Caprices Festival bleibt, erhält aber strengere Vorgaben
09.07.2026 PolitikDie Gemeinde Saanen reagiert auf die Petition gegen das Caprices Festival mit neuen Auflagen für die Durchführung. Besonders bei der Beschallung gelten künftig strengere Vorgaben. Wir haben bei den Behörden nachgefragt, ob dies Auswirkungen auf andere Veranstaltungen hat. Ausserdem haben wir nachgefragt, wie die Petitionäre und Festivalorganisatoren die neuen Vorschriften beurteilen.
JOCELYNE PAGE
Die Petition gegen das Caprices Festival ist abgeschlossen: Der Gemeinderat Saanen hat vergangene Woche seine Antwort veröffentlicht (siehe AvS vom vergangenen Freitag). Darin hält er fest, dass das Elektronikfestival auch künftig durchgeführt werden kann, sofern der Veranstalter verschiedene Auflagen erfüllt.
Keine Auswirkungen für andere Events
Einer der Hauptkritikpunkte der Petition war die Lautstärke der Musik. Diese soll künftig mit technischen Massnahmen reduziert werden. Es stellt sich deshalb die Frage, ob diese Auflagen auch Auswirkungen auf andere Veranstaltungen haben. Auf Anfrage dieser Zeitung verneint Gemeindepräsidentin Petra Schläppi dies. Jede Veranstaltung müsse bereits heute die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, um eine Bewilligung zu erhalten. «Solange wir keine spezifischen Reklamationen oder Beschwerden erhalten, wird sich daran nichts ändern», sagt sie. Die Gemeinde stehe zudem mit den Veranstaltern und den zuständigen Behörden im regelmässigen Austausch.
Auch Matthias Matti, Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Obersimmental-Saanen, bestätigt auf Anfrage: Eine Verschärfung bei der Bewilligung für andere Veranstaltungen werde es durch diese Petition nicht geben. «Die Vorschriften kommen vom Kanton, sie gelten für alle, und diese setzen wir um», sagt Matti. Tatsache sei: Die Vorschriften hätten in den letzten Jahren zugenommen. Der tragische Vorfall in Crans-Montana in diesem Winter habe die Notwendigkeit einer konsequenten Umsetzung der Vorschriften eindrücklich sichtbar gemacht. Heute ähnle ein Bewilligungsgesuch deshalb fast einem Baugesuch. Er verweist auf mehrere Beispiele: Die Gebäudeversicherung Bern prüft die Brandschutzmassnahmen, die Polizei beurteilt das Sicherheitskonzept und wenn der Event – wie im Fall Caprices – in einer Zone stattfindet, welche in die Zuständigkeit des kantonalen Amts für Wald und Naturgefahren fällt, kontrolliert dieses ebenfalls das eingereichte Gesuch. Die Gemeinde verantwortet und beurteilt ihrerseits die Aufgaben der Ortspolizei, wie Nachtruhe, Parking, Umwelt, Jugendschutz, Hygiene und weitere.«Wir als Regierungsstatthalteramt sind Bewilligungsinstanz, koordinieren über alle Behörden und verantworten die Alkoholausschankbewilligung.»
Gespaltene Meinungen
Nachdem die Petition publik geworden war (wir haben darüber berichtet), erhielt diese Zeitung zahlreiche Rückmeldungen und Leserbriefe, insbesondere zugunsten des Festivals. Mehrere Einheimische kritisierten, dass ausgerechnet ein Angebot für ein jüngeres Publikum infrage gestellt werde, obwohl die Region mit der Abwanderung junger Menschen zu kämpfen habe. Zudem wurde hinterfragt, weshalb eine Petition mit rund 80 Unterschriften eine derart grosse Aufmerksamkeit erhalte.
Auf Nachfrage bestätigt Petra Schläppi, dass die Petition die Bevölkerung gespalten habe. «Die Meinungen waren sehr geteilt. Die einen waren dankbar, dass wir uns diesen Anliegen annehmen. Die anderen störten sich daran und sagten, sie würden selbst eine Petition starten, allerdings für das Festival.» Sie habe Verständnis für beide Seiten. «Als Gemeinde ist es unsere Aufgabe, jede Beschwerde ernst zu nehmen.»
Petitionärin begrüsst Abklärungen, bleibt aber skeptisch
Vera Steiner, Mitinitiantin der Petition, teilt auf Anfrage mit, dass sie es prinzipiell als positiv bewerte, «dass die Behörden – wie von uns gefordert – Rücksprache mit den zuständigen Bundesämtern genommen haben». Sie sei jedoch enttäuscht, «dass der Schutz von Natur und Wildtieren nicht wirklich ernst genommen wird, weil der Event zwar in freier Natur stattfindet, aber eben auf einer bereits vorhandenen Terrasse und daher kein Problem darstellt», so Steiner.
Im Antworttext der Gemeinde steht, dass der Veranstalter künftig die Beschallung mit einem sogenannten Cardioid-System technisch optimieren muss. Diese Massnahme soll die Schallausbreitung deutlich reduzieren und ist Voraussetzung für eine zukünftige Durchführung der Veranstaltung. Ob der Einsatz dieses Systems den nötigen Schutz für Fauna und Flora bringen werde, bezweifle sie sehr, so Steiner. Sie habe eine KI über das System befragt und diese gebe an, dass die Lautstärke keineswegs verringert werde, sondern sich nur verschiebe. «Der Lärm vom Berg ins Tal wird meines Erachtens bleiben.»
Am Ende stört sich Steiner daran, dass der Ort und die Dauer des Festivals nicht infrage gestellt werden. «Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Behörden und Tourismusverein die Menschen im Saanenland mehr ernst nehmen.» Mit der Zustimmung zur Neufinanzierung von Gstaad Saanenland Tourismus und der Annahme eines Erheblichkeitsantrags gegen den Massentourismus habe die Gemeindeversammlung aus ihrer Sicht ein klares Signal für einen massvollen Tourismus gesetzt. Die geplante stärkere Belebung der Nebensaison stehe diesem Auftrag entgegen. «Wir zahlen noch dafür, dass wir unseren Lebensraum mehr und mehr an Touristen abgeben müssen. Das ist weder nachhaltig noch fair.»
Organisatoren stehen «voll und ganz» hinter den Massnahmen
Die Organisatoren des Caprices Festivals zeigen sich zufrieden mit der Antwort der Gemeinde. «Seit dem ersten Tag arbeiten wir eng mit den Behörden zusammen und der darin zum Ausdruck kommende Dialog entspricht genau unserer Vorstellung davon, wie wir unsere Präsenz in Gstaad gestalten wollen», so Maxime Léonard, Caprices-Mitgründer. Die geäusserten Anliegen würden sie ernstnehmen und hätten diese mit der Gemeinde aufgegriffen. Man stehe «voll und ganz» hinter diesen Massnahmen, sagt Léonard auf Nachfrage. «Die meisten davon entsprechen Überlegungen, an denen wir bereits gearbeitet haben.» Neben der Lautstärke wolle man auch ein besonderes Augenmerk auf die Information der Bevölkerung, gestaffelte Schlusszeiten, die Optimierung der Helikopterlogistik sowie verstärkte Massnahmen im Bereich Sauberkeit und Besucherlenkung legen. «Diese Verbesserungen werden wir in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den kantonalen Behörden umsetzen.»
Das Caprices Festival ist in den Schweizer Alpen keine unbekannte Veranstaltung: In Crans-Montana fand der Technoevent mehrere Jahre statt. Auf die Frage, ob sie in dieser Region mit ähnlichen Oppositionen konfrontiert wurden, antwortet Léonard: «Seit mehr als zwanzig Jahren organisieren wir Veranstaltungen, die bewusst in aussergewöhnlichen Naturlandschaften stattfinden. Das bringt hohe Anforderungen mit sich.» Deshalb würden sie stets eng mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um diese Landschaften bestmöglich zu schützen. «Sie sind unser grösstes Kapital.» Der Dialog mit den Behörden gehöre zur Unternehmensphilosophie. Mit der Gemeinde Saanen habe man bereits konkrete Massnahmen zur Reduktion der Belastungen erarbeitet. «Für uns ist dieser Austausch keine Belastung, sondern die Voraussetzung für ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Festival.»
