Bizeps muss brennen!
20.03.2026 KolumneJONATHAN SCHOPFER
Es scheint ein universelles Gesetz zu sein, dass es die Menschen zu Jahresbeginn ins Fitness zieht. In meinen Ferien im Januar kam ich ebenfalls auf diese glorreiche Idee, mich dort etwas anzuspannen. Weniger glorreich war es, vorher ein Knoblibrot zu essen. Auf dem Weg ...
JONATHAN SCHOPFER
Es scheint ein universelles Gesetz zu sein, dass es die Menschen zu Jahresbeginn ins Fitness zieht. In meinen Ferien im Januar kam ich ebenfalls auf diese glorreiche Idee, mich dort etwas anzuspannen. Weniger glorreich war es, vorher ein Knoblibrot zu essen. Auf dem Weg dorthin hatte ich deswegen schon fast ein schlechtes Gewissen. Aber als ich 35 Franken für den Eintritt ins dreistöckige Fitnesscenter bezahlt hatte und in der Garderobe angekommen war, roch ich bereits Schweisstüchli, Turnschuhe mit durchdringendem Odeur und Käsefüsse aller Sorten. Da fand ich, dass ich jetzt auch nicht mehr viel ausmache – als Knoblauchzehe im Fonduecaquelon.
Wenn ich ins Gym gehe, dann nicht fürs Ausdauertraining, sondern mit dem Ziel, ein wenig Muskelmasse aufzubauen, also ein bisschen mehr Platz in dieser Welt einzunehmen. Dafür habe ich mir ein Sachbuch gekauft: «MuskelRevolution» vom Physiologen Marco Toigo. Obwohl ich gerade keine Revolution brauche, steht darin grob zusammengefasst, dass man die Muskelgruppen bis zur Ermüdung trainieren soll. Die Proteinsynthese wird dadurch hochgefahren und Muskelgewebe entsteht. Deshalb sollte man auch genügend Proteine essen. Besonders hochwertig und gut verwertbar gelten Milchproteine. So weit die Theorie.
Dann sollten aus meinen Mäuschenbizeps irgendwann zwei Arnold Schwarzeneggers werden. In meinem schlauen Buch steht: Das funktioniert bei den meisten Menschen, wie eine Studie mit rund 585 Probanden zeigte, die während zwölf Wochen ihren Bizeps trainierten. Die meisten legten moderat zu. Bei etwa einem Prozent blieb der Bizepsquerschnitt aber gleich oder wurde sogar kleiner.
Nun bei den Lastgeräten angekommen – ich hatte mein Buch nicht dabei –, standen dort die Muskelprotze, die «riesä Kästinnen und Kästen», die ich gerne beim nächsten Umzug dabeihätte, wenn ein Schrank in den vierten Stock muss. Die Gewichte klimperten, die Laufbänder surrten. Trotz Knoblauchgeschmack im Mund fühlte ich mich wohl. Ab und zu musste ich halt links und rechts abschauen, wie ein Gerät überhaupt funktioniert.
Nun sind schon zwei Monate vergangen und ich war nicht mehr im Fitnessstudio. Meine Bizeps – hasta la vista! Aber auf Instagram werden mir inzwischen sehr viele Videos von Influencern gezeigt, die mir ihre Fitnessweisheiten mitteilen, meistens gerade auch ein Programm oder ihr Produkt verkaufen wollen.
Abgesehen davon: Moderates Krafttraining wäre ja sehr gesund. Deshalb überlege ich mir, ein Fitnessabo zu kaufen. Aber jedenfalls hat mein Vater – kein Influencer übrigens – als er das hörte, mir gleich sein eigenes Programm angeboten. Ich könne ihm 15 Franken zahlen, meinte er, und dann dürfe ich bei ihm eine Stunde Holz spalten gehen.
jonathan.schopfer@anzeigervonsaanen.ch
