Magic Pass bringt der BDG Schub, doch die Bewährungsprobe folgt erst
10.07.2026 GstaadNach schwierigen Jahren kann die Bergbahnen Destination Gstaad AG wieder deutlich bessere Zahlen präsentieren. Der Magic Pass hat mehr Gäste, mehr Umsatz und mehr Konsumation gebracht. Doch Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident mahnen zur Zurückhaltung: Die zusätzlichen ...
Nach schwierigen Jahren kann die Bergbahnen Destination Gstaad AG wieder deutlich bessere Zahlen präsentieren. Der Magic Pass hat mehr Gäste, mehr Umsatz und mehr Konsumation gebracht. Doch Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident mahnen zur Zurückhaltung: Die zusätzlichen Mittel werden dringend gebraucht, vor allem für das Grossprojekt Horneggli-Hornberg.
JOCELYNE PAGE
Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) hat ihren Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025/26 präsentiert. Es ist der erste Winter, in dem die Destination Gstaad Teil des Magic Pass war. Und damit stellt sich die zentrale Frage: Hat der Wechsel in den neuen Tarifverbund die erhoffte Wende gebracht? Nach dem Gespräch mit Geschäftsführer Matthias In-Albon, Verwaltungsratspräsident Jan Brand und Antje Zeller, Projektleiterin PR und Kommunikation, lässt sich sagen: Der Magic Pass hat die BDG ertragsstärker gemacht. Erstmals kann das Unternehmen wieder realistischer Mittel für den eigenen Anteil von 40 Prozent am Generationenprojekt Horneggli-Hornberg aufbauen, was laut Unternehmen die letzten Jahre nie möglich war. Doch auch mit den besseren Zahlen bleibt das Projekt auf Beiträge der öffentlichen Hand angewiesen.
Was bedeutet das konkret? Welche Wirkung hatte der Magic Pass im ersten Winter? Wo liegen die Schattenseiten? Und weshalb bleibt Horneggli-Hornberg trotz besserer Ertragslage eine finanzielle Bewährungsprobe? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie sah der erste Magic-Pass-Winter aus?
Nach dem ersten Winter lässt sich sagen: Der Magic Pass hatte seinen Einfluss. Und zwar nicht nur auf den Pisten. «Der Magic Pass wirkt breiter als erwartet», sagt In-Albon. Damit meint er auch die Berghäuser, die Gastronomie in den Dörfern, Bäckereien, Metzgereien und Geschäfte bei den Einstiegsportalen. Brand sagt, manche hätten im Vorfeld unterschätzt, welchen übergeordneten Effekt Mehrfrequenzen auslösen können. Die Zahlen stützen diese Einschätzung. Der Median der Ersteintritte pro Betriebstag stieg von 3657 auf 4897. Das entspricht einem Plus von 34 Prozent. Auch die starken Tage nahmen zu. Die BDG verzeichnete 30 Tage mit mindestens 8000 Ersteintritten, im Vorjahr waren es 15 (siehe Grafik).
Wie steht es um das Sorgenkind Gastronomie?
Dieses atmet auf, so die Verantwortlichen. Eine Vermutung, die oft an sie herangetragen wurde: Wenn das Abo deutlich günstiger ist, braucht es viel mehr Gäste, damit am Ende gleich viel Geld in der Kasse liegt. Die BDG hält nun mit Zahlen dagegen: Nicht nur die Frequenzen sind gestiegen, auch die Konsumation pro Gast. Die Gastrokonsumation pro Skigast erhöhte sich von 6.90 auf 8.55 Franken. Das entspricht einem Plus von 24 Prozent. Für Brand ist das ein wichtiges Signal. Der Magic-Pass-Gast sei eben nicht einfach ein «Billig- oder Picknickgast».
Zugleich habe sich die Gastronomie intern stabilisiert. In den Vorjahren sei das Januarloch für die Betriebe ein grosses Problem gewesen, erklärt In-Albon. Über die Festtage brauchten die Berghäuser besonders viele Mitarbeitende. Sobald die Frequenzen im Januar einbrachen, mussten diese kurzfristig umverteilt werden, bevor sie in den Sportferien wieder an ihren ursprünglichen Einsatzort zurückkehren sollten. «Ein stabiles Team aufzubauen, war unter diesen Bedingungen kaum möglich. Auch Kaderleute konnten so keine längerfristige Strategie entwickeln und kein eingespieltes System führen», erläutert Brand. Durch die gleichmässigere Auslastung habe sich die Situation beruhigt und mit dem gestärkten Sommer auch mehr Jahresverträge ermöglicht.
Antje Zeller sieht erste Hinweise auch in den Rückmeldungen der Gäste. Früher seien bei den Google-Bewertungen von fünf Rückmeldungen vielleicht drei negativ gewesen, heute sei es deutlich weniger. «Das sind kleine, aber wichtige Indikatoren für eine Qualitätssteigerung.»
Was sind die Schattenseiten des Magic-Pass?
Mehr Gäste bringen aber auch neue Herausforderungen. In-Albon und Brand verneinen nicht, dass es diese gibt. Mehr Frequenzen bedeuten mehr Druck auf Parkplätze, Einstiegsportale, Pisten und Bahnen. Besonders die Parkplätze in Saanenmöser und Schönried seien an Spitzentagen schnell voll gewesen. «Es gab jedoch keinen Tag, an dem wir gar keine Parkplätze mehr hatten. In Zweisimmen, Rougemont und beim Eggli sowie Rübeldorf hatten wir stets Kapazitäten», betont In-Albon. Dennoch brauche es weiterhin eine gezielte Sensibilisierung. Gäste müssten lernen, verschiedene Einstiegsportale wie beispielsweise Rübeldorf oder Eggli zu nutzen oder mit dem Zug anzureisen. Zudem habe man die Bahnen früher geöffnet, etwa um 8.30 Uhr. «Dieses Angebot wurde von den Einheimischen geschätzt und genutzt und wird im kommenden Winter fortgesetzt.»
Reaktionen gab es laut Brand auch von Einheimischen und Zweitwohnungsbesitzenden. Einige bedauerten, dass die Pisten nicht mehr so leer seien wie früher oder dass man zehn Minuten bei den Bahnen anstehen müsse. Brand meint: «Das entspricht im Grunde der Normalität eines Skigebiets. Am Ende müssen wir ein bestimmtes Volumen erreichen.»
Spricht die BDG von einem Erfolg?
Trotz des guten Starts bleibt die BDG vorsichtig. Der Magic Pass müsse über drei Jahre beurteilt werden, sagt In-Albon. Erst dann lasse sich der Effekt nachhaltig bestätigen. Auch der Sommer zeige, dass das Produkt kein Selbstläufer sei. Bis zum 30. Juni verzeichnete der Sommerbetrieb 24’207 Ersteintritte, wovon 14’500 auf Magic-Pass-Nutzer zurückzuführen sind. Im Vorjahr waren es 27’255, davon 18’000 Magic-Pass-Nutzer. Die BDG verweist auf mehrere Gründe: Im Vorjahr habe es einen Neumitgliedereffekt gegeben, hinzu kamen andere Feiertagskonstellationen und wechselhaftes Wetter. In-Albon zeigt sich dennoch zufrieden: «Verglichen mit der Zeit vor dem Magic Pass haben wir aktuell immer noch 80 Prozent mehr Leute auf dem Berg.»
Kamen jemals Zweifel auf, ob der Magic Pass tatsächlich die nötige Kehrtwende bringen würde?
Matthias In-Albon und Jan Brand schütteln verneinend die Köpfe. «Ich habe von der ersten Minute an daran geglaubt», sagt Brand. Der Verwaltungsratspräsident spricht aber offen an, dass es im Umfeld der BDG durchaus kritische Stimmen gab.
In-Albon pflichtet ihm bei. Der Entscheid sei nicht leichtfertig gefällt worden, aber aus seiner Sicht notwendig gewesen. «Wir wussten, dass es eine Änderung braucht», sagt er. Im Top4-Verbund habe die BDG kaum Handlungsspielraum gehabt. Beim Magic Pass habe man dagegen ein Produkt gesehen, das zur geografischen Lage, zur einheimischen Bevölkerung und zum Bedürfnis nach mehr Frequenzen passe.
Wie steht es um das Generationenprojekt Horneggli-Hornberg?
Beim Generationenprojekt laufen derzeit zwei Bewilligungsverfahren parallel. Für den neuen Speichersee mit einem Fassungsvermögen von rund 178’000 Kubikmetern liegen die Unterlagen inklusive der aufgrund einer neuen Verordnung erforderlichen Ergänzungen beim Kanton. Die Bewilligung wird laut BDG in den nächsten Wochen erwartet.
Für die neue 10er-Gondelbahn von Schönried über das Horneggli auf den Hornberg sind die Eingabeunterlagen planerisch abgeschlossen. Ebenfalls Teil des Projekts sind ein Parkhaus mit rund 500 Stellplätzen, eine neue Sesselbahn Saanenwald–Hornfluh sowie Mountainbike-Trails für den Sommertourismus. «Wir sind bereit für die Einreichung des Plangenehmigungsverfahrens», sagt Geschäftsführer Matthias In-Albon. Publiziert werden kann dieses jedoch erst, wenn die Überbauungsordnung rechtskräftig ist.
Eine private Einsprache gegen die Überbauungsordnung ist weiterhin hängig. Das Bundesamt für Verkehr will das Plangenehmigungsverfahren deshalb nicht vorzeitig publizieren. «Die Einsprache verzögert das ganze Verfahren. Das kostet uns Zeit und Geld und stellt ein grosses Terminrisiko dar. Verhindern kann sie das Projekt aber nicht», sagt Verwaltungsratspräsident Jan Brand. Sobald die Über-bauungsordnung rechtskräftig sei, handle es sich um ein Projekt von öffentlichem Interesse. «Falls nötig, müssen wir einen Antrag auf Enteignung stellen.» Dadurch könne das Projekt zwar weiter verzögert, aber nicht grundsätzlich blockiert werden.
Die BDG hofft, dass die Überbauungsordnung im August rechtskräftig wird. Anschliessend könnte das Plangenehmigungsverfahren beim Bund starten. Das Bundesamt für Verkehr hat dafür grundsätzlich neun Monate Zeit. Ziel bleibt ein Baustart im Frühling beziehungsweise Sommer 2027.
Wie viel wird das Projekt kosten?
Erst dank der zusätzlichen Ertragskraft werde es realistischer, den geplanten Eigenanteil von 40 Prozent der BDG an diesem Projekt aufzubauen (siehe Kasten «Das Geschäftsergebnis»). In den vergangenen schwierigen Jahren sei dies nicht möglich gewesen, so die Verantwortlichen. Das Projekt bleibt der zentrale Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre.
Gleichzeitig ist das Projekt deutlich teurer geworden. Ursprünglich war von rund 90 Millionen Franken die Rede, inzwischen liegt die Grössenordnung bei rund 120 Millionen Franken. Die Gründe dafür sind laut BDG vielfältig: Teuerung, zusätzliche bürokratische und gesetzliche Auflagen sowie die allgemeine Kostenentwicklung infolge der Energiekrise, der Kriege und geopolitischer Unsicherheiten. Hinzu kommt das qualitätssichernde Verfahren für die Talstation. Dessen Ergebnisse sehen unter anderem vor, dass sämtliche Parkplätze unterirdisch erstellt und Tal- sowie Bergstation in einem ortsüblichen Gebäude untergebracht werden.
Welche anderen Projekte beschäftigen die BDG zurzeit?
Die Beschneiung, so Jan Brand. Das Grossprojekt sei auch deshalb zentral, weil es eng mit der Schneesicherheit verbunden sei. «Viele Gäste kommen nur wieder, wenn das Produkt stimmt.» Gerade beim Magic Pass sei dieser Punkt besonders wichtig: Wer ein Abo für zahlreiche Destinationen besitze, könne ausweichen. «Wir müssen also Gründe liefern, damit Gäste nach Gstaad zurückkommen.»
Jan Brand verweist in diesem Zusammenhang auf die Studie «Kompass Schnee 2050» (siehe AvS vom 19. Dezember 2025). Die Studie zeigt datenbasiert, wie sich Schneesport in der Schweiz bis 2050 entwickeln dürfte und wo Investitionen in Beschneiung, Speichersee und Infrastruktur sinnvoll sind. Für das Saanenland bedeutet sie laut Matthias In-Albon: Das Hauptskigebiet zwischen 1500 und 2000 Metern hat auch langfristig Chancen, wenn kurze Kältefenster effizient genutzt und die Beschneiungskapazitäten ausgebaut werden. Die Studie dient damit als Entscheidungsgrundlage für Bergbahnen, Tourismus und Gemeinden, um Klimaanpassungen nicht mehr nach Gefühl, sondern anhand von Klimadaten zu planen.
Deshalb sind zusätzliche Investitionen in die Beschneiung für die BDG keine Nebensache. Sie versteht sie als Reinvestition ins Produkt, damit die Gäste weiterhin ihren Weg nach Gstaad antreten. «Der erste Winter mit dem Magic Pass hat der BDG den erhofften Schub gebracht. Ob daraus eine langfristige Wende wird, entscheidet sich daran, ob dieser Schub in die nötige Infrastruktur übersetzt werden kann», so Jan Brand.
DAS GESCHÄFTSERGEBNIS
Der Jahresabschluss fällt deutlich besser aus als in den Vorjahren. Der Gesamtertrag beträgt 42 Millionen Franken, 12,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Das Ebitda liegt bei 8,7 Millionen Franken, ein Plus von 3,3 Millionen. Das Jahresergebnis beträgt 2,8 Millionen Franken.
«Die Zahlen sind erfreulich. Es ist genau die Richtung, die wir mit dem Unternehmen einschlagen wollten», sagt Verwaltungsratspräsident Jan Brand. Nach schwierigen Jahren mit sinkenden Ersteintritten, steigenden Kosten und zu wenig Spielraum für Rückstellungen sei das Unternehmen wieder auf Kurs. Dank der höheren Ertragskraft könne die BDG nun erstmals wieder realistischer Mittel für den eigenen Anteil am Generationenprojekt Horneggli-Hornberg aufbauen. Von Entwarnung sprechen Geschäftsführer Matthias In-Albon und Brand trotzdem nicht. Vielmehr sei dies der Weg zurück zu jener Ertragskraft, die es braucht, um die anstehenden Investitionen überhaupt mitstemmen zu können.
Oder wie es Brand einordnet: Die BDG habe den nötigen Schritt gemacht. «Nun gilt es, diesen Schwung über mehrere Jahre zu halten. Denn der Eigenanteil am Generationenprojekt Horneggli-Hornberg lässt sich nicht mit einem einzigen guten Geschäftsjahr finanzieren.» Auch mit den besseren Zahlen bleibt das Projekt auf Beiträge der öffentlichen Hand angewiesen. Die Finanzierung beruht auf mehreren Pfeilern: 40 Prozent steuert die Gemeinde Saanen bei. Weitere Beiträge kommen von den Gemeinden Gsteig, Lauenen und Zweisimmen. Der Kanton Bern gewährt ein zinsloses Darlehen von zehn Millionen Franken. Den verbleibenden Teil will die BDG über erwirtschaftete Mittel, Fremdkapital und Kapitalerhöhung finanzieren.
JOP



