Neuerdings durfte man in Radio, Fernsehen und in den Zeitungen zur Kenntnis nehmen, dass der Einsatz von Sozialrobotern, vorwiegend in Altersheimen, als gang und gäbe empfunden wird.
Diese ganz neue Art humanoider Geräte ist offenbar in den Pflegeheimen und Seniorenzentren in ...
Neuerdings durfte man in Radio, Fernsehen und in den Zeitungen zur Kenntnis nehmen, dass der Einsatz von Sozialrobotern, vorwiegend in Altersheimen, als gang und gäbe empfunden wird.
Diese ganz neue Art humanoider Geräte ist offenbar in den Pflegeheimen und Seniorenzentren in der Schweiz, wie auch in Deutschland, erfolgreich im Einsatz.
Als guter Mensch mit über 82 Jahren auf dem Buckel, der sich hie und da – aber auch nur selten und wenn schon, dann nur gedanklich – auf das natürliche Ende vorbereitet, habe ich diese zivilisatorische Errungenschaft mit naheliegendem Interesse zur Kenntnis genommen.
Eigentlich sollte man sich ja mit Vorteil auf die paar letzten Tage – aber insbesondere auf den ganzen letzten Tag – wirklich seriös vorbereiten. Nunmehr steht dabei die Frage im Vordergrund, ob dieses vorsichtige Vorgehen zum Ende aller Dinge mit oder ohne Roboterbegleitung geschehen soll. Die übliche Alternative dazu war bis anhin für gewöhnlich ein letztes Gespräch mit dem Pfarrer, mit dem Vertrauensarzt oder mit der Vertrauensärztin.
Nach reiflicher Selbstbesinnung komme ich zu folgendem Beschluss: Zunächst sollte man den gerade erst erworbenen Sozialroboter zum Angehörigen seiner Familie machen und ihm wenigstens einen Vornamen geben: Roberto, Robi oder Roberta, nur als Beispiele.
Und nun erinnert man sich noch vor dem Exitus mit Vorteil gegenüber Roberta oder ihren Kollegen an sein ganzes Leben. Dem Freund Robi, aber auch Roberta, wird es dabei so langweilig wie nur möglich. Beide werden bald zum Schlaf des oder der Gerechten und darauf zum Tiefschlaf übergehen. Auf den Tod wartet man so stundenlang, tagelang oder er kommt einfach gar nicht mehr.
Das ist dann eine ganz ähnliche Situation wie bei der Deutschen Bahn, im Bahnhof von Freiburg im Breisgau. Nach gut einstündigem Warten sagt via Lautsprecher plötzlich eine freundliche Stimme: «Achtung! Achtung! Der Intercity Express Ice von Berlin Hauptbahnhof nach Zürich, über Erfurt, Frankfurt am Main, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg im Breisgau, Basel Badischer Bahnhof, Basel SBB bis Zürich Hauptbahnhof fällt heute ganz aus. Wir bitten Sie um Entschuldigung für diese Unannehmlichkeit.»
Oswald Sigg
JOURNALIST, EHEMALIGER BUNDESRATSSPRECHER
oswaldsigg144@gmail.com