Die AKWs in der Schweiz sind fast so alt wie der Schreibende mit Jahrgang Frühling 1944. Und 1988 hatte der damalige Nationalrat Christoph Blocher schon mal für das endgültige Aus des AKW-Projekts Kaiseraugst gesorgt. Er bildete eine bürgerliche Allianz, die den Bau vorwiegend ...
Die AKWs in der Schweiz sind fast so alt wie der Schreibende mit Jahrgang Frühling 1944. Und 1988 hatte der damalige Nationalrat Christoph Blocher schon mal für das endgültige Aus des AKW-Projekts Kaiseraugst gesorgt. Er bildete eine bürgerliche Allianz, die den Bau vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen stoppte – allein das Projekt hatte bereits 1,3 Milliarden Franken gekostet. Es war der Beginn der AKW-Phobie.
«Die Frage ist: Können wir mit den erneuerbaren Energien genügend Strom produzieren, ohne dass es andere Energieträger braucht?», fragt Bundesrat Albert Rösti, der sich gleichzeitig auch nicht gerade als Fan der Kernkraft bekennt.
Aber nun hat eine Diskussion über die Sicherheit der AKWs in der Schweiz eingesetzt, in welcher zum Beispiel der deutsche Kernphysiker Wolfgang Renneberg in der «Wochenzeitung» anmahnt, die beiden 70-jährigen AKWs Beznau 1 und Beznau 2 würden die Anforderungen an die Basissicherheit nicht mehr erfüllen. Die bauliche und räumliche Trennung elektrischer Kabel, wodurch Sicherheitssysteme bei einem Störfall ausfallen könnten, sei nicht mehr ausreichend. Zudem wären die Ansprüche an die Basissicherheit der druckführenden Rohre und Ventile innerhalb des radioaktiven Kreislaufs eines AKWs nicht mehr erfüllt.
Die absehbaren Folgen dieser Situation könnten gravierend sein: Mögliche Alterungsschäden oder sonstige Fehlentwicklungen würden verborgen bleiben.
Zudem könnte der Ausfall eines Sicherheitssystems vielleicht nicht mehr durch ein anderes aufgefangen werden. Auch gegen ein Erdbeben sei man nur ungenügend vorbereitet. Die sogenannte Erdbebenauslegung entspreche keineswegs dem Stand von Wissenschaft und Technik in diesem Bereich und zudem sei der Hochwasserschutz nur mangelhaft nachgewiesen. Renneberg erinnert daran, dass das 47-jährige AKW Gösgen heute seit bald einem Jahr «vorübergehend» still steht, wegen Sicherheitsrisiken im Kühlkreislauf, die den Schweizer Behörden seit 1976 bekannt seien. Dass das erhöhte Risiko nicht zu Schäden geführt habe, sei reiner Zufall. Und der Kernphysiker ist überzeugt: «Auf den Zufall sollte man sich jedoch bei einem Kernkraftwerk auf keinen Fall verlassen.» Seines Erachtens sei eine neue Bewilligung für den weiteren Betrieb dringend notwendig. Dies gelte für alle AKWs, die 40 Jahre und älter seien. Aber eine solche Prüfung würden die Betreiber von Gösgen gar nicht überstehen. Fazit: das AKW Gösgen müsste man abschalten. Und das wäre dann wohl der Anfang vom Ende der Schweizer Kernenergie.
OSWALD SIGG
JOURNALIST, EHEMALIGER BUNDESRATSSPRECHER
oswaldsigg144@gmail.com