Dreimal Nein auf Bundes- und Kantonsebene
29.09.2026 PolitikDie Schweiz hat am Sonntag beide eidgenössischen Initiativen deutlich verworfen. Im Saanenland fiel das Ergebnis bei der Neutralitätsinitiative unterschiedlich aus: Lauenen stimmte zu, Saanen und Gsteig lehnten ab. Bei der Ernährungsinitiative und der Berner ...
Die Schweiz hat am Sonntag beide eidgenössischen Initiativen deutlich verworfen. Im Saanenland fiel das Ergebnis bei der Neutralitätsinitiative unterschiedlich aus: Lauenen stimmte zu, Saanen und Gsteig lehnten ab. Bei der Ernährungsinitiative und der Berner Bildungsinitiative verzeichnete der Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen die höchsten Nein-Anteile im Kanton.
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Die Schweiz ist tief lila eingefärbt – gleich zwei Mal: Die Neutralitäts- und die Ernährungsinitiative erhielten vom Schweizer Volk keine Zustimmung. Der Nein-Anteil – der auf der Homepage des Bundes jeweils mit lila Farbe gekennzeichnet wird – lag bei beiden Vorlagen bei über 70 Prozent. Beide Vorlagen scheiterten in sämtlichen Kantonen. Auch der Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen verwarf beide Initiativen. Während das Nein zur Ernährungsinitiative mit 84,4 Prozent besonders deutlich ausfiel, war die Neutralitätsinitiative mit 46,1 Prozent Ja-Stimmen wesentlich näher an einer Mehrheit. Kein anderer bernischer Verwaltungskreis verzeichnete bei dieser Vorlage einen höheren Ja-Anteil.
Drei Gemeinden sagten Ja
Die Neutralitätsinitiative verlangte eine striktere Neutralitätspraxis und zusätzliche Vorgaben in der Bundesverfassung, unter anderem zur militärischen Zusammenarbeit und zu Sanktionen. Im Kanton Bern wurde sie mit 73,4 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Innerhalb des Verwaltungskreises Obersimmental-Saanen gingen die Meinungen jedoch auseinander: Drei der sieben Gemeinden nahmen die Vorlage an. Den höchsten Ja-Anteil erreichte sie in St. Stephan mit 62,7 Prozent, gefolgt von Boltigen mit 59,3 Prozent und Lauenen mit 58,3 Prozent.
Saanen und Gsteig entschieden anders. In Saanen lehnten 58,3 Prozent die Initiative ab, in Gsteig waren es 53,4 Prozent. Das deutlichste Nein im Verwaltungskreis kam aus Zweisimmen mit 61,4 Prozent. Auch die Lenk verwarf die Vorlage mit 56,8 Prozent Nein-Stimmen. Damit blieb die Initiative im gesamten Verwaltungskreis mit 2566 Ja- gegenüber 3001 Nein-Stimmen in der Minderheit.
Cassis sieht Neutralitätspolitik bestätigt
Bundesrat Ignazio Cassis wertete das Ergebnis im Interview mit SRF als Bestätigung der bisherigen Neutralitätspolitik: «Die Schweizer Stimmbevölkerung hat sehr gut verstanden: Es ging darum, die bisherige, bewährte Neutralität weiterzuführen oder eine neue Neutralität in die Verfassung zu schreiben. Sie hat sich für das Erste entschieden und damit Bundesrat und Parlament vertraut.» SP-Nationalrat und Initiativgegner Fabian Molina sagte gegenüber SRF mit Blick auf die wiederholten Niederlagen – nach der 10-Millionen-Schweiz-Abstimmung – der SVP: «Es gibt eine kleine Minderheit, die stur versucht, der restlichen Schweiz ihre Konzepte aufzudrücken. Und die Stimmbevölkerung sagt wieder und wieder Nein zu diesen Ansätzen.» SVP-Präsident und Befürworter Marcel Dettling räumte ein: «Ja, es stimmt, einzelne Kämpfe, Initiativen haben wir verloren.» Zugleich richtete er den Blick auf das EU-Vertragswerk, denn «die grosse Schlacht, die Mutter aller Abstimmungen», diese folge noch. «Und da sind wir gut vorbereitet.»
91 Prozent Nein in Lauenen
Bei der Ernährungsinitiative waren sich die sieben Gemeinden des Verwaltungskreises einig: Alle lehnten sie deutlich ab. Die Initiative wollte den Anteil der im Inland produzierten Lebensmittel auf mindestens 70 Prozent erhöhen. Dazu sollte die Landwirtschaft mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel produzieren. Weitere Ziele betrafen den Schutz der Umwelt und des Trinkwassers. Politologe Lukas Golder erklärte gegenüber SRF, die sommerliche Trockenheit und die Herausforderungen der Landwirtschaft hätten den Themen der Ernährungsinitiative Aufmerksamkeit verschafft. Die Anliegen seien auf Interesse gestossen, die vorgeschlagene Umsetzung sei jedoch zu rasch und zu weitreichend gewesen.
Im Kanton Bern betrug der Nein-Anteil 71,8 Prozent. Obersimmental-Saanen verzeichnete mit 84,4 Prozent die stärkste Ablehnung aller zehn Verwaltungskreise. Besonders deutlich fiel das Ergebnis in Lauenen aus: Mit 91 Prozent erreichte die Gemeinde den höchsten Nein-Anteil im Verwaltungskreis. In Gsteig lehnten 87,6 Prozent die Vorlage ab, in Saanen 82,6 Prozent. Den höchsten Ja-Anteil innerhalb des Verwaltungskreises verzeichnete Zweisimmen mit 19,7 Prozent.
Auch schweizweit stiess die Ernährungsinitiative auf dem Land auf stärkere Ablehnung als in den Kernstädten: In ländlichen Gemeinden betrug der Nein-Anteil 78,7 Prozent, in den Kernstädten 62,7 Prozent. Obersimmental-Saanen lehnte die Vorlage somit noch deutlicher ab als die ländlichen Gemeinden im Schweizer Durchschnitt.
Mehr Zustimmung auf dem Land
Laut Bundesamt für Statistik erhielt die Neutralitätsinitiative in ländlichen Gemeinden schweizweit 37,4 Prozent Ja-Stimmen, in den Kernstädten 22,6 Prozent. Obersimmental-Saanen lag mit 46,1 Prozent über beiden Werten. An den eidgenössischen Abstimmungen beteiligten sich im Verwaltungskreis 48,4 Prozent der Stimmberechtigten: in Saanen 47,9 Prozent, in Gsteig 44,9 Prozent und in Lauenen 53 Prozent. Die höchste Beteiligung verzeichnete St. Stephan mit 54,3 Prozent. Bei der Bildungsinitiative lag sie im Verwaltungskreis bei 45,8 Prozent.




