Alternative Energiequellen: Frautschis Erheblichkeitsantrag ist in Bearbeitung
30.05.2024 PolitikVergangenen Dezember hat die Saaner Gemeindeversammlung den Erheblichkeitsantrag von Ernst Frautschi zur Prüfung alternativer Energiequellen angenommen. Während der Gemeinderat an der Umsetzung arbeitet, hofft Frautschi auf die Realisierung mehrerer Massnahmen, denn darin sieht ...
Vergangenen Dezember hat die Saaner Gemeindeversammlung den Erheblichkeitsantrag von Ernst Frautschi zur Prüfung alternativer Energiequellen angenommen. Während der Gemeinderat an der Umsetzung arbeitet, hofft Frautschi auf die Realisierung mehrerer Massnahmen, denn darin sieht er die Zukunft für die Energiewende.
JOCELYNE PAGE
Mit einer deutlichen Mehrheit ist der Erheblichkeitsantrag von Ernst Frautschi angenommen worden: Die Saaner Gemeindeversammlung stimmte vergangenen Dezember dem Vorschlag zu, dass die Gemeinde alternative Energiequellen prüfen soll (wir haben berichtet). Bei einem Gespräch zeigt sich Frautschi enttäuscht, dass gegenwärtig noch keine Massnahmen vorliegen würden. «Der gleichzeitig eingereichte Erheblichkeitsantrag zum Temporegime in Schönried wurde bereits im März an der Gemeindeversammlung behandelt. Ich finde dies eine Ungleichbehandlung, zumal es bei der Erarbeitung von alternativen Energiequellen aufgrund des Klimawandels eilt.» Ziel seines Antrags sei es, die Nutzung erneuerbarer Energien in der Region zu diversifizieren und den Energierichtplan der Gemeinde zu unterstützen, der einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien bei der Stromlieferung vorsieht, so Frautschi. Wünschenswert wäre gemäss Frautschi zudem, dass baldmöglichst eine Energiekommission in der Gemeinde gegründet werde, welche auch Fachpersonen einbeziehe.
Auf Anfrage bestätigt Toni von Grünigen, Saaner Gemeindepräsident, dass die Gemeinde am Antrag arbeite. Für die Umsetzung sind voraussichtlich noch Beschlüsse der Gemeindeversammlung notwendig.
Solar auf bestehende Infrastrukturen
Ein zentraler Bestandteil seines Antrags ist der Vorschlag, Solarpanels nicht nur auf Dächern, sondern auch auf Stützmauern und grösseren Fassaden zu installieren. «PV-Anlagen auf Dächern sind im Winter oftmals schneebedeckt. Auf diesen Flächen bestünde diese Gefahr nicht, sie könnten daher kontinuierlich Energie liefern. Zudem müssten wir keine Solarpanels in unverbaute Landschaften stellen, was auch den Einbau zusätzlicher Stromleitungen erfordern würde», argumentiert Ernst Frautschi und spricht damit das Solargrossprojekt SolSarine 2.0 an. Die Bestückung bereits vorhandener Infrastruktur mit Solarpanels biete den Vorteil, dass das Stromnetz bereits vorhanden sei. «Die Gemeindeversammlung vom Dezember 2023 hat gezeigt, dass die Saaner Bevölkerung die Verbauung der Landschaft nicht gutheisst, alternative Solarprojekte jedoch angestossen werden sollen und zahlreiche Infrastrukturen hierfür bereits vorhanden sind.»
Kombisystem für Masten
Frautschi hat eine weitere Vision: die kombinierte Nutzung von Bergbahnmasten. Die Masten sollen aussen mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Die Statik der Masten sei ausreichend, um die zusätzlichen Lasten zu tragen. «Kombiniert mit Ventilatoren, welche die durch die PV-Anlagen erzeugte Wärme in Energie umwandeln, könnte ein effizientes System zur Stromproduktion entstehen», erklärt Frautschi.
Trinkwasser vielseitig nutzen
Auch die Nutzung von Wasserkraft wird in Frautschis Antrag thematisiert. Er regt an, Turbinen in der Trinkwasserversorgung – beispielsweise bei der Palace-Quelle oder Richtung Lauenen in der Enge – zu installieren. «Über Nacht könnte das Wasser durch die Turbinen geleitet werden, um Strom zu erzeugen, ohne den Wasserbedarf der Bevölkerung zu beeinträchtigen», so Frautschi. «Dies wäre für die nächtliche Beschneiung der Skipisten besonders wichtig, zumal Solarzellen in der Nacht keinen Strom liefern.» Zusätzlich möchte er den Ausbau der Biomassetechnologie fördern. Das bestehende Fernwärmenetz der EBL im Saanenland sei bereits gut entwickelt, doch er sieht weiteres Potenzial, um die Nutzung dieser erneuerbaren Energiequelle zu intensivieren.
Einsatz für Diversität
Ernst Frautschi stört sich an der aktuellen öffentlichen Diskussion. Er kritisiert den bisherigen Fokus auf Solargrossprojekte in der Region. «Diese werden als die eine Lösung unseres Energieproblems präsentiert. Ich bin allerdings der Meinung, dass viele verschiedene Massnahmen zum Ziel führen.» Er plädiert deshalb für eine breitere Nutzung verschiedener erneuerbarer Energien. Er hofft, dass der Gemeinderat seinen Erheblichkeitsantrag «endlich ernsthaft prüft und die vorgeschlagenen Möglichkeiten in Erwägung zieht».
Derzeit bleibt abzuwarten, wann die Ergebnisse der Gemeinde vorliegen und die Vorschläge zur Abstimmung vorgelegt werden können.