Der «Goldene Bogen» für Alexandre Dubach – eine grosse Ehre für einen Jünger Menuhins
07.07.2026 KulturAls Auftakt der Meiringer Musikfestwochen verlieh die Schweizerische Geigenbauschule Brienz den «Goldenen Bogen», der seit dem Jahr 2000 an namhafte Künstler und Künstlerinnen aus der Sparte Streichmusik verliehen wird. Der diesjährige Preis ging an den Geigenvirtuosen Alexandre ...
Als Auftakt der Meiringer Musikfestwochen verlieh die Schweizerische Geigenbauschule Brienz den «Goldenen Bogen», der seit dem Jahr 2000 an namhafte Künstler und Künstlerinnen aus der Sparte Streichmusik verliehen wird. Der diesjährige Preis ging an den Geigenvirtuosen Alexandre Dubach, der im Alter von zwölf Jahren erstmals Yehudi Menuhin begegnete, der ihn mehrere Jahre hindurch begleitete und als Mentor bis heute nachhaltig prägte.
LOTTE BRENNER
Das Eröffnungskonzert der diesjährigen Festwochen Meiringen begann mit dem Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett, D-Dur op. 21 von Ernest Chausson (1855–1899), in welchem sich Alexandre Dubach als Soloviolinist dem Publikum bereits in seiner ganzen Bandbreite vorstellen konnte, bevor er dann offiziell seinen Preis, den wundervoll gefertigten «Goldenen Bogen», entgegennehmen durfte. Die eigenwillige und vielfältige Komposition, mal lyrisch, mal leidenschaftlich, dann wieder tänzerisch verspielt, bot dem Violinisten Dubach eine facettenreiche Palette für ein nuanciertes Spiel, in welchem er die technischen und klanglichen Möglichkeiten auszuschöpfen wusste, sowohl solistisch als teilweise auch begleitend.
Der Projektbegleiter Olivier Krieger erinnerte in seiner Laudatio daran, wie Dubach vor Jahren eine noch unlackierte Geige präsentierte, die fünf Geigenbaumeister während der Musikfestwoche in fünf Tagen in der Geigenbauschule Brienz gebaut hatten: «In seiner uneitlen und neugierigen Art stellte sich Alexandre Dubach in den Dienst dieses Instrumentes, das gerade erst das Licht der Welt erblickt hatte, und entlockte ihm mit Alphornmotiven und atemberaubender Virtuosität seine ersten Töne.»
Um Resonanz ging es auch im Grusswort der alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Die Welt brauche nicht laute, aber klare Stimmen. Es brauche die Stimme von uns allen, die Stimme, die auf «Krieg» «Frieden» sage. Patrick Demenga, der künstlerische Leiter dieses Festivals sorge seit Jahren für eine gute Resonanz. Sommaruga bekannte: «Musik bewegt etwas in mir. Ganz gross empfinde ich den magischen Moment vor dem Applaus, wenn der letzte Ton verklungen ist.»
Genau solche Empfindungen, wie sie Krieger und Sommaruga ausdrückten, durfte das Publikum in der Michaelkirche Meiringen erleben, als Alexandre Dubach den «Goldenen Bogen» in einer Zugabe einweihte. In einem Auszug aus der Oper «Le Cid» von Jules Massenet, auf dem Klavier begleitet von Benjamin Engeli, spielte sich der Preisträger nochmals in die Herzen der Konzertbesucher.
«Der Bogen wird oft unterschätzt»
Der Geigenbogen beeinflusst massgeblich den Instrumentenklang. Er ist sozusagen das Werkzeug zur Tonformung. Alexandre Dubach sagt: «Mit einem Bogen muss man sich wohl fühlen. Springfähigkeit und Präzision müssen stimmen. Oftmals wird der Bogen unterschätzt. Dabei spielt er eine grosse Rolle, auch pädagogisch. Der ganze Ausdruck kommt vom Bogen aus.» Nathan Milstein, ebenfalls ein wichtiger Förderer in Dubachs Karriere, habe sehr viel vom Bogen gesprochen, der Art der Phrasierung und im Zusammenhang mit der Arbeit in der linken Hand.
Die Schweizer Geigenbauschule als einzige spezialisierte Ausbildungsstätte für Geigenbau, verbindet musikalische Tradition, kunsthandwerkliche Präzision und Berufsausbildung (vierjährige Lehre). Nach einer bewegten Geschichte, seit 1944 im steten Überlebenskampf, wurde 1998, entgegen dem ursprünglichen Beschluss, per anno 2000 den Lehrbetrieb einzustellen, die Stiftung Geigenbauschule Brienz gegründet, die heute den Schulbetrieb gewährleistet.
Seit dem Jahr 2000 zeichnet die Geigenbauschule Künstlerinnen und Künstler mit dem «Goldenen Bogen» aus. Der Preis, ein wunderbar gearbeiteter, hochwertiger Geigenbogen aus der international bekannten Bogenwerkstätte Finkel, steht sinnbildlich für die Verbindung von Musik und Geigenbau. Den diesjährigen Bogen hat Daniel Ernst gebaut
Das besondere Holz
Für eine hochwertige Bogenherstellung ist, laut Fachleuten weltweit, das Fernambuk-Ebenholz unerlässlich. Nur dieses Holz bietet die nötigen Eigenschaften wie Dichte, Robustheit, Spannkraft und zugleich Elastizität und Flexibilität. 1978 wurde Fernambuk zum nationalen Baum Brasiliens erklärt. Doch wurde er ab 2007 durch CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) unter Schutz gestellt. Der Handel mit nachweislich vor 2007 geschlagenem Fernambuk-Holz ist noch gestattet.
Dadurch ist die Bogenherstellung stark gefährdet. Es gibt verschiedene Versuche, Bögen aus Carbon herzustellen, die qualitativ jedoch nicht vergleichbar sind. Die Brienzer Werkstatt verfügt derzeit noch über Vorräte.
«Er war ein richtiger Poet!»
Früh schon wurden die erste Geigenlehrerin Elisabeth Schöni und Mutter Dubach auf die aussergewöhnliche musikalische Begabung von Alexandre aufmerksam und ermöglichten ihm Konzertbesuche, unter anderem mit der Familie Menuhin und Alberto Lysi. Bereits mit zwölf Jahren durfte er dann auf Anfrage seiner Mutter Yehudi Menuhin vorspielen und erinnert sich heute noch glücklich gerührt, wie dieser sein Spiel kommentierte: «Bien, très bien. Je suis content, très content!» Und von da an durfte er sich regelmässig mit Yehudi Menuhin treffen. Jedes Mal, wenn Menuhin in Gstaad war, durfte Alexandre nebst seinem Unterricht am Konservatorium Bern bei Eva Zurbrügg, später Ulrich Lehmann, so eine Art Meisterkurs bei seinem Kindheitsidol absolvieren.
Bei dieser ersten Begegnung interessierte sich Yehudi Menuhin insbesondere auch für Alexandres Pädagogen Ulrich Lehmann. Gerne hätte er ihn als Lehrer an seine Schule in London abgeworben. In einem siebenseitigen, handgeschriebenen Brief unterbreitete er diesem ein entsprechendes Angebot, das Lehmann jedoch aus familiären Gründen abwies.
Was Alexandre an Yehudi Menuhin immer wieder faszinierte, war die Ausstrahlung, die noble Art zu spielen, die wunderbare Intensität bis zu schwierigsten Passagen in den höchsten Lagen. Einer der ersten Ratschläge von Menuhin war, Musik von Henrik Wieniawski zu spielen. Lagenwechsel und grosse Sprünge wurden geübt. Alexandre erinnert sich, wie Menuhin ihm die Kunst der Flagiolettes schmackhaft machte. Dem Meister gefiel, wie Alexandre in den rumänischen Tänzen von Bartok diese zarten Töne so schön zum Singen brachte und sogar mit einem leichten Vibrato versetzte.
Später, als er in Nathan Milstein, an welchem ihm vor allem die lupenreine Intonation imponierte, einen weiteren Förderer fand, nahm Alexandre an Meisterkursen in Zürich teil. Als 15-Jähriger spielte er im Rahmen dieser Meisterkurse in der Tonhalle ein Mendelssohn-Konzert. Ein paar Tage zuvor durfte er dieses Yehudi Menuhin nochmals vorspielen und den wertvollen Ratschlag entgegennehmen, an die Phrasen zu denken. Das Konzert war ein Erfolg und ebnete die Zusammenarbeit mit dem Tonhalle-Orchester, bei welchem Alexandre Dubach später eine Konzertmeister-Stelle antreten durfte.
Menuhin und Milstein waren Mentoren, die bis heute nachwirken und Alexandre Dubach immer wieder inspirieren. Gerne erinnert er sich aber auch ans Musizieren innerhalb und mit der Familie und Bekannten, zum Beispiel Beethovens Frühlingssonate in der Kirche Saanen, begleitet von Yaltah Menuhin, der Schwester von Yehudi.
Oftmals begleitete ihn auch seine ältere Schwester Daniela – so zum Beispiel, als er in Thun den Kulturpreis der Stadt Thun entgegen nehmen durfte.
Doch über allen Musikerlebnissen und Kontakten schwebt bei Alexandre Dubach bis heute sein Idol Yehudi Menuhin: «Er war ein richtiger Poet!».
Das letzte Mal erlebte er ihn in Interlaken als Dirigent, als der Pianist Justus Frantz spielte.
LBR
DIE BISHERIGEN PREISTRÄGER:INNEN DES «GOLDENEN BOGENS»
2000 Hansheinz Schneeberger, Violine
2001 Patrick & Thomas Demenga, Celli
2002 Isabelle van Keulen, Violine
2004 Tabea Zimmermann, Viola
2005 Thomas Führi, Violine
2006 Leonidas Kavakos, Violine
2007 Natalia Gutmann, Violoncello
2008 Isabelle Faust, Violine
2009 Erich Höbarth, Violine
2010 Quaruor Ebène, Streichquartett
2011 Patricia Kopatchinskaja, Violine
2012 Edicson Ruiz, Kontrabass
2013 Chiara Banchini, Barockvioline
2014 Kim Kashkashian, Viola
2015 Christian Altenburger, Violine
2016 Christoph Schiller, Viola
2017 Christian Poltéra, Violoncello
2018 Antje Weithaas, Violine
2019 Quatuor Sine Nomine, Streichquartett
2020 Roby Lakatos, Violine
2021 Christophe Coin, Violoncello
2022 Sebastian Bohren, Violine
2023 Ilya Gringolts, Violine
2024 Meret Lüthi, Violine
2025 Merel Quartett, Streichquartett
2026 Alexandre Dubach, Violine


