«Persönlich» macht in Saanen halt
02.10.2026 GesellschaftDie SRF-1-Radiosendung «Persönlich» wurde letzten Sonntag live aus Saanen übertragen. Zu Gast waren die Einheimische Renate Bach und «Höhle der Löwen»-Juror Jürg Schwarzenbach. Über 400’000 Menschen verfolgen die Sendung jeweils.
JONATHAN ...
Die SRF-1-Radiosendung «Persönlich» wurde letzten Sonntag live aus Saanen übertragen. Zu Gast waren die Einheimische Renate Bach und «Höhle der Löwen»-Juror Jürg Schwarzenbach. Über 400’000 Menschen verfolgen die Sendung jeweils.
JONATHAN SCHOPFER
«Oh, hätte ich doch nicht zugesagt, ich bin so nervös!», sagt Renate Bach kurz vor ihrem Auftritt in der Radiosendung «Persönlich». Der zweite Gast an diesem 27. September, Unternehmer Jürg Schwarzenbach, nimmt es gelassener und witzelt: «Wenn alles gut geht, dann treffen wir uns später einmal privat. Vielleicht am Lauenensee.»
Noch sitzen die beiden mit Moderatorin Michèle Schönbächler in einem Hotelzimmer des Landhauses Saanen und gehen die wichtigsten Punkte ein letztes Mal durch. In wenigen Minuten werden sie live auf Sendung gehen. Tontechniker Lars Dölle passt den beiden Gästen die Headset-Mikrofone an. «Liegt das gut? Stört etwas?», fragt er. Dann geht es hinunter in den Landhaussaal, wo bereits das Publikum wartet.
Über 400’000 Zuhörerinnen und Zuhörer
Dass der Puls bei Renate Bach in die Höhe schnellt, ist begründet: Jeden Sonntag verfolgen über 400’000 Zuhörerinnen und Zuhörer die Sendung am Radio. «Persönlich» gehört zu den erfolgreichsten Formaten von SRG und feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. In der Sendung stehen die Geschichten unterschiedlichster Menschen im Vordergrund.
Renate Bach, Jürg Schwarzenbach und Michèle Schönbächler nehmen unterdessen auf der Bühne Platz. Um 10 Uhr, nach den Nachrichten, beginnt die Übertragung auf SRF 1. Wie immer beginnt «Persönlich» mit der prägnanten Instrumentalversion von «The Good Life».
Abgelehnte Tischbomben und ausgezeichneter Käse
Vom guten Leben erzählen an diesem Morgen auch Renate Bach und Jürg Schwarzenbach. Beide berichten von einer behüteten Kindheit.
Die Einheimische Bach war während rund vier Jahrzehnten Primarlehrerin in Gstaad, für sie ein Traumjob. «Schon in der dritten Klasse wusste ich, dass ich Lehrerin werden will. Ich bastelte mir kleine Büchlein voller angeblicher Schülerfehler, nur um sie mit dem Rotstift zu korrigieren.» Geprägt hat sie ein Leben lang auch das Alpleben auf dem Meiel – eine grosse Leidenschaft von ihr. Dort stellte die Käserin auf rund 2000 Metern Höhe mehrfach ausgezeichneten Berner Alpkäse her.
Schwarzenbach hingegen begann seine berufliche Laufbahn als Elektromonteur und bildete sich später zum Ingenieur weiter. Er baute ein eigenes IT-Unternehmen auf. Schliesslich wurde er als Millioneninvestor in der Fernsehsendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» bekannt. Dabei kann man ihm zusehen, wie er Geschäftsideen beurteilt und in diese investiert. Hier stellt er sich jeweils die Frage: «Kann das die Menschheit brauchen? Ist das ein Problem, das die Menschheit hat?» Es müsse eine echte Lösung sein und bestenfalls ein Team dahinterstehen, «dann sind schon die ersten zwei Schritte richtig gemacht».
Nicht jede Produktidee überzeugt ihn. Eine selbst zusammenstellbare Tischbombe fiel bei ihm beispielsweise durch: «Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Welt nicht darauf wartet, darum habe ich nicht investiert.»
Wie die Gäste und der Austragungsort ausgewählt wurden
Renate Bach etwa wurde von einem Bekannten eines Radiomitarbeiters empfohlen, wodurch der Kontakt zustande kam. Jürg Schwarzenbach wiederum war bereits einem breiteren Publikum bekannt.
Bevor die beiden Gäste gemeinsam auf der Bühne sitzen, hat Michèle Schönbächler sie vorher kennengelernt. Im Vorfeld besuchte sie jeden von ihnen in seiner Heimat. «Etwa zweieinhalb Stunden haben wir dann geredet», erzählt die Moderatorin auf Anfrage. Dabei werden mögliche Themenfelder besprochen – ebenso Bereiche, über die ein Gast nicht sprechen möchte. «Wir wollen unsere Gäste vor dem Publikum nicht vorführen.» Entscheidend bei der Auswahl sei zudem, dass die Gäste gerne erzählen. Die studierte Rechtswissenschaftlerin Schönbächler recherchiert die Hintergründe der Protagonisten genau und kann so gekonnt Brücken zwischen den Lebensgeschichten schlagen.
Warum die Sendung gerade in Saanen Halt macht, erklärt Sonja Francescutto, administrative Leitung von «Persönlich», auf Anfrage: «Wir waren schon zweimal in dieser tollen Lokalität, und Bewährtes sollte man bekanntlich auch nicht ändern.» Zudem habe man wieder einmal tiefer ins Berner Oberland eintauchen wollen, weshalb sich Saanen angeboten habe. «Mit unserer Sendung ‹Persönlich› versuchen wir, die ganze Schweiz abzudecken.»
Gibt es nun ein Folgetreffen am Lauenensee?
Nach rund einer Stunde ist die Livesendung vorbei. Zwischen den beiden Gästen stimmt die Chemie offenbar. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mit Jürg so gut verstehe – mit einem so versierten Unternehmer», gesteht Renate Bach nach der Sendung lachend. So gut sogar, dass die zwei danach ihre Handynummern austauschen. Wenn er einmal im Saanenland ist, will er ihr schreiben. Danach macht sich das Ehepaar Schwarzenbach auf den Weg nach Bern – angereist ist es mit dem Zug.




