Die Schweiz eine Monarchie?
29.08.2025 SchweizNein, aber in der Welt der Schwinger sehr wohl, denn kommendes Wochenende treffen sich 274 ausgewählte Schwinger im Molliser Sägemehl zu einem hochkarätigen Fest um den Königstitel.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Mollis im ...
Nein, aber in der Welt der Schwinger sehr wohl, denn kommendes Wochenende treffen sich 274 ausgewählte Schwinger im Molliser Sägemehl zu einem hochkarätigen Fest um den Königstitel.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Mollis im Glarnerunterland ist Gastgeberin des 47. Schwing- und Älplerfestes (ESAF). Im Jahr 1895, als das erste Eidgenössische in Biel ausgetragen wurde, stellten sich 192 Schwinger den Kampfrichtern. Im Gegensatz zu heute mussten sich damals die Schwinger nicht qualifizieren. Das erste Eidgenössische war «einfach» ein Schwinget, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied zu anderen Schwingfesten: Zum ersten Mal wurde der Königstitel vergeben.
Ein langer und beschwerlicher Weg ins Reich der Schwingerkönige
Brand Viktor und Graf Johann dürfen sich Eidgenossen nennen, weil sie an Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten mit dem eidgenössischen Kranz ausgezeichnet wurden. Auf die Frage, woran es gelegen habe, dass sie nicht «König» wurden, entgegnete Graf: «Wahrscheinlich lag das am siebten Gang. Der ist entscheidend, um in die Stichwahl zu kommen.» Im Saanenland hat das Schwingen eine lange Tradition. Trotzdem gelang es auch den Stärksten nicht, König zu werden!
Graf Johann, wie beurteilen Sie diesen Umstand?
«Es entspricht eher der Normalität, dass ein Schwingklub – in unserem Beispiel der Schwingklub Saanenland – keinen König hat. Selbstverständlich wäre es schön. Aber die Umstände wie familiäre Verhältnisse, Vorbereitung, Tagesform, das Kampfgericht, die Wettkampfeinteilung und nicht zuletzt die kampfstarken Schwinger aus den Teilverbänden gilt es zu berücksichtigen und zu akzeptieren. Es ist schön, einen König zu haben. Aber keinen zu haben, motiviert Aellen Florian, Annen Dominic und unsere begabten Nachwuchsschwinger, sich dereinst von einer Ehrendame die Königskrone aufs Haupt setzen zu lassen.»
Am ESAF in Mollis werden Aellen Florian und Annen Dominic in den Sägemehlring steigen.
Im Saanenland und in Adelboden – Aellen wohnt im Engstligental – hofft man, dass die beiden «Wackeren» sehr oft dem Unterlegenen das Sägemehl vom Rücken «putzen» dürfen.
Aellen Florian
Aellen Florian, der Bernisch Kantonale Schwingerverband selektionierte 63 Schwinger für das ESAF in Mollis. Sie sind auch Mitglied dieses kraftvollen Teams. Herzliche Gratulation.
Kurz vor dem ersten Gang in Mollis – sind Sie aufgeregt?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin gesund und denke während meiner Arbeit als Vorabeiter auf einer Baustelle nicht ans Schwingen.
Wie war das Trainingslager?
Sehr gut. Alles lief optimal. Ich konnte auch mit dem einen und anderen Eidgenossen zusammengreifen. Dadurch gewinnt man an Erfahrung.
Wie viele Schwünge haben Sie in Ihrem Repertoire?
Vier, drei davon beherrsche ich recht gut.
Welchen Schwung setzen Sie wann ein?
Das hängt vom Gegner ab. Ich muss situativ handeln und im richtigen Moment das Richtige tun.
Sie haben mit dem ESAF noch eine Rechnung offen, verpassten Sie den Eidgenössischen Kranz in Zug doch nur um einen Viertelpunkt. Bei welchem der acht Gänge könnten Sie einen Viertelpunkt mehr herausholen?
(Lacht.) Schön wäre es, wenn man das im Voraus planen könnte. Ich steige in jeden Kampf mit dem Ziel, diesen zu gewinnen.
Aber Schwingen an einem Eidgenössischen ist doch auch Teamarbeit?
Das ist so. Wenn mir die Wettkampfleitung einen ganz Bösen zuteilt, erschrecke ich zwar nicht, muss diesen Kampf aber nicht «ghaue oder gstoche» gewinnen. Optimal ist dann, wenn ich mit einem Gestellten aus dem Ring gehe und so einem meiner Kollegen helfen konnte.
Wie verpflegen Sie sich in der Mittagspause und zwischen den Gängen?
Marlies, mein Freundin, macht sehr feine Müesli und Riegel. Auch sonst schaut sie, dass es mir gut geht!
Annen Dominic
Annen Dominic, mit welchen Gefühlen werden Sie morgen die gigantische Schwingfestarena in Mollis betreten?
Mit grossartigen! Ich freue mich auf das Schwingen und die Stimmung rund um diesen traditionellen Sportanlass. Es war immer mein Ziel, als aktiver Schwinger dabeisein zu können.
Ein Traum?
Vielleicht, aber eher der Wunsch, ein gestecktes Ziel erreichen zu können.
Wie verlief Ihre schwingerische Vorbereitung?
Ich war mit der kompletten Berner Delegation in einem Vorbereitungscamp auf der Kleinen Scheidegg. Wir schwangen kurz dauernde Gänge, quasi im Intervallmodus. Der Teambildung wurde viel Raum gegeben. Wir sind zuversichtlich, dass einer der unseren König werden wird.
Mit welchen Schwüngen wollen Sie trumpfen?
Ich bin eher ein Standschwinger. Mit den Bodenschwüngen habe ich es nicht so. Zusätzlich zu meinen Schwüngen zähle ich auf mein Bauchgefühl, Situationen spontan zu erkennen und den richtigen Zug, Heber usw. ausführen zu können.
Acht Gänge in zwei Tagen. Wie verpflegen Sie sich in den Pausen?
(Lacht.) Ich zehre von meiner Substanz, esse in der Mittagspause sehr wenig und zwischen den Gängen ab und zu einen Riegel.