Kein Magic-Pass-Zugang mehr: Sanetschbahn hat Betrieb neu ausgerichtet
28.07.2026 WirtschaftNachdem die Destination Gstaad in den Aboverbund Magic Pass eingestiegen war, verzeichnete die Sanetschbahn ein Plus von 67 Prozent an Gästen. Die Förderkapazitäten kamen an ihre Grenzen, weshalb sich die Kraftwerk Sanetsch AG ab diesem Sommer entschieden hat: Die als ...
Nachdem die Destination Gstaad in den Aboverbund Magic Pass eingestiegen war, verzeichnete die Sanetschbahn ein Plus von 67 Prozent an Gästen. Die Förderkapazitäten kamen an ihre Grenzen, weshalb sich die Kraftwerk Sanetsch AG ab diesem Sommer entschieden hat: Die als Werkseilbahn betriebene Anlage bleibt für den Tourismus offen, jedoch ohne Verbundabos. Wir haben nachgefragt.
JOCELYNE PAGE
Wer diesen Sommer die Seilbahn zur Staumauer Sanetsch nutzen will, erhält Zugang – jedoch nicht mit dem Magic Pass. Denn die Kraftwerk Sanetsch AG, die sich je zur Hälfte im Besitz der BKW Energie AG und der Energie Wasser Bern (ewb) befindet, hat ihren Betrieb neu ausgerichtet: Ausschliesslich Einzel- und Retourfahrten werden angeboten. Verbundangebote wie der Magic Pass oder das Angebot der Bergbahnen Destination Gstaad AG werden seit dieser Sommersaison nicht mehr akzeptiert. Dies kommuniziert die Betreiberin auf ihrer Homepage.
Der Grund: Nach dem Beitritt der Destination Gstaad zum Magic Pass stiessen Förderkapazitäten an ihre Grenzen. Denn am Ende ist die Seilbahn eine Werkseilbahn, die für den Betrieb des Kraftwerks ausgelegt ist. Im gegebenen Rahmen könne sie weiterhin touristisch genutzt werden, schreiben die Verantwortlichen. Der Betrieb müsse sich jedoch an den betrieblichen Möglichkeiten orientieren. Mit einer Förderkapazität von rund 40 Personen pro Richtung und Stunde habe das erhöhte Gästeaufkommen im vergangenen Sommer an Spitzentagen und während der Ferienzeit nicht mehr bewältigt werden können.
67 Prozent mehr Fahrten
Auf Anfrage dieser Zeitung präzisiert Manfred Joss, Senior Communication Manager bei der BKW, die Entwicklung mit konkreten Zahlen. Im Sommer 2025 wurden über 28’400 Fahrten registriert. Im Vorjahr waren es rund 17’000 gewesen. Gegenüber 2024 entspricht dies einer Zunahme von 67 Prozent. Auch im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt von rund 18’000 Fahrten ergibt sich noch ein Plus von 58 Prozent.
Zum starken Anstieg beigetragen hätten auch zahlreiche Velofahrerinnen und Velofahrer. Da der Velotransport im Magic Pass inbegriffen gewesen sei, hätten insbesondere auf der Talfahrt vom Sanetschpass zusätzlich Gäste transportiert werden müssen, die von der Walliser Seite her auf den Pass gelangt waren. «Es kam zeitweise zu sehr langen Wartezeiten, weit über die publizierten Betriebszeiten der Bahn hinaus, bis alle Personen ins Tal transportiert werden konnten», erklärt Joss.
Rückgang wird bewusst in Kauf genommen
«Aufwand und Ertrag standen für die Kraftwerk Sanetsch AG nicht mehr in einem guten Verhältnis», begründet das Unternehmen den Entscheid. Man rechne zwar damit, dass die Frequenzen nach dem Ausstieg aus den Verbundangeboten wieder auf das Niveau vor 2025 zurückgehen werden. Dies nehme man bewusst in Kauf, «denn das touristische Angebot ist ein ‹Nebenprodukt› und steht nicht im Fokus der Kraftwerk Sanetsch AG», erläutert der BKW-Mediensprecher. Entsprechend seien auch tiefere Einnahmen aus dem touristischen Betrieb vertretbar.
BDG zeigt Verständnis
Die Bergbahnen Destination Gstaad AG kann diese Begründung nachvollziehen. Dass die Sanetschbahn in erster Linie dem Betrieb des Kraftwerks diene, sei bekannt. «Dass der Betrieb nun so ausgerichtet wird, dass er sowohl für die Gäste als auch für die Mitarbeitenden gut funktioniert, ist für uns absolut verständlich», schreibt Antje Zeller, Projektleitung PR und Kommunikation bei der BDG, auf Anfrage.
Aus Sicht der Bergbahnen war die Sanetschbahn zwar eine interessante Ergänzung des touristischen Angebots, innerhalb des gesamten Portfolios jedoch kein zentrales Element. Man rechne deshalb nicht mit wesentlichen Auswirkungen auf die Destination. «Unser Angebot bleibt mit den zahlreichen weiteren Bahnen und Erlebnissen in der Destination vielfältig und attraktiv.»
Nach Angaben der BDG wurde sie frühzeitig in den Prozess einbezogen und über den Entscheid informiert. Beide Unternehmen stünden weiterhin in gutem Austausch. Auch die Kraftwerk Sanetsch AG bestätigt, dass die Neuausrichtung mit der Destination Gstaad und den Bergbahnen abgesprochen worden sei. In Bezug auf die Zukunft des Betriebs schreibt Manfred Joss: «Wir verschliessen uns der touristischen Nutzung nicht und werden, sofern es tragbar bleibt, den Betrieb und die Betriebszeiten nicht einschränken. Umgekehrt bestehen aktuell keine Pläne, die touristischen Aktivitäten auszubauen.»
WARUM DER SANETSCHSTAUSEE DERZEIT FAST LEER IST
Wer in diesen Tagen den Sanetschstausee besucht, stellt fest: Der Wasserstand ist ungewöhnlich tief. Der Grund ist jedoch nicht die Trockenheit, sondern laufende Sanierungsarbeiten an der Staumauer.
Wie die BKW auf Anfrage mitteilt, wurden an der Staumauer bereits in den 1990er-Jahren Risse entdeckt. Diese befinden sich vor allem im Bereich der Fugen und werden seither regelmässig überwacht. Eine erste Sanierung im Jahr 2014 erwies sich nicht als nachhaltig. Deshalb beschlossen die Kraftwerk Sanetsch AG und das Bundesamt für Energie 2022, die Risse mit einer neuen Methode auf der Wasserseite der Staumauer abzudichten.
Für diese Arbeiten musste der Stausee abgesenkt werden. Die Bauarbeiten haben laut Website am 20. Juli begonnen und dauern voraussichtlich bis Ende August. Die Sanierung kostet inklusive Planung rund 235’000 Franken. Die Energieproduktion wird laut BKW mengenmässig nicht beeinträchtigt. Da ein Grossteil des Wassers jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt turbiniert werden muss, rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzverlust.
Grund zur Sorge bestehe nicht. Die über 60 Jahre alte Staumauer werde jährlich kontrolliert und erfülle sämtliche Sicherheitsanforderungen des Bundes. Die Sanierung soll verhindern, dass sich die bestehenden Risse weiter ausbreiten. Als Ursachen nennt die BKW unter anderem das Alter des Bauwerks sowie die starke Witterungsbelastung im hochalpinen Gelände auf über 2000 Metern über Meer.
JOP


