DJ Jim Leblanc: gelebte GreenGo Vibes seit 2004
02.03.2026 GstaadDJ Jim Leblanc ist ein bekanntes Gesicht in Gstaad. Bereits seit über 20 Jahren spielt der französische DJ im GreenGo und bringt die Gäste im Gstaad Palace mit seiner Musik zum Tanzen. Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen? Und was macht er ausserhalb des ...
DJ Jim Leblanc ist ein bekanntes Gesicht in Gstaad. Bereits seit über 20 Jahren spielt der französische DJ im GreenGo und bringt die Gäste im Gstaad Palace mit seiner Musik zum Tanzen. Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen? Und was macht er ausserhalb des GreenGo?
PAULA H. MITTAG
Es ist spät in der Nacht und das Palace thront hell erleuchtet über Gstaad. Auf der Suche nach guter Musik gehen Kenner:innen in den Nachtklub Green-Go unter dem Palace. Es herrscht reges Treiben, denn hier wird nicht geschlafen – hier wird getanzt, gelacht, angestossen und diskutiert. Und da steht er, unter bunten Disco-Lichtern und mit einem fein abgestimmten Remix am DJ-Pult: Jim Leblanc. Der Franzose ist in der Szene kein Unbekannter. Regelmässig legt er in High-Society-Klubs auf. Doch sein Lieblings- und Stammklub ist das GreenGo. Seit 2004 steht er hier hinter den Turntables, 15 Jahre davon als künstlerischer Leiter. Er verantwortet sämtliche künstlerischen Aspekte der musikalischen Unterhaltung im Nachtklub.
Wie alles begann
2003 lernte Jim Leblanc in Frankreich einen Schweizer Musikverleger kennen, der ihn unbedingt nach Zürich in einen Nachtclub holen wollte. Dort legte er auf – «dem Klubbesitzer gefiel, was ich machte», erinnert sich Leblanc und blieb gleich acht Monate als Resident-DJ. Einige Zeit später organisierte der Nachtclub in Zürich eine «Gstaad Party», Leblanc lernte dort jemanden aus dem Palace kennen und erhielt wenig später das Angebot, im GreenGo aufzulegen – der Beginn seines Engagements im Gstaad Palace.
Das erste Mal GreenGo
Im Sommer 2004 legte Leblanc zum ersten Mal im GreenGo auf. «Ich werde mich immer daran erinnern», sagt er stolz. Doch es folgte ein Moment der Unsicherheit: «Eigentlich war ich sehr von mir selbst überzeugt und war mir sicher, dass ich den ganzen Sommer über eine gute Arbeit geleistet hatte, und wollte gerne im Green-Go bleibe denn ich hatte mich in den Club, das Dorf und einfach alles verliebt.» Er habe Palace-Besitzer Andrea Scherz gefragt, ob sein Engagement verlängert werde. Die Antwort kam anders, als erwartet. «Als er mich mit ernster Miene in sein Büro bat und mir sagte: ‹Es tut mir leid, wir können Sie nicht behalten›, fühlte es sich an wie ein Sturz aus 100 Metern Höhe.» Doch dann die Wende: «Willkommen im Gstaad Palace», sagte Andrea Scherz. Er habe sich einen Scherz erlaubt. «In dem Moment war es wirklich eine emotionale Achterbahnfahrt.»
Die Challenge mit einem über 100 Jahre alten Gebäude
Das Palace besteht nun schon seit 1913, und diese lange Geschichte bringt auch Herausforderungen mit sich. Das traditionsreiche Hotel ist entsprechend alt und das wirkt sich auf die Akustik aus. «Als DJ möchte man immer viel Sound, denn der Schalldruck sorgt für das Adrenalin und bringt die Party in Schwung, dementsprechend macht die unzureichende Akustik das Ganze komplizierter. Noch dazu möchte ich die schlafenden Hotelgäste nicht wecken», betont Jim Leblanc. Auch Eigentümer Andrea Scherz sei bemüht, den Club möglichst schalldicht zu machen. Doch die baulichen Gegebenheiten setzen Grenzen. «Letztendlich handelt es sich immer noch um ein altes Gebäude, das nicht für die niedrigen Frequenzen ausgelegt ist, die wir derzeit verwenden. Aber wenn man sich die grossartigen Partys der letzten Jahre ansieht, merkt man: Es geht nicht nur um den Schalldruck, sondern auch um die Stimmung», so Leblanc.
Seit 1971 gleich
Der GreenGo-Raum ist, wie das Palace selbst, alt und seit 1971 nahezu unverändert geblieben. «Die Gäste, die ins GreenGo kommen, wissen, was sie erwartet. Sie suchen keine ‹Ibiza-Vibes›. Es ist ein Club aus den Siebzigern, ein Treffpunkt der High Society. Man kommt wegen der Lampen, wegen der Stimmung und wegen der Dinge, die man seit 20 Jahren oder länger kennt», erklärt Jim Leblanc überzeugt. Er habe selbst miterlebt, wie sich Paare im GreenGo kennengelernt hätten und einige Jahre später deren Kinder ebenfalls in denselben Club zum Feiern gekommen seien.
PROJEK T AHOONA:
Jim Leblanc hat neben seinem Beruf als Club-DJ noch ein Nebenprojekt namens Ahoona, welches er gemeinsam mit einem Freund aufgestellt hat. «Ich möchte mich in dem Projekt künstlerisch mehr ausdrücken und auch, anstatt nur in Clubs zu spielen, an Festivals wie beispielsweise dem Caprices auftreten, wenn sie uns buchen», so Jim Leblanc. Gemeinsam wollen sie House-Musik in all ihren verschiedenen Genres von Afro House bis Tech House spielen.
PAM
«Das Publikum hier ist einfach fantastisch»
Der DJ Jim Leblanc kam 2004 in den GreenGo-Nachtklub im Gstaad Palace. Dort ist er längst eine feste Grösse und geniesst grosse Beliebtheit. Bereits mit 14 Jahren begann er sich fürs DJ-Dasein zu interessieren und legte auf kleinen Hauspartys auf. Viele Jahre später spricht er über seine Erfahrungen, Herausforderungen und die Zukunft des Nachtlebens.
INTERVIEW: PAULA H. MITTAG
Was ist die grösste Herausforderung als DJ im GreenGo?
Hier trifft ein richtiger Schmelztiegel aufeinander: Menschen aus verschiedenen Generationen, unterschiedlichen Ländern und mit verschiedenen Sprachen. Man muss sich ständig anpassen. Wenn an Silvester Enkel, Vater und Grossvater im selben Raum stehen, ist das für einen DJ natürlich erst einmal ein Albtraum.
Wie sorgen Sie dafür, dass trotzdem jeder Spass hat?
Ich versuche dann immer generationsübergreifende Musik zu spielen. Ich weiss, dass ich nicht alle glücklich machen kann. Aber ich versuche, Balance zu finden – mein eigenes Schachspiel im Kopf gegen all die Herausforderungen vor mir. Die Leute wissen, was sie erwartet, wenn sie ins Green-Go kommen. Es ist nichts Extremes, keine Nischenmusik. Wir spielen eingängige Musik. Ich möchte, dass die Menschen Spass haben. Genau das versuche ich mit meiner Musik zu erreichen: dass alle tanzen.
Was ist der Unterschied zwischen Industry und GreenGo Nights?
Wir veranstalten ab und zu Industry Nights, der Eintritt ist dort dann kostenlos, weil wir gerne auch anderen Menschen als nur dem Palace-Klientel den Zutritt zum GreenGo gewähren möchten. Nebenbei setzen wir die Preise der Getränke ebenfalls runter. Der Dresscode bleibt allerdings gleich. Die Industry Nights ermöglichen, dass das GreenGo-Feeling für jeden zugänglich wird.
Welche Partys mögen Sie lieber?
Es ist sehr unterschiedlich – aber ich mag beides. Als Resident-DJ liebe ich es, Musik zu spielen. An den Industry Nights kommen die Leute wirklich, um Spass zu haben. Sie sitzen kaum, sie tanzen die ganze Zeit. Das macht es für den DJ vielleicht etwas einfacher. Bei anderen Partys sind es häufig Gäste des Gstaad Palace. Viele sitzen an den Tischen – und wenn deine Gäste bequem auf einem grossen Sofa sitzen, ist es schwieriger, sie zum Tanzen zu bringen. Das ist etwas kniffliger, entsprechend ist die Musik dann meist auch ein bisschen anders. Das Publikum ist hier sonst einfach fantastisch – und genau das macht diesen Ort besonders.
Wie gehen Sie mit Musikwünschen um?
Die Leute können jederzeit zu mir kommen und etwas wünschen. Manchmal haben sie sogar bessere Ideen als ich – das mag ich. Wenn es zum Flow passt, spiele ich es gern. Aber manchmal ist es kompliziert. Wir alle haben unterschiedliche Musikgeschmäcker, das verstehe ich. Ich spiele einen Wunsch nur, wenn er zu dem passt, was ich gerade aufbaue. Man hört, wenn ein DJ wirklich für das Publikum spielt. Manchmal lohnt es sich für die Clubgänger:innen auch, einfach abzuwarten – vielleicht gefällt es ihnen am Ende doch. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Musikwünschen. Aber ich kann mich nicht an jede einzelne Person im Raum anpassen – sonst wäre ich eine Jukebox. Wir versuchen, während unseres Sets eine Geschichte zu erzählen. Es gibt eine Logik darin, wie wir die Leute bis vier oder fünf Uhr morgens begleiten.
Würden Sie gerne auf Festivals spielen?
Natürlich nicht unter dem Namen Jim Leblanc – ich spiele auf der ganzen Welt und repräsentiere die Marke, ich bin Markenbotschafter für das Gstaad Palace und GreenGo. Ich bin im Moment so glücklich, alles kommt zur rechten Zeit, wenn man dafür hart arbeitet. Mit meinem zweiten Standbein, dem Projekt Ahoona (siehe Kasten), würde ich jedoch gerne mal an Events gehen, um dort House-Musik in allen Genres zu spielen. Im Moment mag ich diese Tech-House-Bewegung total, dieses nach einer sehr langen Zeit, in der Afro-House im Trend war.
Wie sehen Sie die Rolle von KI in der Musik?
KI entwickelt sich viel zu schnell. Auch in der Musik und Musikproduktion stellt sie langsam ein Problem dar. Aber an so einem Ort wie das GreenGo wirst du niemals etwas anderes als einen echten DJ hinter das Pult stellen. Du brauchst diese Verbindung zu den Gästen, du brauchst den Kontakt zu den Menschen. Du brauchst Lächeln, Worte, Umarmungen, Hände in der Luft. Natürlich gibt es viele Orte, an denen man einen DJ problemlos durch eine Spotify-Playlist ersetzen könnte – vielleicht sogar optimal gesteuert mit KI. Aber an einem Ort wie diesem? Niemals. Selbst wenn wir technologisch noch viel weiter sind.
Wie sieht es bei Ihnen aus?
Im Moment sieht es für mich, besonders was die Musikproduktion betrifft, nicht gut aus. Wir kämpfen alle noch, bringen unsere Emotionen und unsere Kunst zu Papier und geben unser Bestes. Aber irgendwann wird man vielleicht keinen Unterschied mehr hören können und selbst die Kund:innen, die eigentlich echte Musik von echten Menschen hören wollen, werden vielleicht gar nicht mehr die Möglichkeit haben zu wählen. Es ist heikel. Und es geht so schnell. Und es macht Angst. Am Ende ist es «nur» Musik – aber wir würden so viel verlieren.



