Das Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag im Kino Gstaad den Film «Diamant Brut» von Agathe Riedinger.
In einer Welt, in der Likes die neue Währung sind und die Kamera des Smartphones zum ständigen Begleiter wird, markiert der Film ...
Das Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag im Kino Gstaad den Film «Diamant Brut» von Agathe Riedinger.
In einer Welt, in der Likes die neue Währung sind und die Kamera des Smartphones zum ständigen Begleiter wird, markiert der Film «Diamant Brut» einen Wendepunkt im modernen Kino. Das Werk der französischen Regisseurin Agathe Riedinger ist weit mehr als ein herkömmliches Drama, es ist eine visuell berauschende und zugleich schmerzhaft ehrliche Analyse des Verlangens nach Sichtbarkeit und Anerkennung.
Im Zentrum der Handlung steht die 19-jährige Liane, fabelhaft verkörpert von der Newcomerin Malou Khebizi. Liane lebt im sonnengefluteten, aber trostlosen Fréjus an der Cote d’Azur. Ihr Alltag ist geprägt von einer schwierigen familiären Situation und kleinen Ladendiebstählen, doch ihre eigentliche Realität findet auf Social Media statt. Mit künstlichen Fingernägeln, Tattoos und einer provokanten Garderobe inszeniert sie sich als angehender Star. Als sie die Nachricht erhält, dass sie für das Casting der Reality-Show «Miracle Island» ausgewählt wurde, scheint ihr Traum vom sozialen Aufstieg greifbar. Liane ist bereit, alles zu geben – doch der Film stellt die bittere Frage: Wie viel von sich selbst muss man opfern, um ein Idol für andere zu werden?
Agathe Riedinger, die an der renommierten Pariser Kunsthochschule EN-SAD Fotografie studierte, bringt eine einzigartige Ästhetik auf die Leinwand. Dass ihr Spielfilmdebüt «Diamant Brut» (2024) gleich in den Hauptwettbewerb der Filmfestspiele von Cannes eingeladen wurde, gilt in der Branche als Sensation. Riedinger nähert sich ihrer Protagonistin weder moralisierend, noch verurteilt sie den Drang zur Hypersexualisierung und problematischen Geschlechtsbildern. Sie zeigt dies als verzweifelten Versuch einer zerbrechlichen jungen Frau, in einem harten kapitalistischen System Macht, Anerkennung und Liebe zu erlangen. Bereits in ihrem Kurzfilm «Waiting for Jupiter» (2018) legte sie den Grundstein für diese Thematik, die sie nun in «Diamant Brut» zur Meisterschaft führt.
Gedreht wurde im Südosten Frankreichs, insbesondere in Fréjus und Cannes. Diese Orte dienen nicht als Postkartenkulisse, sondern zeigen den scharfen Kontrast zwischen dem glamourösen Leben der Reichen und der harten Realität in den sozialen Wohnbausiedlungen – hinter den Palmenpromenaden. «Diamant Brut» ist ein ungeschönter, roher Diamant des Kinos. Er spiegelt die Träume einer Generation wider, die zwischen Prekarität und dem glitzernden Versprechen des digitalen Ruhms gefangen ist. Ein Film, der nachklingt und die Zuschauenden dazu zwingt, ihren eigenen Blick auf Schönheit, Ruhm und Authentizität zu hinterfragen.
Sowohl der Film als auch seine grandiose Hauptdarstellerin Malou Khebizi wurden für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Nicht verpassen!
FILMPODIUM SAANENLAND
Wir zeigen den Film am Montag, 9. März, um 20.30 Uhr im Cinema Gstaad. Nichtmitglieder sind willkommen und zahlen an der Abendkasse.