Die Gstaader Messe bleibt lokal
27.05.2026 GstaadDie Gstaader Messe 2026 findet statt – trotz rückläufiger Ausstellerzahlen. Die Genossenschafter sprachen sich an der Generalversammlung klar für die Durchführung der Messe in diesem Herbst aus. Der Vorstand setzt weiterhin auf eine möglichst breite Beteiligung ...
Die Gstaader Messe 2026 findet statt – trotz rückläufiger Ausstellerzahlen. Die Genossenschafter sprachen sich an der Generalversammlung klar für die Durchführung der Messe in diesem Herbst aus. Der Vorstand setzt weiterhin auf eine möglichst breite Beteiligung regionaler Betriebe und hofft bis zu den Sommerferien noch auf zusätzliche Anmeldungen. «Wir könnten den Radius aufgeben und die Messe mit auswärtigen Firmen füllen. Was wir bis heute nicht wollten», sagt Präsident Philipp Reber. Positive Zeichen setzen unter anderem elf neue ausstellende Betriebe sowie ein Anmelderekord beim Lehrlingswettbewerb.
Gstaader Messe hält am lokalen Konzept fest
Weniger Anmeldungen, aber kein Kurswechsel: Die Gstaader Messe wird auch 2026 durchgeführt. An der Generalversammlung bekannte sich die Genossenschaft klar zum regionalen Charakter der Messe und wählte zwei neue Vorstandsmitglieder.
SONJA WOLF
Die Gstaader Messe 2026 findet statt. Die Genossenschafter sprachen sich an der Generalversammlung vom Donnerstagabend einstimmig für die Durchführung der traditionellen Gewerbemesse aus – obwohl sich bislang weniger Aussteller angemeldet haben als in früheren Jahren.
Per 21. Mai lagen laut Vorstand 55 Anmeldungen vor. Bei der letzten Durchführung im Jahr 2024 waren es noch 68 Ausstellende gewesen, 2022 sogar 70. Besonders in der Tennishalle und im Festivalzelt gebe es noch freie Flächen.
Präsident Philipp Reber sprach von einer Entwicklung, die sich bereits seit einigen Jahren abzeichne. Als einen möglichen Grund nannte er den Zeitpunkt der Messe im Herbst – kurz vor der intensiven Wintersaison vieler Betriebe.
Trotzdem zeigte sich Reber überzeugt: «Wir werden auch mit 55 Messeanmeldungen eine sehr attraktive Messe durchführen können». Gleichzeitig machte er deutlich, dass der aktuelle Stand aus Sicht des Vorstands noch nicht ganz zufriedenstellend sei. «Es hat noch etwas Luft nach oben.»
Als sehr positiv erwähnte er dafür elf Firmen, die neu ausstellen werden, und eine neue Rekordbeteiligung mit 45 Anmeldungen beim Lehrlingswettbewerb.
«Finale Messe in dieser Form»
Trotz der tieferen Ausstellerzahlen sprach sich der Vorstand klar für die Durchführung aus. Denn die Messe 2026 dürfte laut Reber die «finale Messe in dieser Form» werden. Hintergrund sind die geplanten Bauarbeiten rund um Tennishalle und Festivalzelt. Der Standort werde deshalb ab Herbst 2027 voraussichtlich für mehrere Jahre nicht mehr zur Verfügung stehen.
Ein Problem bei den Besucherzahlen sieht der Vorstand ohnehin nicht. Die Messe ziehe seit Jahren viele Besucherinnen und Besucher an. Und der budgetierte Verlust von rund 7700 Franken für die Ausgabe 2026 sei tragbar. Die Genossenschaft verfüge über Reserven, um dies aufzufangen.
Lokales Gewerbe soll Vorrang behalten
Möglichkeiten, die freien Flächen einfacher zu besetzen, gäbe es laut Reber durchaus. «Wir könnten den Radius aufgeben und die Messe mit auswärtigen Firmen füllen. Was wir bis heute nicht wollten», sagte er an der Versammlung.
Der Vorstand wolle deshalb bewusst am bisherigen Konzept festhalten. «Wir machen eine lokale Messe für das lokale Gewerbe. Wenn ein lokaler Betrieb ausstellt, verzichten wir bewusst auf auswärtige Anbieter derselben Branche. Diese Tradition wurde immer gepflegt», sagte Reber. Die lokalen Gewerbebetriebe sollten weiterhin Vorrang haben.
Ziel bleibe, die Vielfalt des lokalen Gewerbes möglichst breit sichtbar zu machen und wieder rund 70 Ausstellende zu erreichen. Auch für die Ausgabe 2026 seien die Veranstalter bis zu den Sommerferien weiterhin offen für zusätzliche Anmeldungen.
Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, künftig breiter zur Teilnahme einzuladen und nicht primär Genossenschafter sowie frühere Aussteller anzuschreiben. In diesem Sinne wurde auch an der anschliessenden Generalversammlung des Gewerbevereins Saanenland nochmals auf die freien Plätze aufmerksam gemacht.
Gewinn und neue Vorstandsmitglieder
Finanziell blickt die Genossenschaft seit der letzten Messe im Jahr 2024 auf zwei positive Jahre zurück. Die Jahresrechnung schloss mit einem Reingewinn von 10’949 Franken ab.
Die Gstaader Messe zählt aktuell 73 Genossenschafter. Neu in den Vorstand gewählt wurden Nathalie Deppeler (Marketing) und Adrian Di Camillo (Finanzen). Sie sollen ihre Aufgaben schrittweise von Eliane Behrend und Patrick Staub übernehmen.
«Es braucht schon Commitment»
Weniger Aussteller, aber kein Rückzug: Gstaader-Messe-Präsident Philipp Reber erklärt, weshalb die Messe weiterhin auf eine möglichst breite Beteiligung des lokalen Gewerbes setzt.
SONJA WOLF
Philipp Reber, weshalb wird es schwieriger, genügend Aussteller zu finden?
Grundsätzlich habe ich schon das Gefühl, dass viele Betriebe heute sehr viel los haben, stark engagiert sind und personell teilweise am Anschlag laufen. Eine Messe bedeutet zusätzlichen Aufwand – man muss Ideen entwickeln, einen Stand planen und Mitarbeitende einsetzen. Es ist für alle ein Zusatzeffort. Es braucht schon ein bisschen Commitment. Darum habe ich allergrössten Respekt vor allen, die das machen. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.
Trotzdem halten Sie klar an der Messe fest. Warum?
Wenn man sichtbar sein will, wenn man auch als Arbeitgeber attraktiv sein möchte – gerade für Lernende –, dann ist es wichtig, dass man sich zeigt. Je mehr wir das lokale Gewerbe an der Messe sehen, desto kompetenter wirkt es auch gegen aussen.
Ist Social Media heute eine Konkurrenz zur Messe?
Digital kann man vieles sehr schön und in Hochglanz darstellen. An der Messe geht es aber darum, dass man mit Menschen und mit der Bevölkerung direkt in Kontakt kommt. Dafür muss man analog hinstehen und sich ganz real beweisen. Das eine schliesst das andere allerdings nicht aus: Wir haben bei der letzten Messe bewusst einen stärkeren digitalen Auftritt gemacht. Das war für viele Aussteller wertvoll. Aber die digitalen Kanäle sind meiner Meinung nach eher ein Multiplikator als ein Ersatz.
Warum hält die Gstaader Messe am regionalen Charakter fest?
Wir könnten die Hallen problemlos mit auswärtigen Firmen füllen. Aber wir wollen bewusst dem lokalen Gewerbe Vorrang geben. Das ist schon ein bisschen Heimatschutz. Die Gstaader Messe soll keine beliebige Verkaufsmesse mit Natel-Abonnementen und Gemüseschälern werden. Ich bin sicher, dass bis im Herbst noch der eine oder andere Ausstellende dazukommt. Ich setze auf die Initiative, den Stolz und die Ideen des lokalen Gewerbes.



