Betrachtungen der Ski- und Schneesaison 2025/26
14.04.2026 LeserbriefeDie Winter- und Skisaison im Saanenland ist am Ostermontag zu Ende gegangen. Bis zu diesen Tagen herrschten auf den meisten Pisten immer noch hervorragende Bedingungen bis zu den Talstationen. Auch dank den Minustemperaturen während der meisten Nächte und trotz warmer Temperaturen im ...
Die Winter- und Skisaison im Saanenland ist am Ostermontag zu Ende gegangen. Bis zu diesen Tagen herrschten auf den meisten Pisten immer noch hervorragende Bedingungen bis zu den Talstationen. Auch dank den Minustemperaturen während der meisten Nächte und trotz warmer Temperaturen im zweistelligen Bereich an den Nachmittagen. Dennoch mussten einige Bahnen im Raum Gstaad, Saanen, Rougemont den Betrieb bereits Mitte März einstellen, meines Erachtens mangels fehlender Ersteintritte. In diesem Gebiet dauerte die Skisaison lediglich gut 90 Tage, also rund drei Monate. Hier darf die Frage gestellt werden, ob die angestrebte und viel zitierte Saisonverlängerung erreicht werden kann. Dabei sind auch die vielen Nicht-Skifahrer und Fussgänger zu berücksichtigen. Die Bergbahnen begründen die frühe Schliessung im Talboden damit, dass sie die Anlagen betriebswirtschaftlich zu betreiben haben, die volkswirtschaftlichen Aspekte ist Sache der Tourismusund Volkswirtschaftspolitik.
Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine zufriedenstellende Wintersaison ohne die Produktion von technischem Schnee nicht mehr gewährleistet werden kann. Dies nun bereits zum fünften Mal hintereinander. Einmal mehr vermochte der gefallene Naturschnee die Pisten nur ungenügend einzuschneien, um die Präparierung der Pisten optimal zu gewährleisten und zwar in allen Höhenlagen. Dass dies eine Folge der Klimaerwärmung ist und mit mangelndem Niederschlag im Winterhalbjahr zusammenhängt, ist unbestritten. Eine Skisaison gehört nun mal zum touristischen (Winter-)Angebot wie ein Sportzentrum, Eisbahnen und Langlaufloipen, um nur einige aufzuzählen. Selbstverständlich gehört eine ansprechende Berggastronomie zum Angebot. Alternativangebote zu Ski- und Schneesport sind wohl wichtig, vermögen jedoch die erforderlichen Erträge – auch längerfristig – nicht aufzuwiegen.
Somit darf die Frage gestellt werden, wer von all diesen Leistungsträgern auf wen angewiesen ist. So werden Betriebskosten und ein Teil der Investitionen der Beschneiungsanlagen durch die Bergbahnen getragen und finanziert. In früheren Jahren, als man die technische Beschneiung noch nicht kannte, war die Hauptaufgabe der Bergbahnen, Gäste von Talstationen zu Bergstationen zu transportieren. Der Aufwand des Pistenund Rettungsdienstes war im Verhältnis zum Gesamtaufwand bescheiden. Heute stellt man fest, dass der Pistendienst mehr als die Hälfte eines Tageskartenpreises ausmacht. Der Gast bezahlt also mehr für das Abfahren der Pisten als die Bergfahrt mit einem Transportmittel zur Bergstation. Die Hauptlast des Pistendienstes fällt auf die Bereitstellung der Pisten mit Beschneiungsanlagen sowie der täglichen (nächtlichen) Pistenpräparation mit hochtechnisierten und entsprechend teuren Pistenmaschinen. Dank Alpweiden, Gras- und Heuwiesen kann die notwendige Pistendichte auf einem tiefen Mass gehalten werden, was hilft, die Kosten etwas zu senken. Auch werden damit Landschäden vermieden.
Der Bau von technischen Beschneiungsanlagen für ganze Skipisten ermöglichte in den vergangenen Wintern, optimale Bedingungen auf fast allen Pisten zu schaffen und sogar die Talabfahrten während der gesamten Betriebsdauer zu gewährleisten, auch in tieferen Lagen. Daraus resultiert die Feststellung, dass heute eine ausgezeichnete Pistenqualität die ganze Saison aufrechterhalten werden kann. Wir hatten noch vor nicht allzu langer Zeit selten solche Bedingungen während der ganzen Saison, obschon früher mehr Naturschnee fiel.
Fazit und Fragen: Zur Sicherung einer erfolgreichen Wintersaison sind die Bergbahnen mit ihren technischen Beschneiungsanlagen zu einer Versicherung für einen erfolgreichen Bergtourismus geworden. Es stellt sich nun die Frage, wer die Prämie zahlt. Genügen die Beiträge der Gemeinden an die Investitionen und Betriebskosten zur Abgeltung der Randzeiten für den Sommerbetrieb? Ist es richtig, dass die Bergbahnen die Investitions- und Betriebskosten der Beschneiungsanlagen und Pistenpräparierung allein zu tragen haben? Die Beiträge der Gemeinden an die Bergbahnen sind stellvertretend von allen Einwohner:innen zu betrachten, die ihr Einkommen in unserer Region generieren. Die Einwohner sind also mit ihren Steuergeldern teilweise beteiligt. Sind aber nicht zusätzlich weitere Beiträge von Gewerbebetrieben und Zulieferern, Unterkunfts- und Gastrobetrieben, Detailhandels- und Dienstleistungsbetrieben vermehrt in die Finanzierung von touristischen Anlagen einzubinden? Betriebe und Personen, die sich bei einer Kapitalerhöhung von touristischen Infrastrukturen mit Zeichnung von Anteilscheinen oder Aktien jeweils beteiligen, seien hier lobend erwähnt und ausgenommen. Ist künftig eventuell eine Äufnung in einem Pisten- und Beschneiungsfonds (Spezialfinanzierung) eine Option?
Die Technik von Beschneiungsanlagen hat sich in den letzten Jahren ständig verbessert, die Schneegeräte können auch im Grenztemperaturbereich betrieben werden. Dies gilt ebenfalls für die Pistenpräparation mit modernen Maschinen, die mit Messgeräten ausgerüstet sind, die die Schneedicke laufend messen können. Somit ist eine gleichmässige Verteilung und Dicke der Schneedecke innerhalb der Pisten gewährleistet. Es hat sich auch gezeigt, dass nicht allein die Höhenlage für eine Beschneiung massgebend ist, die Hangexposition (Nordhänge), sogenannte Kälteseen (z.B. Ebnitböden Gstaad-Rütti und Matte) sind ebenso zu berücksichtigen. Dies kann man in der Arena Skifuture beim Hublelift, Rübeldorf-Saanen typischerweise beobachten. Wenn dann der Boden noch vor dem Schneefall gefriert, sind die Voraussetzungen umso besser.
Zu beobachten ist auch, dass die Übungs-, Skischulplätze und Snowparks in Gstaad, Schönried und Saanenmöser beschneit werden, was den Betrieb sicherstellt. Dies gilt auch für die Langlaufloipe im Schönried. Eine Finanzierung erfolgt hier allerdings mit Loipengebühren der Benutzer.
Zusammenfassend kann man meiner Meinung nach festhalten, dass der Erfolg der Wintersaisons auch für kommende Generationen gewährleistet ist und ein Ausbau der Beschneiungsanlagen und deren Kapazität zeitnah zu realisieren sind. Dies hat auch für die kontinuierlichen Erneuerungen der Bahnen und Lifte ihre Gültigkeit. Die Bergbahnen bilden nun einmal den Motor des Bergtourismus, nicht nur in unserer Region. Mit dem Glacier3000 hat unsere Region zudem den Vorteil eines attraktiven Skigebiets in höheren Lagen, was mithilft die Schneesicherheit zu gewährleisten. Dabei wird die Klimaerwärmung mit ihren Auswirkungen nicht in Frage gestellt, sie ist nun einmal Fakt. Es liegt also im ureigenen Interesse – auch des Tourismus –, dass die Klimaziele des Bundes umgesetzt werden. Es soll uns aber nicht davon abhalten, an die kommenden Wintersaisons zu glauben. Wenn die Landschaft jeweils noch mit Naturschnee zugedeckt wird, desto schöner ist das Winterbild.
Freuen wir uns also auf weitere wunderbare Winter, mit viel Ski- und Schneesport, auch wenn der Naturschnee nicht mehr wie in früheren Jahren fällt.
Allen die in unserem Skigebiet ihr Möglichstes zu der vergangenen Wintersaison beigetragen haben, sei an dieser Stelle bestens gedankt.
WERNER REICHENBACH, GSTAAD/EHEMALIGER BERGBÄHNLER UND SKILEHRER
