Knapp ein Drittel der Bergwanderinnen und Bergwanderer in der Schweiz leidet laut einer neuen Erhebung unter Höhenangst oder Höhenschwindel. Dennoch spielt die Schwindelfreiheit bei der Tourenplanung oft nur eine untergeordnete Rolle.
Schwindelfreiheit wird beim ...
Knapp ein Drittel der Bergwanderinnen und Bergwanderer in der Schweiz leidet laut einer neuen Erhebung unter Höhenangst oder Höhenschwindel. Dennoch spielt die Schwindelfreiheit bei der Tourenplanung oft nur eine untergeordnete Rolle.
Schwindelfreiheit wird beim Bergwandern häufig unterschätzt. Zu diesem Schluss kommt eine neue Erhebung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Obwohl knapp ein Drittel der Bergwanderinnen und Bergwanderer unter Höhenangst oder Höhenschwindel leidet, betrachten nur 18 Prozent der Befragten die Schwindelfreiheit als wichtige Voraussetzung für eine Bergtour.
Schwindelfreiheit oftmals kein Thema
Die BFU hat Wandernde an mehr als 20 Standorten in der Schweiz befragt. Während 56 Prozent Fitness und 32 Prozent Trittsicherheit als entscheidende Faktoren nannten, wurde die Schwindelfreiheit deutlich seltener erwähnt. Besonders betroffen sind laut der Erhebung Frauen sowie ältere Personen. Bei Frauen gaben 32 Prozent an, unter Höhenangst oder Höhenschwindel zu leiden, bei Männern waren es 23 Prozent.
Die Folgen könnten gravierend sein, schreibt die BFU. Typische Symptome akuter Höhenangst seien Schwindel, Schwitzen, Herzrasen, Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust. Dadurch werde die Koordination beeinträchtigt und das Risiko für Stürze steige. Wer die eigenen Fähigkeiten falsch einschätze oder eine zu anspruchsvolle Route wähle, erhöhe das Unfallrisiko zusätzlich.
40’000 schwere Unfälle ereignen sich jährlich
Laut BFU verunfallen in der Schweiz jedes Jahr rund 40’000 Personen beim Wandern so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Rund 45 Menschen sterben jährlich bei Wanderunfällen. Gleichzeitig wandern fast 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig.
Die Erhebung zeigt zudem, dass bei der Tourenplanung wichtige Faktoren oft zu wenig berücksichtigt werden. Zwar achten die meisten Wandernden auf Distanz, Höhenmeter, Schwierigkeit, Zeitbedarf oder Wetter. Fast ein Drittel bezieht jedoch die Gefährlichkeit einer Route oder die aktuellen Verhältnisse vor Ort nicht ausreichend mit ein. Dazu gehören etwa exponierte Stellen entlang von Steilhängen oder Abgründen.
Schwierigkeitsgrad richtig einschätzen
Die BFU empfiehlt Menschen mit Höhenangst, auf weniger ausgesetzte Wege auszuweichen und sich nur schrittweise an anspruchsvolleres Gelände heranzutasten. Orientierung bieten dabei die Markierungen der Wanderwege. Gelb markierte Wanderwege gelten als einfacher und familienfreundlicher. Weiss-rot-weiss markierte Bergwanderwege führen dagegen häufiger durch steiles oder ausgesetztes Gelände und setzen Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit voraus.
Wer unterwegs trotz Vorsicht an eine ausgesetzte Stelle gerät und sich unsicher fühlt, sollte laut BFU wenn möglich umkehren. «Im Zweifel gilt: Umkehren ist kein Scheitern, sondern gutes alpines Verhalten», schreibt die Beratungsstelle.
PD/JOP