Seit 13 Jahren treten die Privatschule Le Rosey und das lokale Gymnasium in Gstaad gegeneinander in einem freundschaftlichen Wettkampf an. Es gibt zwei Disziplinen: Riesenslalom mit Ski oder Snowboard und einen Eishockeymatch – mit anschliessenden Essen ...
Le Rosey vs. Gstaad: 13 Jahre Kampf um die Kuhglocken
05.02.2026 SportSeit 13 Jahren treten die Privatschule Le Rosey und das lokale Gymnasium in Gstaad gegeneinander in einem freundschaftlichen Wettkampf an. Es gibt zwei Disziplinen: Riesenslalom mit Ski oder Snowboard und einen Eishockeymatch – mit anschliessenden Essen im The Alpina Gstaad. The Alpina Gstaad ist der Sponsor des gesamten Events.
PAULA H. MITTAG
Das Wetter hielt sich nicht zurück: Grosse Schneeflocken fielen vom Himmel, als sich an den Hublen die Schüler:innen der Privatschule Le Rosey und des Gymnasiums Interlaken in Gstaad auf das bevorstehende Skirennen vorbereiteten. Vergangenen Freitag fand der Alpina Cup bereits zum 13. Mal in Folge statt. Die beiden Schulen lieferten sich dabei spannende Wettkämpfe im Riesenslalom und im Eishockey. Während am Nachmittag einige hoch motiviert die Piste mehrmals runter fuhren, nutzten andere die Gelegenheit, neue Kontakte mit Schüler:innen der jeweils anderen Schule zu knüpfen und sich angeregt zu unterhalten. Wieder andere versorgten sich am Stand mit Snacks und Heissgetränken. «Ich finde den Anlass cool, unter anderem weil wir dann weniger Schule haben und gratis essen dürfen», sagt Lynn Hefti, Schülerin des Gymnasiums Gstaad, lachend.
Trotz schlechten Wetters gute Ergebnisse
Unter dichten Schneeschwaden wurden die letzten Testfahrten absolviert. Auf die Ankündigungen der Speakerinnen, Joannah Spencer und Lara Grunder, machten sich die ersten Startnummern bereit. Wie jedes Jahr eröffneten die Snowboarder das Rennen in einer Mixed-Kategorie, in der Mädchen und Jungen gemeinsam gewertet wurden. Hiroki von Le Rosey erzielte mit einer Zeit von 54.99 Sekunden das beste Resultat bei den Snowboardern. Helene, ebenfalls von Le Rosey, erreichte mit einer Zeit von 56.04 den zweiten Platz und war damit die beste Snowboarderin, trotz der schwierigen Wetter- und Pistenbedingungen. Besonderes Geschick auf den Ski zeigten die Gstaader Gymnasiasten Rebekka Bach mit einer Zeit von 41.86 Sekunden als beste Skifahrerin sowie Silas Däpp mit 37.26 Sekunden als bester Skifahrer. Vor allem im Riesenslalom bewiesen die Jungs des Gymnasiums Gstaad ihre lokale Dominanz und belegten sämtliche Podestplätze sowie den vierten Rang. Doch nicht nur die Jugend zeigte vollen Einsatz: Auch die Ladies- und Gentlemen-Kategorien verzeichneten grosse Erfolge. Nathalie Ziegler (Mitglied des Alpina-Staffs) sicherte sich mit einer Zeit von 49.77 Sekunden den ersten Platz bei den Ladies. In der Gentlemen-Kategorie gewann Stefan de Dycker (Gast von Le Rosey) mit einer Zeit von 44.89 Sekunden. Die begehrte Kuhglocke, die als Trophäe fungiert, ging dieses Jahr an das Gymnasium Gstaad.
Action auf Schnee und Eis
Nach einer kurzen Pause ging es für die zuvor noch Skifahrenden direkt weiter auf die Eisbahn in Gstaad. Dort traten die Junioren und Senioren des Eishockeyclubs Gstaad sowie des Gymnasium Interlaken Gstaad gegen Le Rosey an. Während sich die Teams einen fairen und freundschaftlichen Kampf lieferten, konnten die Zuschauenden das Spiel bei kostenlosen Hotdogs und heissem Punsch geniessen. «Ich hätte nicht gedacht, dass das Team aus Gstaad so gut ist. Ich bin froh, dass es auf der Eisbahn keinen Schnee gibt, da es heute den ganzen Tag geschneit hat», meinte Oscar, Schüler des Le Rosey.
Le Rosey ging von Beginn an mit einer starken Führung von 4:1 in das Spiel. Dennoch blieb es bis zum Schluss spannend, da das Team Gstaad bis auf 8:7 aufholte und am Ende für den möglichen Ausgleich sogar den Goalie durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzte. Letztlich behauptete sich Le Rosey jedoch und gewann das Spiel mit 8:7 – und damit auch die allbekannte Kuhglocke. Zur Würdigung der starken Leistungen wurde aus jedem Team ein bester Spieler ausgezeichnet. Bei Le Rosey ging diese Ehre an Liam, beim Team Gstaad an Niklas Zeller. Beide erhielten als Auszeichnung Eishockeyhandschuhe.
Als Belohnung im The Alpina Gstaad essen
Nach dem Wettkampf und einer schnellen Dusche liessen die beiden Schulen den Abend bei einem gemeinsamen Essen im The Alpina Gstaad, dem Sponsor des Anlasses, ausklingen. Unter grossem Jubel kündigte Le-Rosey-Lehrer Andrew Spencer die Platzierungen der Wettkämpfe an und überreichte den jeweiligen Siegenden ihre Medaillen, Eishockeyhandschuhe und am wichtigsten: die Glocken. «Ich finde das ein grossartiges Event! Wenn es jedes Jahr stattfindet, können sich die Leute darauf freuen, sich vorbereiten und vorausschauend planen und organisieren», erklärt Oscar abschliessend.
Auszug aus der Rangliste:
Snowboard: 1. Hiroki, Le Rosey, 54.99; 2. Helene, Le Rosey, 56.04; 3. Leah, Le Rosey, 1:03.97; 4. Dashiell, Le Rosey, 1:04.24; 5. Lynn Beetschen, Gym. Gstaad, 1:04.74. Ski Mädchen: 1. Rebekka Bach, Gym. Gstaad, 41:86; 2. Jana Zeller, Gym. Gstaad, 42.87; 3. Billie, Le Rosey, 42.96; 4. Sandrine Matti, Gym. Gstaad, 43:48; 5. Ako, Le Rosey, 43.64. Ski Ladies: 1. Nathalie Ziegler, Staff Alpina, 49.77. Ski Knaben: 1. Silas Däpp, Gym. Gstaad, 37.26; 2. Elia Bach, Gym. Gstaad, 38.15; 3. James Frost, Gym. Gstaad, 38.61; 4. Sven Bircher, Gym. Gstaad, 39.02; 5. Gabriel, Le Rosey, 40.91. Ski Gentlemen: 1. Stefan de Dycker, Guest Rosey, 44.89; 2. Jason Robinson, Staff Rosey, 49.25; 3. Andrew Spencer, Staff Rosey, 49.33; 4. Christophe Gudin, Staff Rosey, 51.67; 5. Mats Heinrich Böhm, Staff Alpina, 52.21.
Interview mit Branka Fluri und Jason Robinson
«Ich denke, es ist eine grossartige Gelegenheit, die beiden Gruppen zusammenzubringen»
Branka Fluri, Lehrerin am Gymnasium Interlaken in Gstaad, und Jason Robinson, Lehrer am Institut Le Rosey, sprechen über ihre Eindrücke am Alpina Cup, die organisatorischen Herausforderungen und darüber, wie die Schüler:innen den Anlass erlebt haben.
PAULA H. MITTAG
Branka Fluri, gab es besondere Herausforderungen?
Branka Fluri (BF): Für mich persönlich war es wirklich herausfordernd, bei der Organisation mitzuwirken, ohne zuvor je selbst dabei gewesen zu sein. Die Schüler:innen stellten teilweise Fragen, die ich nicht immer direkt beantworten konnte, aber am Ende hat alles funktioniert. Die Stimmung war insgesamt sehr entspannt, es war ein gelungener Anlass. Aber das Organisationsteam ist bestens eingespielt und sehr gut aufeinander abgestimmt. Unser Sportlehrer Bruno Sumi hat dort sehr viel geleistet, sodass ich nur noch auszuführen brauchte, was mir an den Besprechungen im Vorfeld aufgetragen wurde.
Aus Sicht der Schüler:innen war es sicher ebenfalls herausfordernd, was sie an diesem Tag alles mit sich herumtragen mussten. Morgens haben sie noch Unterricht, kommen in normaler Kleidung, bringen dann das komplette Skizeug mit und zusätzlich noch schicke Kleidung für den Abend. Das muss alles irgendwo untergebracht werden, inklusive Umziehen – und das in einem sehr kleinen Zeitfenster.
Welche Bedeutung hat der Alpina Cup für die beiden Schulen?
Jason Robinson (JR): Ich denke, es ist eine grossartige Gelegenheit, die beiden Gruppen zusammenzubringen. Davor hielten sie sich zwar im selben Ort auf, kamen aber kaum miteinander in Kontakt. Wenn man die Jugendlichen heute Abend beobachtet, sieht man, wie viel sie daraus mitnehmen. Ich finde, das ist eine wirklich gute Sache. Selbst während der Covid-Zeit haben wir einen Weg gefunden, sie zusammenzubringen.
BF: Für uns ist das sicher sehr wichtig, weil es eine der wenigen Gelegenheiten ist, bei denen die Schulen miteinander in Kontakt treten können – genauso wie die Schüler:innen untereinander. Gleichzeitig ist es auch ein sehr schöner Anlass mit einem starken regionalen und lokalen Bezug. Es zeigt, dass wir dazugehören, und das hat für uns eine grosse Bedeutung. Es ist inzwischen das 13. Mal, dass der Anlass stattfindet, und wir sind immer sehr gerne dabei. Und für die Schüler:innen ist es natürlich auch ein halber Tag ohne Unterricht.
Jason Robinson, was hat sich verändert?
JR: Dieses Jahr fand das Skirennen an den Hublen statt, anstatt am Wasserngrat, was eine kleine Veränderung war. Ich denke, das war eine gute Sache, um für etwas Abwechslung zu sorgen. Die Dynamik ist hier ohnehin anders, da die Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss machen und sich die Zusammensetzung jedes Jahr verändert. Ich war froh, dass wir das Rennen an den Hublen durchgeführt haben, da der Tag insgesamt recht stressig ist und alles nach einem strikten Zeitplan abläuft. Durch die kürzeren Wege konnten wir etwas Ruhe gewinnen, was sehr angenehm war. Trotzdem hat auch der Wasserngrat seinen ganz besonderen Charme.
Haben sich die Schüler:innen auf den Alpina Cup gefreut?
JR: Es ist einer der wichtigsten Anlässe für Le Rosey und derjenige, bei dem am meisten Leute involviert sind. Die Schüler:innen freuen sich enorm darauf – ehrlich gesagt könnte man den Anlass auch zweimal im Jahr durchführen. Im Eishockey findet der Wettkampf relativ früh in der Saison statt, weshalb die Schüler:innen noch nicht viel Training hatten. Das schmälert das Erlebnis jedoch überhaupt nicht. Sie nehmen die Herausforderung, sich mit dem Gymnasium zu messen, sehr gerne an. Natürlich gibt es sportlich kompetitive Momente, gleichzeitig freuen sich aber alle auch darauf, gemeinsam mit den Schüler:innen der anderen Schule am Tisch zu sitzen. Selbst die Topfahrer sehen das so, während jene weiter hinten in der Rangliste den Abend vielleicht sogar noch mehr geniessen.
BF: Die Schüler:innen freuen sich jeweils sehr auf den Anlass und bringen viel Vorfreude mit. Ich denke, das Wichtigste ist, dass unterschiedliche Gruppen aufeinandertreffen und merken, dass sie sich letztlich doch ähnlich sind. Dazu kommt die lokale Verankerung, die eine grosse Rolle spielt. Auch für uns als Schule ist das wichtig, denn viele Lehrpersonen stammen nicht aus der Region, und auch einige Schüler:innen kommen beispielsweise aus dem Obersimmental. Solche Anlässe sind identitätsstiftend und haben für die Schule in Gstaad eine grosse Bedeutung.


























