Die Visitenkarte des Tennisturniers: das Kassehüsli
21.07.2026 Sport«Haben Sie noch Tickets für Wawrinka?» Diese Frage hörte das Team des Kassehüslis des EFG Swiss Open Gstaad letzten Dienstag besonders häufig. Eigentlich war der Turniertag ausverkauft. Doch kurzfristig wurden zehn Billette frei.
JONATHAN SCHOPFER
Das ...
«Haben Sie noch Tickets für Wawrinka?» Diese Frage hörte das Team des Kassehüslis des EFG Swiss Open Gstaad letzten Dienstag besonders häufig. Eigentlich war der Turniertag ausverkauft. Doch kurzfristig wurden zehn Billette frei.
JONATHAN SCHOPFER
Das Kassehüsli des EFG Swiss Open Gstaad steht an der Promenade, direkt neben dem Eingang zum Turnierareal. Es ist ein geschäftiger Ort – vor und hinter dem Schalter. Hier schaltet und waltet das Kassenteam unter der Leitung von Susan Bertsch.
14. Juli, 9 Uhr: Eine Besucherin tritt an den Schalter. «Hat es vielleicht noch Tickets für Wawrinka?», fragt sie. Viele wollen Stan Wawrinka auf seiner Abschiedstour nochmals in Gstaad sehen.
Eigentlich sind aber an diesem Dienstagmorgen bereits alle Plätze am Tennisturnier ausverkauft. Doch fünf Minuten zuvor sind überraschend zehn Billette frei geworden. Als die Besucherin von ihrem Glück erfährt, kauft sie eines davon. «Oh, ich bin so happy», sagt sie strahlend.
Das Kassehüsli ist auch ein Auskunftsdienst
«Solche Begegnungen sind genau der Grund, weshalb ich seit vielen Jahren mithelfe», sagt Bertsch. 2002 stand sie zum ersten Mal im Kassehüsli. Seither ist sie Jahr für Jahr dabei. Die Arbeitstage sind lang: «Wir sind ab 8 Uhr bis zum letzten Match hier. Da kommen schnell zwölf Stunden zusammen.»
Während des Turniers sind vier Kassen und zwei Informationsstände geöffnet. Das Team verkauft Tickets, gibt Vorreservationen heraus – unter anderem für eingeladene Gäste –, nimmt Fundsachen entgegen und beantwortet die unterschiedlichsten Fragen.
«Wo finde ich einen Supermarkt?», fragt ein Gast. Andere wollten auch schon wissen, wo sich der nächste Bankomat oder die Restaurants befinden. «Manchmal sind wir fast wie eine Touristeninformation. Deshalb ist es ein Mehrwert, wenn unsere Mitarbeiter:innen Einheimische sind.»
Das Team machts aus
Das Team ist eingespielt. Alle Mitarbeitenden arbeiten seit mindestens fünf Jahren beim Tennisturnier mit, einige bereits deutlich länger. «Die Kasse ist eine Art Visitenkarte des Turniers», sagt Bertsch. Viele Gäste kommen seit Jahren nach Gstaad und erkennen sie wieder. Umgekehrt erinnert sich das Team an zahlreiche Gesichter.
Die zehn kurzfristig freigewordenen Tickets sind rasch verkauft. Ein Gast reagiert enttäuscht, da er keines mehr erhält. Bertsch, die beruflich im Dienstleistungssektor tätig war, bleibt ruhig und höflich. Auch solche Begegnungen gehören für sie dazu: «Dieses Tennisturnier bedeutet den Menschen viel.»
Ruhigere Momente gebe es ab und zu auch. Dann sitzt das Team aus freiwilligen Helfer:innen im Kassehüsli und beobachtet das Treiben vor dem Turnierareal. «Es ist manchmal wie ein Live-Kino», sagt Susan Bertsch schmunzelnd.
ZUR PERSON
Susan Bertsch, Jahrgang 1968, wuchs in Ostermundigen auf. Nach ihrer KV-Lehre arbeitete sie sieben Jahre im Dienstleistungsbereich von Swiss-Ski. Der Liebe wegen zog sie anschliessend ins Saanenland. Sie lebt mit Bruno Romang zusammen. Das Paar hat einen Sohn. Seit 20 Jahren unterstützt sie ihren Partner in dessen Malergeschäft. «Ich bin dort das Mädchen für alles», sagt sie. In ihrer Freizeit fährt sie gerne Ski, unternimmt Ausflüge mit ihrer Familie und geht gerne shoppen.
JSC
«Ich freue mich jedes Jahr darauf, dass wir uns als Team wiedersehen»
Die Einheimische Susan Bertsch leitet seit mehr als zehn Jahren das Ressort Kasse und Information am EFG Swiss Open Gstaad. Im Interview erzählt sie über besondere Erlebnisse und verrät, welche häufig gestellte Frage selbst sie nicht beantworten kann.
JONATHAN SCHOPFER
Wie hat sich der Ticketverkauf seit Ihrem ersten Einsatz im Jahr 2002 verändert?
Früher kamen viel mehr Leute auf gut Glück an die Tageskasse. Das Turnier war eigentlich nie ausverkauft, man bekam immer noch Tickets. Heute ist das anders. Das Turnier ist gesamtschweizerisch und vielleicht sogar international bekannter geworden. Wer einen bestimmten Tag besuchen möchte, sollte sich deshalb frühzeitig organisieren.
Welcher Anteil der Billette wird online und welcher hier am Schalter verkauft?
Ich schätze, dass wir etwa ein Viertel der Billette hier im Kassehüsli verkaufen.
Vorhin waren Gäste mit ungültigen Tickets bei Ihnen, die sie online erworben haben. Worauf sollte man beim Onlinekauf achten?
Die Billette sollten unbedingt über die offiziellen Verkaufsstellen des Turniers bezogen werden. Dieses Jahr hatten wir bereits mehrere Fälle mit Tickets von einer inoffiziellen Onlineplattform. Die Billette sahen echt aus, aber es fehlten Angaben wie der Sektor, die Reihe oder der Sitzplatz. Die Leute hatten teilweise sehr viel Geld dafür bezahlt. Das tut einem leid. Deshalb raten wir dringend dazu, Billette nur über die offiziellen Verkaufsstellen zu kaufen.
Was geschieht an der Kasse, wenn es regnet?
Manche Leute kommen schon nach kurzer Zeit und fragen, ob sie ihr Geld zurückbekommen. Dann versuchen wir, sie zu beruhigen. Wir sind in den Bergen, das Wetter kann sich schnell ändern. Vielleicht ist es nur ein Gewitter, und nach ein oder zwei Stunden kann weitergespielt werden.
Gibt es sonst noch Fragen, die Ihnen immer wieder gestellt werden?
Vor allem zu Beginn der Turnierwoche fragen uns die Leute immer wieder, wer im Final spielen wird. Das können wir natürlich nicht sagen.
Was ist für Sie persönlich der schönste Teil der Turnierwoche?
Ich freue mich jedes Jahr darauf, dass wir uns als Team wiedersehen. Das Lustige ist: Wir wohnen alle im Saanenland und sehen uns während des Jahres vielleicht trotzdem nur zwei- oder dreimal. Aber im Juli wissen wir genau, dass wir wieder zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein werden. Die Woche ist intensiv, aber es entstehen jedes Jahr schöne Erinnerungen.
Welche Tennisspielerin oder welchen Tennisspieler würden Sie gerne treffen?
Da kommt mir sofort Dominic Thiem in den Sinn. Ich durfte ihn einmal am Flughafen Belp abholen und im Privatauto chauffieren. Er ist sehr sympathisch und ganz bescheiden. Wir haben über Gott und die Welt gesprochen. Es hat ihm hier oben sehr gut gefallen.





