Der MOB-Bahnhof Saanen im Fokus
16.10.2026 LeserbriefeIm fortgeschrittenen Alter bevorzugen viele Bewohner:innen, aber auch Gäste die Angebote des öffentlichen Verkehrs (öV) und verzichten somit auf den Gebrauch des eigenen Autos. Die Wahl des Verkehrsmittels zugunsten des öV wird durch den Ausbau der Infrastrukturen und ...
Im fortgeschrittenen Alter bevorzugen viele Bewohner:innen, aber auch Gäste die Angebote des öffentlichen Verkehrs (öV) und verzichten somit auf den Gebrauch des eigenen Autos. Die Wahl des Verkehrsmittels zugunsten des öV wird durch den Ausbau der Infrastrukturen und Verbesserung des Fahrplans begünstigt und somit attraktiver. Dies trifft auch auf die Verbindungen in zum Teil abgelegene Randregionen zu. Aufgrund des Gleichstellungsgesetzes wurde in den letzten Jahren für körperlich beeinträchtigte Personen wesentliche Verbesserungen vorgenommen. So bei der Anpassung von Perronhöhen zum Einstieg in die Bahnwagen oder auch bei Anhaltekanten von Bus-Haltestellen. Die Montreux-Berner-Oberland-Bahn MOB hat in den letzten Jahren etliche bauliche Anpassungen an den Perrons der Bahnhöfe vorgenommen. Die MOB betreibt auf einer Strecke von total 75,3km von Montreux über Zweisimmen bis Lenk 38 Bahnhöfe und Haltestellen. Davon sind bis heute ungefähr 30 Bahnhöfe den neuen Vorschriften angepasst worden. Der Bund hat den öffentlichen Verkehrsbetrieben für den Umbau eine Zeit bis Ende 2023 eingeräumt. Dabei fällt auf, dass vorallem kleine Haltestellen priorisiert wurden. Es ist anzunehmen, dass ein Bewilligungsverfahren hier einfacher ist als bei grösseren Bahnhöfen. Im Saanenland entsprechen lediglich die Perrons der Bahnhöfe von Saanenmöser, Gruben und Gstaad den Vorschriften. In Schönried konnte wenigstens ein Provisorium den Normen angepasst werden. Leider nicht so im Bahnhof Saanen. Hier sind die Perronhöhen seit Inbetriebnahme der MOB 1904 immer noch dieselben, sie entsprechen den Vorschriften in keiner Weise. Dies ist unverständlich, ja unbegreiflich.
Saanen ist innerhalb des MOB-Streckennetzes einer der wichtigen Bahnhöfe, zusammen mit Gstaad, Schönried und Saanenmöser. In Kenntnis, dass seit über 20 Jahren an einem Umbau geplant wird, kann ich die unbefriedigende Situation nicht nachvollziehen. Immerhin sei bemerkt, dass Saanen der politische Hauptort des Saanenlands ist, auch die Alters- und Pflegeheime befinden sich in der Nähe des Bahnhofs. Bei einer Nachfrage der Abteilung Infrastrukturen der MOB wurde informiert, dass vor dem Jahr 2035 (!) nicht mit einer Realisierung zu rechnen sei. Warum dem so ist, wurde nicht mitgeteilt. Die Vermutung liegt nahe, dass die Verantwortlichen der MOB der Meinung sind, ein behindertengerechter Bahnhof im Talboden Saanen-Gstaad würde genügen. Oder fehlt es am nötigen politischen Druck der Einwohnergemeinde? Oder wo liegt der Hase begraben, dass es nicht vorwärts geht? Zudem hat die Gemeinde Saanen seit einigen Jahren keine Vertretung mehr im Verwaltungsrat der MOB. Ein Sitzanspruch sollte selbstverständlich sein, in Anbetracht der Wichtigkeit des Saanenlands für die Unternehmung. Die MOB sollte meiner Meinung angehalten werden, nicht nur in modernes Rollmaterial zu investieren, sondern auch die Bahnhöfe kundenfreundlich zu gestalten. Ich denke dabei auch an die Toilettenanlagen in den Bahnhöfen. Diese werden vom Personal vorzüglich gereinigt, jedoch entsprechen sie in baulicher Sicht und Grösse nicht dem Standard einer Touristendestination. Hier könnte sich ja eventuell die Gemeinde finanziell beteiligen? Auch in Berücksichtigung der zahlreichen Busse, die bei den Bahnhöfen Halt machen. Auf eine Stellungnahme seitens der MOB und/oder der Einwohnergemeinde darf man gespannt sein. Jedenfalls ist die «affaire à suivre».
WERNER REICHENBACH, GSTAAD
