«Quo vadis, alpiner Tourismus?»

  28.08.2023

Klimawandel, Konkurrenz, Strommangellage, Fachkräftemangel: Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) beschäftigt eine herausfordernde Zukunft. Verwaltungsratspräsident Jan Brand und Direktor Matthias In-Albon blickten an der Generalversammlung kritisch, aber motiviert nach vorne.

IN KÜRZE

• Die Bergbahnen Destination Gstaad AG präsentierte an der Gemeindeversammlung eine Erfolgsrechnung mit einem Minus von 432’671 Franken.

• Die Aktionärinnen und Aktionäre genehmigten den Jahresbericht und Jahresrechnung 2022/23 und bestätigten alle Verwaltungsräte in ihrem Amt.

• Die hohen Energie- und Treibstoffpreise der vergangenen Monate, aber auch die gestiegenen Personalkosten, die durch die Vollbeschäftigung in der Schweiz und den Fachkräftemangel bedingt sind, haben auch vor der BDG nicht Halt gemacht.

• Jan Brand und Matthias In-Albon sprachen über die Herausforderungen und die Pläne, um diese zu meistern.

JOCELYNE PAGE

«Wir müssen Veränderungen erkennen, auffangen und beherrschen», sagte Matthias In-Albon zu den anwesenden Aktionärinnen und Aktionären, die am Samstag an der Generalversammlung der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) teilnahmen. Der Tourismus habe die Gabe, vieles positiv zu sehen. «Es ist wichtig, dass wir keine Luftschlösser bauen», sagte der Direktor und gab einen Einblick, welchen Herausforderungen die Bergbahnen gegenüberstehen. Diese sind wohlbekannt: Klimawandel, starke Schweizer Konkurrenz, Strommangellage, Fachkräftemangel. Wo sieht die BDG ihren Spielraum für Veränderungen?

Berge mehr inszenieren
Strategisch möchte die BDG den Sommer weiter ausbauen: Heute nimmt die «grüne Saison» zehn Prozent des jährlichen Umsatzes ein, Ziel sind 20 Prozent – «ohne dass der Winter darunter leidet», so In-Albon. Um mehr Leute im Sommer anzusprechen, wolle die BDG ihre Berge mehr inszenieren und auch mehr Events durchführen. Erste Umsetzungen sind beispielsweise die Themenwoche «Saint Tropez on Eggli» und Ende September das bekannte Technofestival Caprices, ebenfalls auf dem Eggli. «Wir müssen versuchen, den Tagesgast abzuholen, denn auf dem Weg zu uns gibt es viele Ausflugsberge», erklärte In-Albon. Die BDG stehe auch in Diskussionen mit grossen Eventveranstaltern, beispielsweise mit dem Gstaad Menuhin Festival, welches bisher positive Signale gesendet habe. «Angedacht wäre die Anschaffung eines Zelts, welches auf dem Eggli bleibt, damit die Logistik vor Ort ist.»

Weiterhin in den Winter investieren
Für Jan Brand war das erste Jahr als Verwaltungsratspräsident ein steiniger Einstieg: Erstmals seit Jahren hat die BDG ein Minus von 432’671 in der Erfolgsrechnung erwirtschaftet, der Winter war schneearm, die Ersteintritte gingen zurück und die Strompreise schossen in die Höhe (siehe AvS vom 21. Juli 2023). Er bleibt aber zuversichtlich und präsentierte dem Publikum die Vision «Quo vadis, alpiner Tourismus?»: Er wagte einen «Blick in die Kristallkugel», wie er sagte, und zeigte auf, wie sich die BDG kritisch mit der Zukunft auseinandersetzt – auf einer Zeitachse von heute bis 2050. «Wir gehen davon aus, dass wir die nächsten 15 bis 20 Jahre noch Ski fahren können. Investitionen in die Schneesicherheit lohnen sich deshalb nach wie vor», erklärte Brand. Unter anderem sieht die BDG im Finanzplan alle fünf Jahre ein «schwieriges Jahr» vor und plant Sicherheiten ein, da sich in Zukunft die klimatischen und finanzpolitischen Ereignisse wie im vergangenen Winter häufen könnten.

Ganzjährige Nutzung anstreben
Ziel der BDG sei es, eine ganzjährige Nutzung der Bergbahnen zu erreichen, so Brand. «Zudem müssen wir einen nachhaltigen Tourismus erzielen, denn dies erwartet der Gast von uns.» Die Temperaturen steigen, besonders in den Städten ist es im Sommer warm. Die Gäste möchten somit in die Berge reisen, wo ein angenehmeres Klima herrscht. Sie wollen unter anderem eine intakte Flora und Fauna vorfinden, nachhaltige Mobilität nutzen und urbane Sportarten ausüben, wie Brand ausführte. «Bestehende Infrastrukturen müssen deshalb besser in Szene gesetzt werden, beispielsweise in den Bereichen Kunst, Kultur, Kulinarik und Wellbeing, in Kombination mit Events», erklärte der Verwaltungsratspräsident.


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