Die «MSSO Kids Singers» auf den Spuren der «Schwiizergoofe»
06.11.2026 KulturDie «MSSO Kids Singers» sind ein Herzensprojekt von Franziska Mathis. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Frühmusik an der Musikschule Saanenland-Obersimmental. Am vergangenen Sonntag zeigten die 30 Kinder, was sie in nur vier Proben unter der Leitung von Franziska Mathis ...
Die «MSSO Kids Singers» sind ein Herzensprojekt von Franziska Mathis. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Frühmusik an der Musikschule Saanenland-Obersimmental. Am vergangenen Sonntag zeigten die 30 Kinder, was sie in nur vier Proben unter der Leitung von Franziska Mathis und Beatrice Villiger, Gesangslehrerin an der MSSO, einstudiert hatten. Nach anfänglicher Scheu vor dem grossen Publikum waren die Kinder am Schluss kaum mehr zu bremsen.
ANITA MOSER
Während sich der grosse Saal im Kirchgemeindehaus am Sonntag gegen 17 Uhr langsam füllt, springen und hüpfen die 30 Kids, Buben und Mädchen – je zur Hälfte aus dem Saanenland und dem Obersimmental – zwischen sechs und zwölf Jahren ganz aufgeregt durch den Saal, über die Bühne oder verstecken sich hinter dem Vorhang. Vor einem so grossen Publikum aufzutreten und das notabene nach nur vier gemeinsamen Proben, braucht schon mal ganz viel Mut. Und um Mut geht es auch in der Geschichte, die Beatrice Villiger rund um die sieben Lieder geschrieben hat.
Auf Schatzsuche
Die Geschichte spielt in einem Land mit vielen Wäldern, Seen, viel Sonne und sogar einem Meer. Die Kinder vom Dorf treffen sich auf dem Spielplatz, sie spielen zusammen, erzählen sich Geschichten, lesen und freuen sich auf das gemeinsame Singen. Also eigentlich ein ganz normaler Nachmittag – wirklich? Denn: Was soll diese alte Truhe mitten auf dem Spielplatz? Die Kinder begutachten sie von allen Seiten, eines der Mädchen findet den passenden Schlüssel. In der Truhe befinden sich aber weder Kleider noch ein Picknick, weder Spielsachen noch ein Piratenschatz, sondern eine geheimnisvolle Schatzkarte. Aufgezeichnet sind Berge, ein Wald, ein grosses Meer, eine dunkle Höhle und ein sich schlängelnder Weg. Der Weg endet bei einem grossen Stern auf einem ebenfalls grossen Drachen. «Ist das die Schatzkarte zu dem grossen Drachen und dem Sternenstaub? Jener aus der Sage, welche die Kinder in der vergangenen Woche kennengelernt haben?», fragt die Erzählerin. «Man sagt, dieser Drache sei magisch, er könne durch jeden Sturm, durch jede Wolke, über alle Kontinente fliegen.» Er ermögliche jedem, der ihn steigen lasse, seinen Weg zu finden, seinem Herzen zu folgen und seine Herzensmenschen zusammenzubringen. Und zuunterst auf der Schatzkarte steht in Geheimschrift: «Wer den Weg zum Sternenstaubdrachen finden will, muss zusammen gehen.»
Und so machen sich die Kinder gemeinsam auf den Weg. Unterwegs singen sie die passenden Lieder zur Geschichte. Der Weg ist manchmal beschwerlich, einige sind müde, andere haben Angst. Doch sie bleiben zusammen, reichen einander die Hände und singen «Chlini Händ» von Kunz. Die Überfahrt mit dem Schiff auf dem Meer begleiten sie als Matrosen mit «Wellerman». Mut braucht nicht nur die Überfahrt, Mut brauchen – und beweisen – auch jene Kinder, welche die Strophen ins Mikrofon singen. Sie werden vom Publikum unterstützt, das begeistert im Rhythmus klatscht.
Als sie den Drachen finden – verheddert in einem Baum – befreien sie ihn, begleitet von «Min Drache» von den «Schwiizergoofe». Der Heimweg von der Insel führt durch eine dunkle Höhle. Die Kinder bekommen es mit der Angst zu tun. «Mutig sein heisst nicht, keine Angst zu haben. Mutig sein heisst, trotz der Angst einen Schritt zu wagen und weiterzugehen», so die Erzählerin. Die Kinder gehen gemeinsam Schritt für Schritt vorwärts, einige ziehen sich in der dunklen Höhle Verletzungen und Blessuren zu. Aber natürlich kennen sie die rettende Notfallnummer: «Eis, vier, vier!», rufen sie zusammen ganz laut und singen das gleichnamige Lied «144» von Gölä und den «Schwiizergoofe». Die Hilfe kommt und zurück auf dem Spielplatz fragen sie sich: «Was ist eigentlich der Schatz, den uns die Karte zeigt? Ist es der Drachen oder doch etwas anderes?» Sie haben weder Gold noch Diamanten, sondern «bloss» diesen Sternenstaubdrachen gefunden. «Sie verstehen, dass der eigentliche Schatz sie begleitet hat. Es ist die Freundschaft, der Mut, all die kleinen Hände, die geholfen haben und das Wissen, dass man gemeinsam viel weiterkommt, dass man mutig sein kann, auch wenn man Angst hat, und dass auch ganz kleine Menschen etwas ganz Grosses bewirken können», so die Erzählerin. Und die Moral von der Geschichte: «Wenn jemand Hilfe braucht, dann helfen wir. Wenn jemand Angst hat, bleiben wir bei ihm. Wenn jemand nicht mehr weiterkommt, geben wir ihm die Hand. Manchmal braucht es nicht viel, nur eine kleine Hand, eine helfende Hand, eine mutige Hand, eine tröstende Hand, die mit einer kleinen Bewegung einen grossen Sonnenstrahl in die Herzen zaubern kann.» Zum glücklichen Ende der Geschichte singen die «MSSO Kids Singers» «Sunnestrahl» von den «Schwiizergoofe». Als Zugaben folgen nochmals «Chlini Händ» und auf Wunsch der Kinder «Ich bin bereit – Vaiana». Nun, da die Anspannung weg ist, hätten die Kinder noch lange weitergesungen. Ein gutes Zeichen.
Ein Herzensprojekt
Die «MSSO Kids Singers» sind ein Herzensprojekt von Franziska Mathis. Für die meisten Kinder und deren Eltern ist sie keine Unbekannte. «Ich hatte keine Mühe mit den Namen der Kinder», sagt sie im Anschluss an das Konzert schmunzelnd mit einem vielsagenden Seitenblick auf Beatrice Villiger. «Bis auf zwei, drei Kinder kamen alle zu mir in die Frühmusik, einige sind immer noch dabei.»
Sie hege den Wunsch, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen schon seit vielen Jahren, bereits als ihre Kinder noch klein waren. Vorbild für das Projekt «MSSO Kids Singers» sind die schweizweit bestens bekannten «Schwiizergoofe». Nun, da sie ihr Pensum als Lehrerin für Frühmusik bei der Musikschule Saanenland-Obersimmental reduziert habe, sah sie die Gelegenheit gekommen. Die Verantwortlichen der MSSO hätten offen auf ihre Idee reagiert und Gesangslehrerin Beatrice Villiger habe begeistert sofort ihre Hilfe zugesagt. «Sie war die treibende Kraft, dass wir bereits in diesem Jahr loslegten», so Mathis. Die zwei haben gemeinsam Lieder herausgesucht und Beatrice Villiger hat die Geschichte dazu geschrieben. «Es het gfägt», lacht sie nach dem Konzert.
Geht es weiter?
«Unbedingt», antworten Beatrice Villiger und Ernst Oberli von der MSSO ganz spontan. «Etwas wird sicher entstehen», sind sich die Verantwortlichen sicher. Aber spruchreif ist noch nichts. Ideal wäre, wenn noch mehr grössere Kinder dabei wären, so Mathis. Man darf also gespannt sein, wie das Projekt weitergeht.



