An den Rand gedrängt
04.09.2026 KolumneANITA MOSER
Ich fahre mit meinem E-Bike oft auf der Grubenstrasse – zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Beachvolleyballturnier oder einfach so. Und ich bin dort selten alleine unterwegs. Aber diesen Sommer hatte es auf dieser schmalen Strasse gefühlt mehr Verkehr als auf der ...
ANITA MOSER
Ich fahre mit meinem E-Bike oft auf der Grubenstrasse – zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Beachvolleyballturnier oder einfach so. Und ich bin dort selten alleine unterwegs. Aber diesen Sommer hatte es auf dieser schmalen Strasse gefühlt mehr Verkehr als auf der Kantonsstrasse. Als ob viele nochmals die Grubenstrasse fahren wollten, bevor die Barrieren montiert werden. Einige – mit ausserkantonalen Nummernschildern – hat möglicherweise ihr Navi fehlgeleitet. Item. So lange man gegenseitig Rücksicht nimmt, ist es mir eigentlich egal, wer oder was die Grubenstrasse hochoder runterfährt.
Aber das mit der Rücksicht ist halt schon so eine Sache. Oft fühle ich mich im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand gedrängt. An den Strassenrand. Zum Beispiel, wenn ich von einem Auto mit einem Abstand von wenigen Zentimetern überholt werde. Und es ist noch unangenehmer, wenn der Fahrer, die Fahrerin nicht einmal das Tempo reduziert…
Eine Zeit lang habe ich mir angewöhnt, auf schmalen Strassen mit dem Velo fast mittig zu fahren. Um dem Entgegenkommenden zu signalisieren: Bitte etwas abbremsen oder kurz anhalten, bis ich vorbei bin. «Du blöde Kuh», schrie mich ein Automobilist aus dem offenen Fenster an. Seither lasse ich das Mittigfahren.
Ein Graus sind mir breite Landwirtschaftsfahrzeuge – wobei ich betonen muss, dass die meisten Fahrer rücksichtsvoll sind, abbremsen oder an einer Ausweichstelle anhalten. Kürzlich kam mir ein breites, ein sehr breites Landwirtschaftsfahrzeug entgegen. Ich hatte aufgrund eines Zaunes rechter Hand keine Gelegenheit, auszuweichen, die Fahrerin aber eigentlich schon. Sie brauste jedoch an zwei Ausweichstellen und ohne Temporeduktion an mir vorbei und erwischte beim Kreuzen meinen Rückspiegel. Zum Glück nur den.
Ich kenne ja beide Seiten, fahre selber auch Auto. Und ich finde es definitiv nicht wirklich prickelnd, mit dem Auto auf einer 80er-Strecke über längere Zeit hinter einem Velo – oder einem langsamen Fahrzeug – nachzuschleichen, ohne überholen zu können. Weil es entweder Gegenverkehr hat oder weil die Fahrbahnen durch eine ausgezogene Linie getrennt sind. Aber das ist einfach so. Punkt. Es käme mir nie in den Sinn, mich neben dem Velofahrer auf der rechten Fahrbahn durchzuzwängen.
Ich empfehle allen Automobilist:innen, sich mal aufs Rad zu schwingen und die Grubenstrasse hochzufahren oder auf der Hauptstrasse von Gstaad nach Saanen und Schönried. Möglichst im Feierabendverkehr…
anita.moser@anzeigervonsaanen.ch
