Swiss Highlands Trail: zwei Gemeinderäte, 60 Kilometer und ein Zielbier
29.09.2026 GstaadUnter den über 800 Teilnehmenden der ersten Austragung des Swiss Highlands Trail waren auch zwei Saaner Gemeinderäte: Philippe Marmet und Nathanael Perreten stellten sich der längsten Strecke mit 60 Kilometern und über 3000 Höhenmetern.
MAXIME VÖGELE
«Wir ...
Unter den über 800 Teilnehmenden der ersten Austragung des Swiss Highlands Trail waren auch zwei Saaner Gemeinderäte: Philippe Marmet und Nathanael Perreten stellten sich der längsten Strecke mit 60 Kilometern und über 3000 Höhenmetern.
MAXIME VÖGELE
«Wir können hier zur Tür raus und dann geht es direkt bergauf», erzählt der Saaner Gemeinderat Philippe Marmet. In seiner Freizeit ist er begeisterter Trailrunner, im Saanenland findet er dafür beste Bedingungen. Am vergangenen Samstag lief er sie im Wettkampf ab: Zusammen mit seinem Gemeinderatskollegen Nathanael Perreten stand er am Start der längsten Strecke des Swiss Highlands Trail.
Um 6 Uhr liefen sie in der Dunkelheit mit Stirnlampe los Richtung Wispile und erlebten dort den Sonnenaufgang. «Es war ein magischer Moment», erzählt Nathanael Perreten nach dem Rennen.
Der Folgeanlass
Dass Gemeinderäte auf der Strecke eines Trailrunning-Events im Saanenland anzutreffen sind, ist nichts Neues. Im vergangenen Jahr stellten sich neben Philippe Marmet und Nathanael Perreten mit Elio von Grünigen, Sigbert Feller und Martin Hefti insgesamt fünf Gemeinderäte der 27 Kilometer langen Strecke des Humani’Trail. «Das ist jetzt der Folgeanlass», sagt Nathanael Perreten zur Teilnahme am Swiss Highlands Trail. Die Distanz, die nun auf die Gemeinderäte wartete, ist mit 60 Kilometern mehr als doppelt so lang wie letztes Jahr. Auch bei den Höhenmetern liegt sie deutlich höher: über 3000 gegenüber den rund 1600 Höhenmetern des Vorjahres.
Für Philippe Marmet ist es nicht nur ein Lauf, sondern auch ein Weg, den Organisatoren seine Wertschätzung zu zeigen, welche die Events in der Region auf die Beine stellen. So nahm er, wie auch Nathanael Perreten, schon am Vertical Run am Glacier 3000 teil und nutzte die verschiedenen Trailrunning-Challenges in der Region als Trainingseinheiten. «Ich finde es gut, wenn man die Sachen hier unterstützt», meint Marmet.
Der Routinier und das Greenhorn
Während sich Philippe Marmet schon 2012 dem Laufsport in den Bergen verschrieben hat, bezeichnet sich Nathanael Perreten selbst noch als «Greenhorn». Letztes Jahr am Humani’Trail lief es für ihn schon relativ gut, erzählt er. «Jetzt habe ich noch ein bisschen trainiert», fügt er an. Er sei aber schon davor immer gerne gelaufen und in die Berge gegangen, «aber nie mit Tempo».
Philippe Marmet war schon im Turnverein ein begeisterter Läufer und zählte mit seinem Bruder zu den «Langdistänzern» des Vereins. Das Trailrunning habe ihm aber ziemlich «der Ärmel inni gno». Inzwischen hat er schon mehrere 100-Kilometer-Läufe gemacht. «Wenn mir 2010 jemand gesagt hätte, dass ich einmal 100 Kilometer renne, hätte ich gefragt: ‹gehts noch?›», fügt der Gemeinderat lachend an.
Auf die Frage, ob der erfahrene Philippe Marmet seinem Kollegen Tipps weitergeben kann, sagt er lachend: «Viel zu viel will ich ihm nicht sagen.»
Zwischen Alltag und Laufgruppe
Die Trainings müssen neben Gemeinderatsamt, Beruf und Familie ihren Platz finden, meist am Abend oder am Wochenende. Nathanael Perreten geniesst dabei viel Verständnis von seiner Familie, erzählt er. «Oft habe ich am Abend einen müden Kopf, aber der Körper mag noch», sagt er. Nach Feierabend läuft er deshalb gerne noch eine Runde, zum Beispiel auf seinen Hausberg, das Eggli.
Auch Philippe Marmet kennt diese Suche nach freien Zeitfenstern. «Bevor ich im Gemeinderat war, habe ich bedeutend mehr Zeit dafür gehabt», sagt er. Gerne trainieren die beiden am Dienstagabend in einer Laufgruppe, «wenn wir nicht gerade eine Gemeinderatssitzung haben, die länger dauert», fügt Marmet an. In einer Whatsapp-Gruppe schlagen die Mitglieder Routen vor, wer mag, schliesst sich an. So entdeckten auch die beiden dabei teilweise neue Orte und Strecken. «Das motiviert zusätzlich, etwas zusammen zu machen», sagt Perreten.
«Man weiss, welche Belohnung auf einen wartet»
Im Rennen am Samstag bestreitet aber jeder die Strecke für sich. «Der eine ist stärker im Anstieg, der andere schnell im Downhill», erklärt Nathanael Perreten. Wenn man aber an den Streckenposten bekannte Gesichter sehe, motiviere man sich gegenseitig.
Auch am Streckenrand dürften viele Zuschauende aus der Region anzutreffen sein. Das gebe zusätzlichen Ansporn, könne laut Perreten aber auch Druck und Erwartungen mit sich bringen. Auch Philippe Marmet kennt diese Doppelseitigkeit des Heimrennens: «Wenn man die Strecke gut kennt, geht man vielleicht zu heftig rein», meint er. Eine Erfahrung, die er schon in anderen Rennen gemacht habe.
Trotzdem sehen es beide Gemeinderäte als eine schöne Angelegenheit, auf heimischem Terrain einen Wettkampf zu laufen. «Ich freue mich wirklich auf diese Strecke», sagt Marmet. Perreten sieht besonders der Aussicht auf die Landschaft beim Lauf entgegen: «Man weiss, welche Belohnung auf einen wartet. Die Aussicht motiviert mich.» Gerne wäre Marmet übers Gifer gelaufen, erzählt er. Kurz tauschen sich die beiden über die Streckenführung aus und warum Marmets Wunschstrecke ausbleibt. «Wahrscheinlich wegen der Wettersicherheit», nennt Perreten einen möglichen Grund.
Das Laufen zelebrieren
Was nehmen sich die beiden Gemeinderäte für den Renntag vor? «Mein Ziel ist das Ziel», sagt Nathanael Perreten. Bis er dort ankomme, sei es aber auch wichtig, Freude am Laufen zu haben: «Ich möchte zelebrieren, dass ich noch laufen kann und darf und das in einer so wunderschönen Region.» Als Hauptprobe hat er bereits anfangs September im Wallis ein Rennen bestritten, «nur einen Halbmarathon», fügt er an, aber mit über 1000 Höhenmetern. Philippe Marmet verfolgte das Geschehen und musste zugeben, dass sein Kollege schon als Neuling in der Sportart ein ernst zu nehmender Konkurrent ist: «Das macht mir schon fast ein bisschen Angst», witzelt er zum 16 Jahre jüngeren Gemeinderat.
Durst «wie verruckt»
Doch egal wie gut die beiden trainiert haben, etwas könne einem immer einen Strich durch die Rechnung machen: ein Misstritt. Gerade bei Abstiegen sei es sehr wichtig, den Fuss an die richtige Stelle zu setzen. «Wenn ich am Hornberg bin und beim Herunterlaufen stürze, bringen die vorderen 50 Kilometer auch nichts mehr – dann ist es vorbei», erklärt Nathanael Perreten im Vorfeld.
Und tatsächlich blieb Perreten nicht von einem Misstritt verschont: Beim Abstieg beim Geltentrittli zog er sich bei einem Sturz eine Muskelzerrung zu. Er brachte das Rennen dennoch zu Ende. «Ich konnte gegen Schluss weniger pushen», erzählt er. Mit 7:53:05 Stunden erreichte er Gesamtrang 18 von 118 Teilnehmenden und Rang fünf in seiner Alterskategorie. Mit dieser Zeit hatte er selbst nicht gerechnet: «Solch eine bombastische Zeit hätte ich nicht erwartet.»
Marmets augenzwinkernde Angst vor dem jüngeren Kollegen war damit nicht ganz unbegründet: Perreten war gut 77 Minuten schneller im Ziel. Marmet nimmt es sportlich. «Ich bin auch nicht mehr zwanzig Jahre alt», meint er. Mit 9:10:09 Stunden belegte er Gesamtrang 57 und wurde Neunter in seiner Alterskategorie. Im Ziel wartete Perreten auf seinen Kollegen. Gemeinsam stiessen sie mit einem Bier auf das Rennen an. «Wir hatten Durst ‹wie verruckt›», meint Perreten lachend.
SWISS HIGHLANDS TRAIL 2026
Der Swiss Highlands Trail ist eine Trailrunning-Veranstaltung, organisiert von Helvetica Trail in Zusammenarbeit mit Gstaad Saanenland Tourismus. Am 26. September 2026 fand sie zum ersten Mal statt. Laut Veranstaltern nahmen über 800 Personen teil und konnten zwischen vier Distanzen wählen: 60, 42, 25 oder 15 Kilometer. Start und Ziel lagen bei allen Strecken in Gstaad. Je nach Route führten sie unter anderem über die Höji Wispile und die Geltenhütte, am Lauenensee vorbei und über den Türlipass.
Über die 60 Kilometer gingen laut Medienmitteilung bei Männern und Frauen sämtliche Podestplätze in die Schweiz. Bei den Männern gewann Thierry Marchon (Riaz) vor Fabio Matti (Spiez) und Jeremy Rodriguez (Nyon). Bei den Frauen siegte Anne-Sophie Rochat (Genf), gefolgt von Susanna Käppeli (Unterseen) und Alice Lanz (Thônex). Auf den kürzeren Strecken standen zudem Läufer:innen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Grossbritannien auf dem Podest.
Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit der ersten Austragung: «Wir sind sehr froh, dass auch die Wetterbedingungen dieses Jahr auf unserer Seite waren. Die Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel mit einem grossen Lächeln im Gesicht», schreiben die Rennorganisatoren Cédric Agassis und Paul van der Linden in der Medienmitteilung.
PD/MAV






