Der Kraftraum, zu dem Franjo von Allmen noch den Schlüssel hat
08.05.2026 SportDer Kraftraum in der Sporthalle Ebnit wurde aufgefrischt. Hier trainierten und trainieren zahlreiche Nachwuchstalente. Weshalb Geräte ersetzt wurden und welches Konzept dahinter steckt, erzählt Christoph Däpp, Sportkoordinator Gstaad der Berner Oberländer ...
Der Kraftraum in der Sporthalle Ebnit wurde aufgefrischt. Hier trainierten und trainieren zahlreiche Nachwuchstalente. Weshalb Geräte ersetzt wurden und welches Konzept dahinter steckt, erzählt Christoph Däpp, Sportkoordinator Gstaad der Berner Oberländer Talentförderung.
JONATHAN SCHOPFER
Wo Olympiasieger Franjo von Allmen trainierte und auch Skirennfahrerinnen wie Sue Piller oder Dania Allenbach an Kraft, Stabilität und Explosivität arbeiten: Wir befinden uns im Kraftraum in der Sporthalle Ebnit, zu dem Franjo von Allmen noch immer einen Schlüssel besitzt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 haben hier viele Athletinnen und Athleten geschwitzt.
Bereits 2024 hielt die Skirennfahrerin und ehemalige Gstaader Gymnasiastin Fabienne Wenger bei der Präsentation ihrer Maturaarbeit fest: «Grosser Nachteil aber des Standorts Gstaad: der Kraftraum!» (wir berichteten). Unter anderem thematisierte sie die fehlende Beinpresse.
Nun wurde der Kraftraum von der Gemeinde Saanen Anfang Jahr aufgefrischt. Unter anderem wurden nicht mehr zeitgemässe Geräte ersetzt und neue mit erweiterten Funktionen angeschafft.
«Wir setzen hier im Kraftraum auf funktionelles Training, das nahe an sportartspezifischen Bewegungsabläufen ist», sagt Christoph Däpp, Sportkoordinator Gstaad der Berner Oberländer Talentförderung (BEO TAF).
Die Beinpresse ist speziell
Die Beinpresse wurde zum grössten Teil vom Gymnasium Interlaken, aber auch von Swiss Olympic bezahlt. «Für unsere Zwecke ist die Beinpresse etwas vom Besten, was es aktuell auf dem Markt gibt», sagt Christoph Däpp. Was macht sie besonders? «Als Erweiterung zu den freien Kniebeugen kann man bei der Beinpresse mit den Winkeln spielen. Zudem können neben Gewichten auch Gummibänder für Widerstand sorgen.» Die Gummibänder sorgen nicht nur für bis zu 100 Kilogramm mehr Last, sondern auch für einen anderen Widerstandsverlauf. «Das setzt andere Trainingsreize für die Muskeln.» Dass diese Anschaffung möglich war, hängt damit zusammen, dass das Gymnasium Interlaken am Standort Gstaad eine Partnerschule von Swiss Olympic ist. Der Kostenpunkt lag laut Däpp bei rund 12’000 Franken – notabene mit 30 Prozent Rabatt.
Die übrigen Arbeiten und Geräte wurden von der Gemeinde Saanen finanziert. Für die Auffrischung des Kraftraums bewilligte der Gemeinderat einen Kredit von 110’000 Franken. Unter anderem wurde im Februar der Bodenbelag erneuert, zudem wurden Spiegel und Beleuchtung installiert sowie veraltete Geräte ersetzt. Der frühere, kleinere Kraftraum dient heute als Theorieraum. Der neue Trainingsbereich befindet sich im angrenzenden, grösseren Raum.
Wie der Zugang zum Kraftraum geregelt ist
Während die Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschule Thun und des Gymnasiums im Rahmen des Sportunterrichts den Kraftraum benutzen, können alle Athletinnen und Athleten des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) Gstaad ab dem Juniorenalter einen Schlüssel für den Kraftraum erhalten und während der Öffnungszeiten der Sporthalle Ebnit dort selbstständig trainieren. Sobald jemand nicht mehr Leistungssport betreibt, muss der Schlüssel wieder abgegeben werden.
Auch Sportlerinnen und Sportler aus anderen Disziplinen können einen Schlüssel für den Kraftraum erhalten, etwa aus der Leichtathletik oder dem Langlauf. Für sie braucht es eine Bewilligung der Gemeinde Saanen.
Lokale Vereine können den Kraftraum während ihrer Trainingszeiten ebenfalls nutzen.
Warum auf Freigewichte gesetzt wird
Augenscheinlich verfügt der Kraftraum im Ebnit über viele Freigewichte und nur wenige geführte Trainingsgeräte. «Der Kraftraum ist funktionell für unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch für Leistungssportlerinnen und -sportler ausgelegt. Bei Freigewichten muss der Körper selbst stabilisieren – das koordinierte Zusammenspiel der Muskeln wird dabei trainiert. Bei geführten Trainingsgeräten hat man vom Gerät vorgegebene Bewegungsrichtungen», erklärt Däpp, der einen Doktortitel in Molekularbiologie hat und in den 2000er-Jahren über Muskeln an der Universität Bern forschte. Der Kraftraum sei bewusst weder als Fitnesscenter noch als Reha-Gym konzipiert.
«Ein wichtiger Impuls kam aus der Schülerschaft»
Drei Fragen an Christoph Däpp, Sportkoordinator Gstaad der Berner Oberländer Talentförderung, zum Kraftraum in der Sporthalle Ebnit.
INTERVIEW: JONATHAN SCHOPFER
Christoph Däpp, wieso war es nötig, den Kraftraum aufzufrischen?
Ein wichtiger Impuls kam aus der Schülerschaft. Die Maturaarbeit der Skirennfahrerin Fabienne Wenger, die hier am Gymnasium war, zeigte, dass die Betreuung der Leistungssportlerinnen und Leistungssportler zwar sehr gut ist, die Infrastruktur im Kraftbereich jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Dieses Problem konnten wir mit der Erneuerung beheben. Fabienne hat dieses Jahr übrigens den französischen Meistertitel in der Abfahrt gewonnen.
Stimmt es, dass auch Franjo von Allmen hier trainierte?
Ja, Franjo von Allmen war ein Jahr bei uns im Gymnasium und hat während dieser Zeit im Kraftraum mit dem RLZ Gstaad trainiert. Er hat sogar noch einen Schlüssel mit einem Depot von 50 Franken darauf (schmunzelt). Auch Sue Piller und Dania Allenbach trainieren aktuell hier.
Wie viele Schlüssel sind aktuell im Umflauf?
Im Moment besitzen 22 Athletinnen und Athleten einen Schlüssel.
INFOBOX
Stand Mai besitzen 22 Athletinnen und Athleten einen Schlüssel zum Kraftraum. Die Sporttalente gehören folgenden Verbänden oder Kadern an und sind vor allem im Wintersport engagiert:
Swiss-Ski-Kader:
– Nationalmannschaft: 1
– A-Kader: 1
– B-Kader: 2
– C-Kader: 2
– Nationales Leistungszentrum Mitte: 3
Andere Kader:
– World Racing Academy: 1
– BOSV: 4
– Schweizerischer Akademischer Skiverband: 1
– RLZ Gstaad: 2
– BOSV Langlauf/Biathlon: 3
– Ski-Romand Langlauf: 1
– Leichtathletik-Kader: 1
JSC


