Christoph Trummer schien an diesem Samstagabend, 12. September, eine geradezu magnetische Wirkung zu entfalten. Jedenfalls war der «Konzertsaal» der Grubenberghütte bis auf den letzten Sitzplatz belegt. Noch bevor der preisgekrönte Schweizer Musiker und Autor die ersten ...
Christoph Trummer schien an diesem Samstagabend, 12. September, eine geradezu magnetische Wirkung zu entfalten. Jedenfalls war der «Konzertsaal» der Grubenberghütte bis auf den letzten Sitzplatz belegt. Noch bevor der preisgekrönte Schweizer Musiker und Autor die ersten Töne erklingen liess, herrschte erwartungsvolle Stille. Gebannt wartete das Publikum auf den Auftritt des Berner Oberländer Singer-Songwriters, der seit 2002 eigene Musik veröffentlicht.
Mit dem melancholischen «Chum doch no chli nöcher» eröffnete Trummer schliesslich seine musikalische Reise durch den Abend. Und schon nach wenigen Takten wurde deutlich: Hier brauchte es weder grosse Bühne noch aufwendige Technik. Eine Stimme, eine Gitarre und später auch eine Mundharmonika genügten, um die Gaststube mit Musik und Geschichten zu füllen.
Auf sympathische, witzige und überaus unterhaltsame Weise führte Trummer durch sein Programm. Seine tiefgründigen Lieder erzählen vom Leben, von Begegnungen und Erinnerungen und gewähren immer wieder Einblicke in seine eigene Vergangenheit – von der Kindheit im Berner Oberland bis zu seinem Aufenthalt in Brooklyn im Jahr 2006. Manche Songs stimmten nachdenklich, andere sorgten für ein Schmunzeln oder herzhaftes Lachen. Das Publikum lauschte aufmerksam und liess sich bereitwillig auf Trummers musikalische und erzählerische Welt ein.
Fast ausschliesslich sang Trummer an diesem Abend in Mundart. Dass ihm auch das Englische nach wie vor bestens steht, bewies er mit «September Darling». Mit «Häli» wiederum würdigte er Maria Lauber, die Frutiger Lehrerin und Mundartdichterin, deren Werk ihn zur musikalischen Auseinandersetzung mit der Frutiger Mundart inspiriert hatte.
Der Auftritt auf dem Grubenberg erhielt zudem eine besondere literarische Note. Erst wenige Wochen zuvor war Trummers erster Roman «St. Brooklyn» erschienen. Darin erzählt er von einem Schweizer Musiker, der 2006 mit seinem Gitarrenkoffer nach New York reist und in die dortige Musikszene eintaucht. Es ist eine Geschichte über das Leben für die Musik, über Freundschaft, Zugehörigkeit und Fremdsein – und über die Suche nach sich selbst. Zwischen seinen Songs las Trummer immer wieder Passagen daraus vor und liess so Musik und Literatur zu einer gemeinsamen Erzählung verschmelzen.
Natürlich durfte auch das «Heimatlied» nicht fehlen. Und spätestens bei «Erinnerig» wurde aus dem aufmerksamen Publikum kurzerhand ein Teil des Programms: Trummer animierte die Gäste, beim Refrain mitzusingen und spontan Namen jener Orte in den Raum zu rufen, mit denen sie persönliche Erinnerungen verbinden.
Der flackernde Kerzenschein in der heimeligen Gaststube tat sein Übriges. Trummer gelang es mit seiner unaufgeregten, nahbaren Art, sein Publikum vom ersten Lied bis zum letzten Ton in seinen Bann zu ziehen. Und als draussen über dem Grubenberg ein funkelnder Sternenhimmel aufgezogen war, schien ohnehin alles zusammenzupassen: Kulinarik und Kultur, Musik und Literatur, Hüttenromantik und Bergwelt.
So nahmen die Gäste an diesem Abend weit mehr als einen Konzertbesuch mit auf den Heimweg – nämlich Geschichten, Melodien und Erinnerungen an einen besonderen Abend, der noch lange nachklingen dürfte.
GRUBENBERGHÜTTE/RUEDI HÄHLEN