Das Saanenland erfüllt mit Violinen
15.01.2026 KulturEs ist wieder so weit, die 26. Ausgabe des Sommets Musicaux de Gstaad findet erneut im Saanenland in den Kirchen von Rougemont und Saanen sowie in der Kapelle in Gstaad statt. Was dürfen die klassischen Musikliebhaber:innen dieses Jahr erwarten?
PAULA H. MITTAG
Es ist wieder so weit, die 26. Ausgabe des Sommets Musicaux de Gstaad findet erneut im Saanenland in den Kirchen von Rougemont und Saanen sowie in der Kapelle in Gstaad statt. Was dürfen die klassischen Musikliebhaber:innen dieses Jahr erwarten?
PAULA H. MITTAG
«It’s not a Fairy Tale, it’s real» ist das zentrale Motto des Festivals und bedeutet so viel wie: Es ist kein Märchen, sondern real. Das Motto versteht sich als empathischer Aufruf und zugleich als Beschreibung der Veranstaltung. Es unterstreicht, dass die Musik, die in den 18 Konzerten erklingt, von so aussergewöhnlicher Qualität ist, dass sie beinahe märchenhaft wirkt und doch ganz real erlebt werden kann.
Vive le violon!
Die Violine steht, wie 2024 das Klavier, dieses Jahr im Mittelpunkt der gesamten Festivalausgabe. Hierbei treten, wie jedes Jahr, sieben junge, talentierte Geiger:innen (siehe Kasten) mit Klavierbegleitung in der Kapelle von Gstaad auf. Es gibt auch etwas zu gewinnen: Die jungen Talente wetteifern um zwei prestigeträchtige Auszeichnungen. Zum einen den Thierry-Scherz-Preis, welcher es dem Gewinner ermöglicht, eine erste CD mit Orchester in Zusammenarbeit mit Claves Records aufzunehmen, und zum anderen den André-Hoffmann-Preis, welcher mit 5000 Franken für die beste Interpretation des Auftragswerks «Bleu sur bleu» dotiert ist. Hilfe bietet ihnen der bekannte Geiger Vadim Repin, welcher ihnen als Mentor seine Erfahrung in Meisterkursen weitergeben wird. Über ihn sagte Yehudi Menuhin: «Le meilleur et le plus parfait violoniste que j’aie jamais entendu» («Der beste und perfekteste Geiger, den ich je gehört habe»).
«Bleu sur bleu»
Die Auftragskomposition «Bleu sur bleu» wurde vom französischen Komponisten Yves Chauris geschrieben und dient im Rahmen des Festivals als Teil des Wettbewerbs um die zwei bereits genannten Preise. «Bleu sur bleu» ist für die Violine und das Klavier komponiert und wird als Uraufführung jeden Nachmittag um 16 Uhr in der Kapelle von Gstaad von den jungen Talenten interpretiert. Wichtig: Das Konzert am 7. Februar findet ausnahmsweise im Kirchgemeindehaus Gstaad statt, da die Kapelle an diesem Tag belegt ist.
Die Kirche von Saanen
Die Kirche von Saanen ist einer der drei ausgewählten Orte, an denen das Festival stattfindet, und dient als Bühne für fünf Konzerte der grossen Stars sowie für ein Kinderkonzert. Ein besonderes Highlight, laut den Veranstaltern, ist das Eröffnungskonzert, welches am 30. Januar unter der Leitung von Renaud Capuçon (Leitung und Violine) zusammen mit Clara-Jumi Kang (Violine), Pascal Siffert (Viola) und dem Chamber Orchestra of Europe stattfindet. Hierbei laden sie dazu ein, in die Werke von Wolfgang Amadeus Mozart einzutauchen.
Es finden ebenfalls wieder zwei Gratiskonzerte statt. Nach dem grossen Erfolg der kleinen Komikfigur Titeuf und ihrem Zeichner Zep im letzten Jahr wird das Kinderkonzert in diesem Jahr durch den Künstler Grégoire Pont visuell untermalt. Das zweite Gratiskonzert findet in der Kirche Rougemont statt. Dort spielt der Künstler Gabriel Durliat am Klavier.
Renaud Capuçons Favoriten
Die Bedeutung der Konzerte in der Kirche Rougemont liegt darin, dass sie die «persönlichen Favoriten des künstlerischen Leiters» Renaud Capuçon präsentieren. Es handelt sich dabei primär um Rezitale und Kammermusikkonzerte, und es treten bekannte Künstler wie der Mentor Vadim Repin, der Pianist Mao Fujita oder das Trio Nebelmeer auf.
Die 26. Ausgabe findet vom 30. Januar bis zum 7. Februar 2026 statt. Weitere Infos zu Tickets und Programm: www.sommets-musicaux.com.
Fünf Fragen an Renaud Capuçon
Renaud Capuçon spricht über seine künstlerische Vision für das diesjährige Sommets Musicaux de Gstaad, die zentrale Rolle der Violine und den Dialog zwischen etablierten Stars und jungen Talenten. Im Gespräch erklärt der künstlerische Leiter, warum ihm die Arbeit mit der nächsten Generation besonders am Herzen liegt und auf welche musikalischen Höhepunkte er sich selbst am meisten freut.
INTERVIEW: PAULA H. MITTAG
Wie lautet Ihre künstlerische Vision für das diesjährige Festival?
In diesem Jahr steht die Violine im Mittelpunkt. Unser Hauptgast ist Vadim Repin, der täglich Meisterklassen geben und zudem ein Triorezital mit Martina Filjak und Julia Hagen spielen wird. Es ist das erste Mal, dass die drei zusammen auftreten. Rund um dieses Violinthema präsentieren sich sieben junge Geigerinnen und Geiger, die von Vadim Repin und mir ausgewählt wurden. Sie gestalten jeweils eigene Rezitale, ergänzt durch eine Uraufführung des französischen Komponisten Yves Chauris. So entsteht ein klarer Schwerpunkt auf der Violine.
Wie gelingt es Ihnen, die Präsenz von Stars und aufstrebenden jungen Talenten auszugleichen?
Die Idee ist, ein ausgewogenes Gleichgewicht zu finden. Es ist uns wichtig, sowohl sehr junge, aufstrebende Musikerinnen und Musiker als auch bekannte Stars einzuladen. In diesem Jahr sind neben grossen Namen auch Künstler zu Gast, die vielleicht weniger bekannt, aber ebenso hervorragende Musiker sind. Dieser feine Mix macht letztlich die Identität des Festivals aus.
Was bedeutet die Arbeit mit der jungen Generation für Sie persönlich?
Die Arbeit mit der jungen Generation bedeutet zunächst, ihre Energie aufzunehmen und mitunter zu kanalisieren, ihr aber auch Gelassenheit und das Wissen zu vermitteln, das mit der Erfahrung wächst. Besonders schätze ich an der Zusammenarbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern, dass sich unsere jeweiligen Qualitäten gegenseitig ergänzen. Ich spiele sehr gerne mit Zwanzigjährigen ebenso wie mit älteren Kolleginnen und Kollegen, um von den Stärken aller Generationen zu profitieren.
Worauf dürfen sich die Zuschauer beim gemeinsamen Auftritt mit Helène Grimaud besonders freuen? Und was verbindet Sie beide musikalisch?
Ich kenne Hélène Grimaud seit 1997, und 1998 haben wir erstmals zusammen musiziert. Uns verbindet eine lange künstlerische Beziehung, grosse gegenseitige Wertschätzung und Freundschaft. Auch wenn unser letzter gemeinsamer Auftritt schon eine Weile zurückliegt, sind wir stets in Kontakt geblieben. Seit einigen Jahren wünschten wir uns, wieder gemeinsam zu spielen – in diesem Jahr wird dieser Wunsch Wirklichkeit. Wir begegnen uns in einem Repertoire, das wir teilweise schon früher interpretiert haben, etwa der Ravel-Sonate, ergänzt durch die Sonate von Schumann. Ich spiele besonders gerne mit Hélène Grimaud, weil ihr Spiel etwas Unerbittliches hat und sie eine Bühnenpräsenz besitzt, die leuchtet – eine der schönsten Eigenschaften im gemeinsamen Musizieren.
Gibt es ein Konzert oder einen Moment des Festivals, auf den Sie besonders hinfiebern? Wenn ja, warum?
Ich freue mich auf jedes einzelne Konzert des Festivals – vom Trio Nebelmeer mit Gérard Caussé, das zwei Generationen vereint, bis zum Rezital von Mao Fujita. Es wird viele besondere Momente und eine grosse Vielfalt an Musikerinnen und Musikern geben. Den Abschluss bildet Pene Pati mit wunderbaren Arien. Ich bin überzeugt, dass dieses Festival unvergesslich sein wird.





