Adonia-Musical in Gstaad – Teil der grossen Geschichte sein
17.04.2026 KircheLetzten Samstag war es wieder einmal so weit: Adonia kam nach Gstaad und bot im Kirchgemeindehaus ein eindrückliches Musicalkonzert, das unter die Haut ging. Mit einer lauten vereinten Stimme brachte der Teens-Chor eine alte Bibelgeschichte neu zum Glänzen. Die jungen ...
Letzten Samstag war es wieder einmal so weit: Adonia kam nach Gstaad und bot im Kirchgemeindehaus ein eindrückliches Musicalkonzert, das unter die Haut ging. Mit einer lauten vereinten Stimme brachte der Teens-Chor eine alte Bibelgeschichte neu zum Glänzen. Die jungen Sänger, Musikerinnen, Schauspielenden und Tänzer verpackten die Story über Rahab in eine vielsagende und deutliche Botschaft für das Hier und Jetzt.
Wer kennt sie nicht, die Geschichte der Eroberung Jerichos? Mancher mag auch den Anführer Josua mit Namen nennen können. Viele aber kennen Rahab, die Prostituierte, eine Schlüsselfigur der ganzen Geschichte, nicht. Und nur wenige wissen, dass diese Rahab sogar im Stammbaum von Jesus vorkommt.
Was wissen wir über Jericho? Die Teens sangen unverblümt: «Hinter dine Muure lauft es Trybe, wo me nümm cha jugendfrei beschrybe. Dini Götter heissed Luscht und Perversion. Was erhoffsch du dir devo für en Lohn? Wäg dim Trybe muess das Land erbräche. Warum duldisch du so viel Verbräche?... Warum lauft ales chrumm? Warum chehrsch du nid um? Weisch du denn nid: Gli isch die Zyt vo de Gnad verby.»
Ein Teil der Adonia-Botschaft ging somit an Jericho: Ein Warnruf in tiefste Finsternis und dunkles Treiben hinein. In eine Gesellschaft, die sich von Gott abkehrt und sich lieber andere Götter macht.
Vielleicht ist das auch eine Botschaft für das Hier und Jetzt? Für die heutige Gesellschaft? Für das Saanenland? Für dich und mich? Oder ist uns die Botschaft von Rahab lieber? Die gespürt hat, dass am Gott ihrer Gäste etwas dran ist? Dass dieser Gott Bedeutung hat, und man vor ihm eigentlich Angst haben müsste? Meisterhaft verkörperte die junge Schauspielerin eine Rahab, die zuerst voller Angst und Verzweiflung war, dann langsam Vertrauen zum Gott ihrer Gäste gewinnt: «Gseht niemer mini Sehnsucht, de Wunsch nach wahrem Wärt? Will so, wien ich muess läbe, ischs nid läbenswärt. Gseht niemer mini Leeri, won ich i mir drin ha? Gits denn für mich kei Hoffnig, won ich draa glaube cha? …Wenn dä Gott doch cha befreie, wenn er Wunder cha tue, chönnt er mich doch au errette. Ich fänd Friede und Rueh. Oh, wie schön wär ächti Liebi, tüüfi Freud i mim Härz! Ja, verbi wär all min Chummer und Schmärz.»
Mit starken Stimmen, klaren Texten, bewegendem Schauspiel und berührenden Choreografien führte der Chor die Zuhörenden weiter durch die Geschichte dieser eindrücklichen Frau, die sich dem Gott ihrer Gäste anvertraute und so die Rettung ihrer ganzen Familie bewirken konnte.
«S git kes Zrugg. Ich luege vorwärts. Ich ha d Chance, ich ha d Wahl. Was isch gsi, chan ich nümm ändre, s alte Läbe voller Qual. Doch Gott tröschet. Er cha rette. Drum wänd ich mich ihm jetzt zue. Us mim Sturm wird er mich füehre in e völlig neui Rueh.»
Vielleicht ist das auch eine Botschaft für das Hier und Jetzt? Für dich und mich?
Dass Rahab sogar im Stammbaum von Jesus vorkommt, wäre dann auch die Antwort auf die Frage, ob Prostituierte einen Platz bei Gott haben. Gott schreibt wohl seine Geschichte mit normalen, fehlerhaften Menschen. Die Frage scheint zu sein, ob sie sich ihm anvertrauen.
«Ja, dir spielts kei Rolle, Herr, vo wo dass ich chum, ob mis Läbe grad verlaufe isch oder chumm. Ich weiss: Mini Schuld isch keis Problem meh für dich, will deet a däm Chrüz bisch du, Herr, gstorbe für sie… Drum setz ich mis Läbe i und folge dir na, und wott jede Wäg vo jetzt a mit dir goh, bezüge, dass du eus Mensche unändlich liebsch. Ja, ich wott en Teil si vo de Gschicht, wo du schrybsch!»
Das Konzert in Gstaad war das vierte und letzte Konzert einer viertägigen Tournee. Teenager sowie Mitarbeitende wurden von über 30 einheimischen Familien für eine Nacht aufgenommen, bevor sie von ihnen am Sonntagmorgen zum Campabschluss ins Dorf gefahren wurden. Ein gutes Erlebnis für die Gäste, aber auch für die Gastgeber!
DANIELA ROMANG-BIELER
WAS IST ADONIA?
Adonia ist einerseits eine als Verein strukturierte Jugendorganisation. Jährlich finden über 60 Musicalund Sportcamps mit mehr als 4000 Teilnehmenden in der ganzen Deutschschweiz und in der Romandie statt.
Gestartet hat Adonia 1979 mit dem Lehrer und Sonntagsschullehrer Markus Hottiger, der selbst geschriebene Musicals mit Kindergruppen aufführte. Mit jährlich über 150 Konzerten und mehr als 50’000 Konzertbesuchenden ist innerhalb von 45 Jahren eine Singbewegung entstanden, die ihresgleichen sucht. Andererseits ist Adonia auch ein Verlag und eine Versandbuchhandlung für Familien, Kirchen und Schulen.
Die in Anführungszeichen gedruckten Ausschnitte des Musicals stammen aus dem Programmheft. Sie sind in Mundart (aargauer Dialekt) geschrieben. Die Teens, die nach Gstaad gekommen sind, waren vor allem Berner Oberländer:innen, so kam das Publikum in den Genuss «unseres» Dialekts.
DANIELA ROMANG-BIELER



