Was harmlos klingt, erfordert viel Geschick: Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Vereins Scherenschnitt Schweiz fand im Hotel Alpenland in Lauenen ein kostenloser Workshop statt, bei dem sich zeigte, dass diese traditionelle Kunst alles andere als einfach ist. Ein ...
Was harmlos klingt, erfordert viel Geschick: Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Vereins Scherenschnitt Schweiz fand im Hotel Alpenland in Lauenen ein kostenloser Workshop statt, bei dem sich zeigte, dass diese traditionelle Kunst alles andere als einfach ist. Ein Erlebnisbericht.
PAULA H. MITTAG
Es ist 14 Uhr und im Hotel Alpenland in Lauenen herrscht für diese Uhrzeit viel Betrieb. Doch warum? Der Grund ist das 40-Jahr-Jubiläum des Vereins Scherenschnitt Schweiz (siehe Kasten). Zu Ehren dieses Anlasses wurde ein kostenloser Scherenschnittworkshop veranstaltet.
Im hinteren Teil des Restaurants entdecke ich einen Tisch voller Bastelmaterialien. Überall liegen Scheren, Vorlagen sowie schwarz-weisses Papier. Als ich mich dazusetze, sind bereits einige Teilnehmende anwesend und unterhalten sich angeregt. Punkt 14 Uhr beginnt die waadtländische Workshopleiterin Doris Henchoz aus L’Etivaz mit dem Kurs. Alle sitzen mit ihren Scheren bereit auf ihren Plätzen und starren gebannt auf die Leiterin, welche die Grundsätze des Scherenschnitts erklärt, wie beispielsweise: Die Schere bewegt sich seltenst, denn man versucht, das Papier in die Schnittrichtung zu drehen. Trotz einer Sprachbarriere versuchen wir, uns mit Zeichensprache und sehr viel Einfallsreichtum zu verständigen – und glücklicherweise wird mir auch etwas auf Deutsch weitergeholfen.
Der Prozess zur Kuh
Wir starten mit einigen Schneideübungen, denn um die hohe Kunst des Scherenschnitts zu erlernen, muss man zunächst grundlegende Techniken beherrschen, etwa das Ausschneiden von Kreisen oder Kreuzen. Es folgen zahlreiche technische Erklärungen, zum Beispiel, dass man beim Ausschneiden eines Kreises den Finger hinter das Papier legen und mit der Schere vorsichtig durchstechen soll. Talentiert wie ich bin, steche ich mir dabei natürlich etwa fünfmal in den Finger, was bei mir eine gewisse Angst auslöst, es nochmals zu tun. Nach diesem kleinen Zwischenfall geht es endlich richtig los. Alle dürfen sich ein Muster aussuchen, von einfach bis anspruchsvoll, von Blumen bis hin zu Kühen. Ganz traditionell entscheide ich mich für die Kuh. Zunächst wählt man ein vorgezeichnetes Muster aus und schneidet die vorgesehenen Lücken aus, ohne das Papier komplett zu durchtrennen. Durch meine Tollpatschigkeit scheitere ich daran kläglich und setze gleich zu Beginn einen grossen Schnitt durch die Glocke der Kuh. Doch langsam, aber sicher nimmt die Kuh im schwarzen Papier Form an. Zum Vergleich: Für meine Kuh benötige ich rund eine Stunde – ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie aufwendig ein grosses, komplexes Scherenschnittbild sein muss. Nach einer kleinen Klebeaktion mit Schaschlikspiessen und weiteren schmerzhaften Begegnungen zwischen Finger und Schere ist meine Scherenschnittkarte schliesslich fertig. Stolz fahre ich mit meinem fertigen Kunstwerk nach Hause.
40-JÄHRIGES JUBILÄUM
Im Jahr 2026 feiert der Verein Scherenschnitt Schweiz sein 40-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass präsentiert der Verein, nach grossen Erfolg der letzten Ausstellung des britischen Künstlers David Montalto, ab dem 30. November rund 100 Werke im Museum des Pays-d’Enhaut und Schweizer Scherenschnitt-Zentrum in Château-d’Oex (Siehe Pressemitteilung).
PAM