Bringt das überhaupt was?
27.02.2026 LeserbriefeWas waren das für Skirennen an den olympischen Spielen in Bormio! Was haben wir uns mit Franjo über diese unglaubliche Leistung gefreut. Im Simmental wurde sprichwörtlich Geschichte geschrieben. Überall und omnipräsent die unzähligen Franjo-Fahnen und ...
Was waren das für Skirennen an den olympischen Spielen in Bormio! Was haben wir uns mit Franjo über diese unglaubliche Leistung gefreut. Im Simmental wurde sprichwörtlich Geschichte geschrieben. Überall und omnipräsent die unzähligen Franjo-Fahnen und -Leintücher zu Ehren dieser einzigartigen Leistung.
Letzte Woche wurde ich auf dem Weg von Bern ins Saanenland jäh aus meinen «Nach-Olympia-Träumen» geweckt. Die Flut an Grossratskandidatinnen und -kandidaten (wobei nach wie vor auffallend viel mehr Männer als Frauen ins Kantonsparlament wollen) drängen die zahlreichen Glückwünsche für Franjo regelrecht in den Hintergrund. Wie im «Anzeiger von Saanen» berichtet wurde, handelt es sich für die bevorstehenden Wahlen um eine Rekordbeteiligung an Kandidatinnen und Kandidaten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals derart viele Porträts am Strassenrand gesehen zu haben. Ich sinnierte während der Fahrt über die politischen Machtverhältnisse in unseren Tälern, wie viel in etwa das Platzieren eines solchen Wahlplakats kostet und ob das Zukleistern der Landschaft an den politischen Entscheidungsfindungen überhaupt etwas ändert. Ist es nicht so, dass der grösste Teil an Wahlberechtigten in unseren Tälern seine Wahlabsichten kaum aufgrund der überdimensionalen Passbilder ändern wird? Viele werden meiner Meinung nach die Liste «ihres» Vertrauens einwerfen und noch diejenigen kumulieren oder panaschieren, welche sie eh schon kennen. Zwischen Därstetten und Oberwil war ich von meiner Hypothese schon ziemlich überzeugt, dass die Plakatierung im Sinne der Wirksamkeit ins Leere läuft.
Die Fahrt durch Boltigen richtete die Gedanken wieder weg von der Berner Politik hin zum Skisport. Was war das für ein Flug über den «San-Pietro»… unglaublich! Eigentlich hätte man meines Erachtens für diese Wahlen auf die Werbeflut verzichten können und die eingesetzten finanziellen Mittel für die Kartonagen den jeweiligen, ortsansässigen Skiclubs als Spende zukommen lassen können. Ohne die Freiwilligenarbeit in den Vereinen hätten wir mit Sicherheit keinen Franjo. Hier wäre der «Return-on-Investment» vielleicht gesellschaftspolitisch deutlich grösser. Irgendwo kurz vor dem Forellensee (… wo ich mich übrigens manchmal frage, ob man da im Winter nicht auch was touristisch rausholen könnte – Eisfischen, Silvesterschwimmen oder so) regten sich in meiner Bauchgegend schon etwas schlummernde Aggressionen. Vielleicht sollte man in einer Nacht- und Nebelaktion über alle Plakate ein Franjo-Porträt kleben? Und prompt fuhr ich auf Höhe der Bergquelle dem Fahrzeug vor mir zu dicht auf und überlegte, wie oft ich aufgrund des Herumstudierens eigentlich beim Autofahren abgelenkt war. Könnte es sein, dass Auffahrunfälle im Monat vor den jeweiligen Wahlen im Simmental zunehmen?
Ich denke, ich fahre bis Ende März mit dem Zug. Und vielleicht wähle ich im Sinne eines stillen Protestes einfach zweimal Franjo.
PATRIC BILL, GRUND
