Kraft und Besinnung in einer schwierigen Zeit
30.12.2025 KulturDie diesjährigen Altjahrskonzerte in der Kirche Saanen widmeten sich ausschliesslich der Musik von Ludwig van Beethoven. Dem Orchestra degli Amici unter der Leitung von Michael S. Bach mit der bewährten Konzertmeisterin Simone Roggen und dem Solopianisten Reto Reichenbach gelang ...
Die diesjährigen Altjahrskonzerte in der Kirche Saanen widmeten sich ausschliesslich der Musik von Ludwig van Beethoven. Dem Orchestra degli Amici unter der Leitung von Michael S. Bach mit der bewährten Konzertmeisterin Simone Roggen und dem Solopianisten Reto Reichenbach gelang damit ein wunderbarer musikalischer Jahresausklang – Momente von Kraft und Besinnung in einer Zeit weltweiter Umwälzungen.
LOTTE BRENNER
Beethovens Kompositionen wurden schon früh durch politische Wirren sowie seine schwere Krankheit geprägt. Bereits 1798, noch vor seinem 30. Lebensjahr, machten sich Anzeichen seiner Schwerhörigkeit bemerkbar. Das 4. Klavierkonzert in G-Dur, op. 58 war das letzte Werk, welches der Klaviervirtuose Beethoven noch selber vortragen konnte – und das mitten in seiner ersten, fruchtbaren Schaffensperiode.
Beethovens Schaffen wurde stark beeinflusst von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Die 7. Sinfonie in A-Dur, op. 92 entstand in der Zeit nach langwierigen Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress, der als «tanzend» in die Geschichte einging. So entstand das leidenschaftliche Werk mit dem wilden Schlusssatz voller Gegensätze und im Überschwang.
Musikalischer Ausdruck
Die tiefen Gefühls- und Gemütsempfindungen im vierten Klavierkonzert – lyrisch, melancholisch verträumt, über einen dramatischen, fast schmerzhaften Dialog zwischen dem Klavier und dem Orchester, zum heiteren Rondo und abschliessenden Presto hin – wurden vom Pianisten Reto Reichenbach musikalisch sehr schön umgesetzt.
Der Pianist begann das Konzert gleich mit dem Thema, welches erst danach vom Orchester übernommen wurde. Und nach einer beeindruckenden Kadenz gelang wiederum kunstreich die Verschmelzung des Soloinstruments mit dem Orchester, das in der Interpretation dieses einzigartigen Klavierkonzerts dem Solisten keineswegs nachstand.
Mit dem anmutigen Rondo in C-Dur, op. 51 Nr. 1 «Moderato e grazioso», bedankte sich Reto Reichenbach bei seinem Publikum. Das schlichte Klavierstück wirkt trotz des in Moll gehaltenen Mittelteils heiter und bescheiden zart.
Dynamische Schwankungen
Mit viel Schwung und Freude leitete Michael S. Bach das Orchestra degli Amici, das seit vielen Jahren in den Altjahrs- und Osterkonzerten in Saanen mitwirkt. An Dramaturgie fehlt es in der Sinfonie Nr. 7 von Beethoven keineswegs. Vom Pianissimo bis zum Fortissimo, vom Schwärmerischen bis zu ausgelassener Heiterkeit, aber auch Schwermut und Leiden – alles bringt der Komponist hier zum Ausdruck. Doch trotz aller Tragik und des Kampfs gegen dunkle Mächte gewinnt das Heitere die Überhand und hinterlässt eine hoffnungsvoll glückliche Stimmung.
DAS 45. MAL
Für den Vater des Dirigenten, Markus S. Bach, war das diesjährige Altjahrskonzert das 45. unter seiner Organisation. Begonnen haben diese nun längst zur Tradition gewordenen Konzerte ganz bescheiden mit Orgel und Trompete. Sie wurden dann erweitert. Schon bald kam ein Orchester hinzu und die Konzerte wurden wiederholt. Heute finden sie jeweils an zwei Abenden statt. Sowohl die Altjahrs- als auch die Osterkonzerte zeugen vom regen einheimischen Musikleben und sind vom Saaner Jahreskalender kaum mehr wegzudenken.
Für die Osterkonzerte sind bereits die Termine gesetzt. Sie finden am Karfreitag, 3. April und am Karsamstag, 4. April, jeweils um 17 Uhr in der Kirche Saanen statt. Zum Programm verriet Markus S. Bach schon so viel, dass ein Ad-hoc-Chor unter der Leitung von Deborah Walther wiederum sechsmal proben werde. Das Orchester wird mit der 8. Sinfonie in h-Moll («Die Unvollendete») von Schubert sowie einer Suite zu «Peer Gynt» von Edvard Grieg aufwarten.
LBR





