Der Jungschwingsport boomt – doch der Platzmangel zwingt die Schwingklubs zum Handeln
13.09.2024 SportMitte August fand ein Gespräch mit den Schwingklubpräsidenten von Boltigen, Lenk und dem Saanenland bezüglich der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten der Nachwuchsschwingergruppe statt. Ein Augenschein im Schwingkeller in St. Stephan bestätigte die ...
Mitte August fand ein Gespräch mit den Schwingklubpräsidenten von Boltigen, Lenk und dem Saanenland bezüglich der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten der Nachwuchsschwingergruppe statt. Ein Augenschein im Schwingkeller in St. Stephan bestätigte die Befürchtungen der Präsidenten: 31 Jungschwinger zwischen sieben und 14 Jahren übten miteinander den geliebten Sport – den Zweikampf im Sägemehl. Doch der Schwingkeller platzt aus allen Nähten.
Seit Kilian Wenger 2010 Schwingerkönig wurde, hat der Schwingsport nicht nur beim weiblichen Publikum, sondern auch beim Nachwuchs einen regelrechten Boom ausgelöst. Und noch 14 Jahre später erfreuen sich die Nachwuchstrainings grosser Beliebtheit. So auch im Obersimmental und Saanenland: Die drei Schwingklubs von Lenk, Boltigen und Saanen bilden aktuell gut 30 Jungschwinger aus, die Woche für Woche abwechselnd in St. Stephan, Boltigen und Saanen das Training besuchen.
Schwingkeller platzt aus allen Nähten
So wie am Donnerstag, 15. August, als kurz nach sechs Uhr abends 30 Burschen in St. Stephan – meist von ihren Müttern hingefahren – zum Schwingkeller hochstiegen und allen Anwesenden flott die Hand reichten, wie das unter Schwingern eben Brauch ist.
Das Training leitete Ueli Moor junior, einer der Jungschwinger wässerte mit einem Schlauch das trockene Sägemehl, damit es nicht zu sehr staubte. Beeindruckend, wie Moor mit kurzen, klaren Kommandos die Jungs anleitete. Es herrschte beeindruckende Ruhe, und jeder versuchte möglichst genau, die gezeigten Aufwärmübungen nachzumachen.
Nach dem Anziehen der Schwinghosen verteilten sich die Burschen anschliessend in etwa der Grösse nach rund um den kleinen Schwingplatz. In jeder Ecke konnten jeweils zwei Jungschwinger «zämägriffe», die restlichen 22 warteten, bis «ihr Schwingplatz» frei wurde und die nächsten zwei üben konnten. Ueli Moor mittendrin kommentierte, kontrollierte, gab Tipps und hatte die ganze Gruppe gut im Überblick.
Alles in allem ein beeindruckendes Training – nur der Platz für mehr Zweikämpfe fehlte bei dieser flotten Teilnehmerzahl an allen Ecken und Enden.
Platzproblem angehen
So machen sich die Schwingklubverantwortlichen mit Fritz Schmoker aus der Lenk, Adrian Stocker aus Boltigen und Bernhard Fähnrich aus dem Saanenland schon seit geraumer Zeit Gedanken, wie dieses Platzproblem anzugehen wäre und gelöst werden könnte.
Fritz Schmoker blickt zurück: «Schon viele Jahre besteht zwischen den drei Schwingklubs eine Trainingsgemeinschaft im Jungschwingerbereich. In den Trainingszeiten vom Frühling bis in den Spätherbst besteht diese und trainiert im Abwechsel einmal wöchentlich in St. Stephan, in Boltigen und in Saanen.» An den entsprechenden Orten werden die Jungs dann von den technischen Leitern vom Heimklub trainiert. «Das ist eine super Sache, wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und es harmoniert auch unter den ‹Büeblä› wunderbar. Wir haben auch schon zwei Trainingslager miteinander gemacht, und die Jungen haben es wirklich gut untereinander. Wir sehen das im Weiteren auch an den Schwingfesten, wie sie einander unterstützen – egal, ob es ein Saanenländer, ein Boltiger oder ein Lenker ist», freut sich der Schwingklubpräsident aus der Lenk. Er ist sich aber auch bewusst, dass dazu Sorge getragen werden muss.
Standort Zweisimmen wäre für die Jungschwinger optimal
Es gab Zeiten, da war genügend Platz vorhanden: «Zum Glück haben wir nun jede Menge Jungschwinger – in der Regel sind es gut 30 in einem Training. So verknappen wir in letzter Zeit effektiv mit dem Trainingsplatz und sind so auf die Idee gekommen, einen regionalen Schwingkeller an zentraler Lage ins Auge zu fassen. Auch die Eltern könnten so bezüglich der Fahrerei entlastet werden.»
So wäre für die Verantwortlichen aus den drei Schwingklubs Zweisimmen der ideale Standort, da die Jungs aus allen drei Richtungen mit dem Zug zum Training fahren könnten. Schon etliche Jahre schwebt dieser Gedanke in den Köpfen der Schwingklubverantwortlichen, schon der vormalige Lenker Schwingklubpräsident Stephan Beetschen hat sich damit auseinandergesetzt.
Erste Vorabklärungen wurden getroffen und die Machbarkeit eines Schwingkellers beim FCO-Hüsli wurde diskutiert. Nach vorgängigen positiven Gesprächen mit der Gemeinde hat das Ganze eine Kehrtwende erhalten. «Wir wollen niemanden Vorwürfe machen, im Gegenteil, wir möchten lediglich die Öffentlichkeit sensibilisieren. Wir haben so viele Jungschwinger und aus denen heraus sind auch schon sehr starke Schwinger gekommen – so etwa einen Gobeli Patrick oder ein Aellen Florian. Wir sind alles andere als ein ‹Provinzklübli› – wir haben wirklich starke Schwinger in unseren Reihen und entsprechend Potenzial», erläutert Fritz Schmoker.
Die heutigen Jungschwinger sind die Aktiven von morgen
«Wichtig ist für uns, dass wir zu unseren vielen Jungschwingern schauen können, damit uns diese nicht abspringen. Die Trainingssituation ist momentan wirklich schwierig und die Gefahr besteht, dass es den Jungs verleidet», sagt Adrian Stocker. «Sie kommen voller Eifer ins Training und können innerhalb von knapp eineinhalb Stunden vielleicht drei, vier Züge machen. Das ist einfach zu wenig und im Moment eher eine Massenabfertigung als eine ideale Trainingssituation», ergänzt Fritz Schmoker. In St. Stephan und Reidenbach messen die Schwingkeller etwa acht auf sechs Meter – in Saanen ist er bloss etwas grösser.
Eine gemeinsame Nutzung der Sanitäranlagen und Duschen mit dem FCO ist andiskutiert und wäre von beiden Seiten wünschenswert. Doch die Schulraumplanung liess das Ganze etwas ins Stocken geraten. Nun hoffen die Schwingsportverantwortlichen, dass die Türe noch nicht endgültig zugeschlagen ist und eine Hoffnung besteht, dass in Zweisimmen doch noch eine gute Lösung gefunden werden kann. «Für die schwingsportfreudige Jugend wäre es absolut wünschenswert und wichtig, dass die Trainingsmöglichkeit in der Nähe des Bahnhofs wäre, damit die Jungs selbstständig anreisen können. Und wir müssen vorwärts machen, damit unser Nachwuchs nicht den ‹Verleider› bekommt! Wir wünschen uns Kontinuität für unsere Jungen, damit wir auch morgen nebst flotten Nachwuchsschwingern erfolgreiche Aktive in unseren Reihen haben», blicken die Schwingsportverantwortlichen hoffnungsvoll in die Zukunft.
LUZIA WYSSEN/SIMMENTAL ZEITUNG