnell vorbei. Wir wechselten uns alle 100 Kilometer ab mit Fahren und mit den Kindern Spiele machen.

Rodeo
Da die Wetterprognosen für Cairns nicht gut waren, entschieden wir uns dann allerdings, 800 Kilometer vorher in Normanton auf einem Campingplatz mit Schwimmbad und Spa ein paar Tage Badeferien einzuschalten. Ich kam endlich mal dazu, ein Buch zu lesen. Zufälligerweise fand hier gerade ein Rodeo statt. Das Ereignis für die Leute im Outback, ein dreitägiges Volksfest mit Umzug, Rummelplatz und den verschiedenen Rodeowettkämpfen. Da versucht man, sich möglichst lange auf dem Rücken mächtiger Bullen oder noch nicht zugerittener Pferde zu halten, bis man abgeworfen wird und dabei hoffentlich nicht unter die Hufe kommt. Da werden Kälber an Kopf und Schwanz zu Boden gezerrt, um sie auf den Rücken zu drehen und so weiter. Sogar die Polizei machte beim Kälberbändigen mit. Nach diesem Spektakel fuhren wir nochmals durch einsame Gegenden. Im Outback muss man vor allem auf die Roadtrains (Lastwagenzüge) achtgeben, besonders dann, wenn nur eine Fahrspur geteert ist. Roadtrains können bis zu 50 Metern lang sein, dementsprechend schwanken die hintersten Wagen bedrohlich, so dass man genügend Abstand halten muss beim Kreuzen. Kurz vor Cairns änderte sich die Gegend dramatisch und das auf wenigen Kilometern. Statt der endlos scheinenden Steppe wird es auf einmal hügelig, die trockenen gelben Grasbüschel weichen grünem, saftigem Gras. Wo er nicht abgeholzt wurde, gibt es dichten Regenwald. Eine richtige Wohltat für unsere Augen, ein wenig erinnert uns die Landschaft an die Schweiz. Jetzt geniessen wir aber noch den Rest unserer Reise und sind gespannt, was uns noch alles erwartet.
 


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