Chorgesang zur Feier
15.04.2025 KulturAm Sonntag vor Ostern, am Palmsonntag, versammelten sich die Mitglieder der Heilpädagogischen Schule (HPS) Gstaad, des Frauenchors Gstaad-Saanen, der Chörli Schönried-Saanenmöser, Lauenen, Gruben und «Heimatglüt» Grund sowie der Männerchor ...
Am Sonntag vor Ostern, am Palmsonntag, versammelten sich die Mitglieder der Heilpädagogischen Schule (HPS) Gstaad, des Frauenchors Gstaad-Saanen, der Chörli Schönried-Saanenmöser, Lauenen, Gruben und «Heimatglüt» Grund sowie der Männerchor «Echo vom Olden» zum traditionellen Amtssängertag in der Mauritiuskirche in Saanen. Über 100 Sängerinnen und Sänger erfreuten ein grosses Publikum. Besondere Freude bereiteten die 5- bis 15-jährigen Schüler:innen der HPS Gstaad, in der Kinder aus dem Obersimmental, Pays-d’Enhaut und Saanenland unterrichtet werden.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
«Ein frohes Fest des Gesangs soll es heute werden», mit diesen Worten begrüsste Armin Oehrli, Präsident des Männerchors «Echo vom Olden» die Besuchenden. Bergführer – und so einer ist Armin Oehrli – kennen lange Seile und kurze Worte. Die Aufmerksamkeit galt ab sofort den Mädchen und Knaben der HPS. Mit den Instrumenten Djembe (einfellige Bechertrommel), Ukulele (gittarenähnliches Instrument) und Schwyzerörgeli zogen sie die Zuhörenden und Zusehenden im Kirchenschiff in ihren Bann. Keck und munter sangen sie danach «Es Burebüebli mahn i nid», ein Gassenhauer des Komponisten Hermann Suter. Ja, der Auftakt zu diesem schönen Palmsonntagskonzert gelang vollständig.
Anstelle eines gedruckten Inhaltsverzeichnisses führte Pfarrer Bruno Bader mit sinngebenden Einführungsworten durch das Programm. Mit einigen Gedanken orientierte er sich jeweils an den Gesangstiteln, ab und an auch an dem Komponisten, um dann zügig die Aufmerksamkeit auf die Chöre zu lenken.
Sechs Chöre und ein gemeinsames Lied
Das bunt gemischte Programm wurde von sechs Chören gestaltet. Den Auftakt gestaltete das Chörli Schönried-Saanenmöser. Für einen zuversichtlichen Start in den Tag wählte die Dirigentin Brigitte Zahnd «Morgengebet», komponiert von Felix Mendelsohn-Bartholdy. Sympathisch, dass mit dem zweiten Vortrag, «Le vieux chalet», auch die Verbundenheit mit unseren Französisch sprechenden Nachbarn zum Ausdruck gebracht wurde.
Ein Lied «Ohni Wort» – gibt es so was? Summten die Sängerinnen und Sänger? Natürlich nicht! Die Komponistin Miriam Schafroth und der Texter Ueli Tobler wollten in diesem Lied mit Jodel vor allem die Melodie zum Tragen bringen. Geschwafelt wird in der heutigen Zeit ja genug!
Rosmarie Aellen bewies mit ihrem Frauenchor ein zeitkonformes «Gspüri», indem sie zum einen «Lob und Preis dem grossen Gott» (E. Ruh) und «Ein bisschen Frieden» (Pascal Thibaud, Peter Schnur) intonierten. Viele der Anwesenden mögen sich – vielleicht mit Wehmut – noch an dieses hoffnungsvolle Lied erinnert haben, das Nicole am Eurovision Song Contest 1982 vorgetragen hat.
Vergleichbar mit einer liebevollen Dompteuse managte Ada van der Vlist Walker die Männer des Männerchors «Echo vom Olden». Singen macht diesen Herren Spass. Mit ihrem «Schifferlied» und vor allem mit «Mein kleiner, grüner Kaktus» sprang die Freude als zündender Funke auf das Publikum.
Nach der Power der jung gebliebenen «Alten vom Echo» wurde es bedächtig und heimelig in der Kirche. Das Gruebechörli, unter Leitung seiner Dirigentin Agnes Welten, verströmte Ruhe mit dem Titel «Daheim» von Johann Rudolf Krenger und danach mit «s’ Chleeblatt», dem Vierblätterigen, das in den Händen zerbrach…
Pfarrer Bruno Bader betonte in seiner Anmoderation, dass der Frühling nun kommen möge. Und er kam mit dem Vortrag des Chörli «Heimatglüt» Grund. Mit anmutig schwingenden Armbewegungen führte Deborah Reber ihre Kolleg:innen durch Robert Reinicks Lied «Frühling ohne Ende». Feinfühlig liessen danach die sieben Sopranist:innen, fünf der Stimmlage Alt, drei Tenöre und fünf Bassstimmen «Am Himmel staht es Sternli z’Nacht» erklingen.
In der Welt der Musik gibt es eine Kunstform, die seit Jahrhunderten Menschen zusammenbringt und Herzen berührt: der Chorgesang. Diese Aussage bestätigten die sechs Chöre, vereint in einem Gesamtchor. Nach kurzem Einstimmen mit der Stimmgabel leitete die Musikpädagogin und versierte Dirigentin energiegeladen den Gesamtchor durch Markus Pytliks «Irische Segenswünsche». Ein wahrer Genuss!
Mehrere hundert Besucher:innen freuten sich ob der hohen musikalischen Qualität aller Chöre. Wahrlich, Yehudi Menuhin hinterliess im Saanenland sehr nachhaltige und wertvolle Spuren.
Nach dem Konzert in der Kirche folgte im Landhaus die Fortsetzung des Amtssängertages. Die Gäste hatten vor, während und nach dem Mittagessen Gelegenheit, sich auszutauschen und mit Sänger:innen zu plaudern.
INTERVIEWFRAGEN
1) Was ist das Besondere an Ihrer Stimmlage?
2) Was bedeutet Ihnen das Chorsingen?
3) Welche Musikrichtung singen Sie besonders gerne: traditionell, klassisch, modern?
Alice Hauswirth; Sopran
Heimatglüt Grund
Dirigentin: Deborah Reber
1. Sopran ist die Leadstimme – ich denke, in den meisten Liedern. Im Chor braucht es aber auch die anderen Stimmen. Mit Übung geht das harmonisch.
2. Ich habe von jeher gerne gesungen. Es bereitet Freude, zusammen zu musizieren. Ich bin nur im Chor aktiv.
3. Mir gefällt die traditionelle Stilrichtung am besten, wegen den Heimatliedern – jene, die aus dem Herzen kommen.
Werner Strasser; Bass
Chörli Schönried-Saanenmöser
Dirigentin: Brigitte Zahnd
1. Eigentlich nichts Besonderes, für einen Bass bin ich zu wenig tief und für einen Tenor zu wenig hoch, eigentlich bin ich just dazwischen. Mit den anderen Stimmen im Chor habe ich keine Mühe, ich höre sie, aber in erster Linie meine eigene…
2. Es ist eine gute Abwechslung, tut gut. Früher sang ich in klassischen Chören, aber jetzt bin ich mit dem Chörli Schönried ganz zufrieden mit dem Volksliedgut.
3. Am liebsten würde ich klassisch singen, aber das will ich jetzt gar nicht mehr. Früher sang ich in Kirchenchören und half mit, Oratorien zu singen.
Christian von Siebenthal; 1. Bass
Chörli Gruben
Dirigentin: Agnes Welten
1. Die Bassstimme verleiht Tiefe im musikalischen Arrangement. Ab und an sang ich in der Stimmlage Tenor, aber eigentlich schon als junger Bursche eher Bass.
2. Zusammen singen bedeutet Geselligkeit, Verbundenheit, Vertrautheit und manchmal auch mehr. Und Vorträge im Gesamtchor unter der Leitung von Ada Van der Vlist Walker sind einmalige Erlebnisse.
3. Traditionell liegt mir, weil ich heimatverbunden bin.
Yvonne Haldi; Sopran
Frauenchor Gstaad-Saanen
Dirigentin: Rosmarie Aellen
1. Wie soll ich das erklären? Es sind die oberen Stimmen. Es braucht jedoch alle Stimmen, es ist letztlich das Gesamte für die Melodie. Beim Singen höre ich selbstverständlich auch die anderen Stimmen, es ist ein Miteinander.
2. Das ist etwas sehr Schönes, wenn man zusammenstehen kann, miteinander singt, was man geübt hat und die Sorgen vor der Türe stehen lassen kann. Ich bin noch im Chinderchörli Saanenland aktiv.
3. Im Frauenchor singen wir von allem etwas. Traditionell gefällt mir eher, ich singe auch gerne moderne Kompositionen. Die alten Chorlieder mag ich besonders gern – aber auch die jüngeren…
Andreas Kolly; Tenor
Männerchor Echo vom Olden
Dirigentin: Ada van der Vlist Walker
1. Bass könnte ich nicht, möglicherweise Sopran…. Tenor ist ideal für mich.
2. Freude, abschalten vom Alltag, die gute Gesellschaft, Kameradschaft – vor allem in unserem Chor, seit ich dabei bin, und das sind auch schon 26 Jahre. Es war immer sehr kollegial, da gab es nie böse Worte.
3. Eigentlich alle Stilrichtungen. Ich habe sehr gerne klassisch. Vom traditionellen Männerchorlied entfernt man sich, weil diese Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, so sind sie eben nicht mehr zeitgemäss. Aber ich habe sie gerne, die alten Männerchorlieder. Tschaikowski mag ich besonders gerne.
Ursula Trachsel; Alt
Chörli Lauenen
Dirigentin: Erika Reichenbach
1. Diese Stimmlage gibt den Boden. Man orientiert sich gegenseitig, letztlich soll ein Vierklang das Ergebnis sein, jedenfalls von der Begleitung (bei den Jodelliedern).
2. Wenn man in die Proben gehen kann, ist man für diese zwei Stunden abgelenkt, mit anderem beschäftigt. Die Alltagstätigkeiten sind dann weg, das dünkt mich sehr erholsam. Und schön ist auch die Gemeinschaft untereinander. Das Singen im Gesamtchor, wie heute zum Beispiel, ist ein grosses Erlebnis.
3. Am liebsten traditionell. Als Kind in der Familie sangen wir viel, auch Jodel. Auch mein Mann jodelt, die traditionelle Stilrichtung ist mir am nächsten.