Am Mad Muni pogen die Punks frisch geduscht
27.04.2026 KulturBald wird wieder Pogo getanzt, also zu Punkmusik hin- und herspringen. Das Mad Muni geht in die zwölfte Runde. Zurzeit läuft der Aufbau: «Wir arbeiten an vier Tagen jeweils rund zehn Stunden», sagt Präsident Dominik Marti.
JONATHAN SCHOPFER
Kommendes Wochenende ...
Bald wird wieder Pogo getanzt, also zu Punkmusik hin- und herspringen. Das Mad Muni geht in die zwölfte Runde. Zurzeit läuft der Aufbau: «Wir arbeiten an vier Tagen jeweils rund zehn Stunden», sagt Präsident Dominik Marti.
JONATHAN SCHOPFER
Kommendes Wochenende wird der «wütende Stier» wieder freigelassen, gestriegelt und geputzt. Die zwölfte Ausgabe des Festivals Mad Muni in Saanen steht vor der Tür und findet vom 30. April bis 2. Mai statt. «Derzeit arbeiten rund zehn Helfer am Aufbau mit», sagt Dominik Marti, Präsident des Festivals, auf Anfrage dieser Zeitung. Mit Werkzeugkisten und Sackkarren bauen sie Zelt, Bühne und Infrastruktur auf. Marti ergänzt: «Wir arbeiten an vier Tagen jeweils rund zehn Stunden am Aufbau.» Inbegriffen ist dabei die nebenstehende Landfläche – der eigentliche Platz für den Kleinkaliberschiessplatz an der Allmistrasse –, der zum Zeltplatz umfunktioniert wird. Neu stehen dort in diesem Jahr auch Duschen zur Verfügung. Die Punkerinnen und Punker können so, je nach Aprilwetter, den Schweiss und/oder den Schlamm wegwaschen. Marti drückt es so aus: «Wir werden auch nicht jünger, ein paar Festivalgänger schätzen es, wenn sie duschen können.»
Zusätzlich wird das Festivalgelände rollstuhlgerecht gemacht. Für den Vorstand war schon immer der Gemeinschaftsgedanke zentral. «Wir sind eine kleine Familie, das spürt man», ist Marti überzeugt und untermauert dies mit einer Anekdote: «Eine Band vom Mad Muni kam bei der darauffolgenden Ausgabe als Gast vorbei, weil sie wissen wollte, ob die Stimmung hier immer so gut ist.»
Qualitätsmerkmal: das Beherrschen von Instrumenten
Dass Punkrock im Moment eine Randerscheinung ist und selten im Radio oder in der Schweizer Hitparade zu hören ist, ist sich Dominik Marti bewusst. Dennoch gebe es eine beständige Gemeinschaft, die weiterhin Punk höre.
Das ganze OK schaue sich die Festivalszene in der Schweiz an und stehe auch mit kleineren Festivals in Kontakt. Nach Corona seien leider viele kleinere und mittelgrosse Festivals verschwunden. Wie die Suche nach Bands abläuft? Sie schauen sich vor allem im Punkrock und angrenzenden Musikstilen um, in der Schweiz, aber auch in Europa. «Uns ist besonders wichtig, dass die Bands ihre Instrumente live beherrschen. Das ist für den Vorstand ein Qualitätsmerkmal.» Deshalb beurteilen sie auch untereinander Livekonzerte der Bands im Internet.
Von Glamrock über alternativen Skatecore bis zum Trashmetall und katalanischen Folkpunk habe das Festival bereits viele Genres dabei gehabt. «Letztendlich ist es immer auch eine Frage der finanziellen Ressourcen, der zeitlichen Verfügbarkeit der Bands und manchmal auch der Distanz. Zum Beispiel kommt dieses Jahr ‹Melonball› aus Nürnberg ins Saanenland. Sie spielen hier ein Konzert und treten am nächsten Tag in Artonne in Frankreich auf – rund 500 Kilometer entfernt.»
Zum neunten Mal mit Volksmusik
Am Donnerstag erklingt zunächst Volksmusik, bevor am nächsten Tag härtere Gitarrenklänge durch die Boxen tönen. Dieser Kontrast sei schon speziell, sagt Dominik Marti. Gleichzeitig sorge gerade diese Mischung immer wieder für Begegnungen zwischen unterschiedlichem Publikum. «Schön zu sehen ist, dass es zum Teil zu Gesprächen kommt.» Dann sei auch schon jemand, dem eher die Volksmusik zusage, am nächsten Tag eine Punkband hören gekommen. «Und das Gegenteil ist auch der Fall», sagt Marti schmunzelnd.
Ganz vorne an der Bühne dabei
Für Dominik Marti, der im Zivilen sonst im Gesundheitswesen auch im Rettungsdienst arbeitet, ist das ganze Prozedere – vom Bühnenaufbau bis zu den Livekonzerten – ein Lebensgefühl. «Für die Mitglieder des OKs ist es wichtig, dass sie noch Zeit finden, selber an den Konzerten dabei zu sein und zu feiern.» Zu Punk könne man auch hervorragend tanzen, am besten ganz vorne an der Bühne, sagt Marti.
«Bei Zwischenfällen finden wir meist schnell Lösungen»
Dominik Marti spricht über das Festivalbudget, Verantwortungsgefühl und Zwischenfälle am Mad Muni.
INTERVIEW: JONATHAN SCHOPFER
Letztes Jahr regnete es am Mad Muni. Ist der Ticketverkauf jeweils wetterabhängig?
Jein, wir haben Stammgäste, die kommen, auch wenn es Katzen hagelt.
Dann gibt es wiederum spontane Besucher, die nur bei schönem Wetter vorbeischauen.
Macht das Festival einen Gewinn?
Wir machen keinen kommerziellen Gewinn in diesem Sinn, aber bei einem positiven Ergebnis wird das Geld in den Verein investiert. Wir kommen meistens mit einer Nullsumme heraus. Insgesamt helfen rund 25 Leute beim Aufbau und beim Barbetrieb ehrenamtlich mit. Nicht dazugerechnet sind Tontechnik, Lichttechnik etc.
Sie sind von Anfang an dabei, zum zwölften Mal. Sind Sie vor dem Start noch nervös?
Ich bin vor den Konzerten immer ein wenig angespannt, mir ist es wichtig, dass es ein gutes Fest wird. Wir haben ein Budget von 60’000 Franken. Ohne Sponsoren könnten wir das Festival nicht durchführen, deshalb fühle ich mich schon verpflichtet, dass es reibungslos abläuft.
Gab es auch schon Zwischenfälle?
Ja, zum Beispiel, als eine Band vor ihrem Konzert einen Autounfall hatte. Dann mussten wir schnell nach einem Ersatz suchen. Da wir aber hier auf ein grosses Netzwerk zurückgreifen können, finden wir meist schnell Lösungen.





