Ein Abend voller Gesang, Tradition und Herzlichkeit

  10.12.2024 Kultur

Am 29. November fand in der Kirche Zweisimmen bereits das fünfte Benefizkonzert des Jodlerklubs Rinderberg-Oeschseite statt. Zusammen mit dem Jodlerklub St. Stephan und dem Jodlerchörli «Abeglanz» Gstaad verwöhnten die Organisierenden das Publikum mit gepflegtem Jodelgesang. Mit der Kollekte unterstützte das Publikum heuer den Gotthelfverein Obersimmental-Saanen.

Nur schon die mitwirkenden Formationen liessen die Vorfreude auf einen stimmigen Konzertabend wachsen: Da die eingeladenen «Fluehbachjodler» aus Lauterbrunnen beim Einsingen stimmmässig nicht auf der Höhe waren, mussten sie jedoch von einem Auftritt absehen und konnten stattdessen auf der Empore dem Konzert als Zuhörende genussvoll beiwohnen. Und Genuss gab es zuhauf!

Der gastgebende Jodlerklub Rinderberg-Oeschseite eröffnete den Konzertabend mit dem Jodellied «Liechtli am Wäg» von Paul Schreiber feinstimmig. Mit dem Jutz «Für d Heimat» vom Komponisten und Dirigenten Simon Hefti, zusammen mit seinem Jodlerchörli «Abeglanz» Gstaad, und dem Jodlerklub St. Stephan mit dem Jodellied ihres Dirigenten Ueli Moor «Früehlig i de Bärge» kam das zahlreiche Publikum voll auf seine Rechnung. Schön war, dass die Formationen, die voller Freude und unbelastet auftreten konnten, im Chor der Kirche Platz genommen hatten und nach jedem Vortrag jeweils wechselten, was für das Publikum zu einem ausgesprochen abwechslungsreichen und kurzweiligen Konzert führte.

Kommunikation fest in Frauenhand
Wenngleich die männlichen Jodler deutlich in der Überzahl waren, hatte die Weiblichkeit den kommunizierenden Programmteil des Konzertabends fest in ihrer Hand: «Es freut uns ausserordentlich, dass ihr den Weg hierhin gefunden habt, um den heutigen Abend voller Gesang, Tradition und Herzlichkeit zusammen mit uns zu geniessen. Unser Konzert steht unter dem besonderen Stern der Solidarität von uns allen, indem wir den Gotthelfverein unterstützen dürfen», begrüsste Therese Pfund als Präsidentin des organisierenden Jodlerklubs die Anwesenden herzlich zum fünften Benefizkonzert, derweil Karoline Kuhnen sicher durch den Abend führte und gleich noch etwas Werbung in eigener Sache machte: «Momentan stecken die Jodlerklubs St. Stephan, Lenk und ‹Echo vom Flösch› voll in den Vorbereitungen für das bernisch kantonale Jodlerfest, das vom 20. bis 22. Juni 2025 an der Lenk und in St. Stephan stattfinden wird. Es werden rund 3000 Aktive und 30’000 Besuchende erwartet. Es gibt also noch etwas zu tun», meinte sie mit Hinblick auf den bevorstehenden Grossanlass schmunzelnd.

Unterstützung des Gotthelfvereins Obersimmental-Saanen
Doch zurück zum Benefizkonzert, an welchem sämtliche Jodlerinnen und Jodler nicht vergebens – aber ohne Gage – aufgetreten sind. Ihr Engagement wurde nach dem Konzert einzig mit einem reichhaltigen Apéro verdankt, derweil die Kollekte vollumfänglich dem Gotthelfverein Obersimmental-Saanen gespendet wurde. Dessen neue Präsidentin Sandra Klopfenstein aus der Lenk dankte für die grosszügige Spende, die ganz im Sinn von Jeremias Gotthelf Kinder und Jugendliche aus der Region unterstützt.

Nebst dem interessanten Einblick ins Wirken von Jeremias Gotthelf alias Albert Bitzius (1797–1854), las Sandra Klopfenstein aus einem Briefli vor, das sie gerade erst von einem Mädchen erhalten hatte: «Dank Ihrer Hilfe ist es mir weiterhin möglich, den Geigenunterricht zu besuchen, was mir sehr viel Freude bereitet!» Die Eltern dieses Mädchens wüssten ansonsten schlicht nicht, woher das Geld für den Musikunterricht zu nehmen. «Und genau für solche Familien ist der Gotthelfverein da», erläuterte die Präsidentin: «Wir unterstützen Kinder und Jugendliche aus der Region, deren Eltern sich in einer finanziell schwierigen Situation befinden. Häufig müssen gerade diese Kinder auf Sachen verzichten, welche ihnen in schwierigen Zeiten Halt geben und Freude machen.»

Sandra Klopfenstein schloss mit einem herzlichen Dank an den organisierenden Jodlerklub und alle weiteren Formationen: «Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ihr alle einen ganzen Abend unentgeltlich für uns singt und eure wertvolle Zeit dafür zur Verfügung stellt!» Mit grossem Applaus wurde dies verdankt und die Präsidentin gab dem Publikum den Dank für ihre wertvolle Spende, damit auch künftig Kinderaugen strahlen dürfen, postwendend zurück.

Berührendes «Chinderhärz»
Und so wurde das Publikum insbesondere auch von den nachfolgenden Liedvorträgen berührt: So vom «Di Wäg» von Ueli Zahnd, der von den beiden Vorjutzerinnen des Jodlerklubs Rinderberg-Oeschseite, Therese Pfund und Heidi Schmid, in Begleitung ihrer Jodlerkameraden sehr stimmig wiedergegeben wurde. Auch das von Simon Hefti komponierte und vom Jodlerchörli «Abeglanz» Gstaad wunderschön vorgetragene «Chinderhärz» hätte passender zum Konzertabend nicht sein können: «Die Wält mag sich ändere, doch öpis blybt glich, e fröhlichi Wiehnacht macht ds Chinderhärz rych», dies die verheissungsvollen Abschlussworte des Vortrages am ersten Adventswochenende. Karoline Kuhnen fügte spontan an: «Gueti Schyfahrer chönä äbä o guet jutzä!», mit einem Augenzwinkern in Richtung des Riesenslalomweltmeisters Mike von Grünigen, der in den Reihen der Gstaader mitsingt. Das Jodellied «Jung sy» von Adolf Stähli, aus den Kehlen der St. Stäffner wunderbar vorgetragen, schloss diese Trilogie stimmig ab.

Kollekte grosszügig unterstützt
Gemeinderätin Elisabeth Grünenwald überbrachte in ihrer Grussbotschaft die besten Wünsche der Zweisimmer Gemeindebehörden und motivierte das Publikum, die Kollekte grosszügig zu unterstützen. Dies wurde denn auch gemacht und es kam der schöne Betrag von 2800 Franken zusammen, welcher von den herzigen Trachtenkindern aus den Familien der Organisatoren nach dem Konzert beim Ausgang freudig entgegengenommen wurde. Bestimmt kann so das eine oder andere Gspänli indirekt unterstützt werden.

Aufmerksamer Zuhörer war auch Simon Zmoos aus Boltigen, der vor Jahren zusammen mit dem musikalischen Leiter des Jodlerklubs Rinderberg-Oeschseite, Bernhard Kohli, das Benefizkonzert ins Leben gerufen hatte und auf eine schöne Zeit zurückblickt: «Mit dem Jodlerquartett ‹Männertreu› haben wir dreimal mitgemacht. So war heute durchaus auch etwas Wehmut mit dabei, aber es war gleichwohl einfach wunderbar, dem Konzert voller Genuss zuzuhören.»

Bereits blickt der Jodlerklub Rinderberg-Oeschseite dem nächsten Anlass entgegen, feiert er doch am 22. Februar 2025 sein 75-jähriges Bestehen mit einem Jodlerabend im Gemeindesaal Zweisimmen: «Nebst der Jodlergruppe ‹Edelwyss-Stärnen› Grindelwald werden auch die Jodlergruppe ‹Bärgrösli› Alpnachstad und das Jodelduett Martina und Ueli Moor als Gastformationen auftreten – unsere Vorfreude ist riesig», liess Präsidentin Therese Pfund denn auch freudestrahlend verlauten.

«SIMMENTAL ZEITUNG»/LUZIA WYSSEN


JEREMIAS GOTTHELF: «OHNE KINDER WÄRE DIE WELT EINE WÜSTE»

Genau 100 Jahre nach Gotthelfs Geburt wurde die Gotthelfstiftung Obersimmental-Saanen 1897 gegründet und übernahm die öffentliche Armenpflege, gab es dazumal doch noch keine Sozialämter. Der Vorstand bestand hauptsächlich aus Pfarr- und Lehrpersonen, die die Familien kannten und so prüfen konnten, wer Hilfe nötig hatte. «Heute sind wir keine Stiftung mehr, sondern ein gemeinnütziger Verein. Über unsere Website kann ein Gesuch heruntergeladen werden. Zweimal jährlich bespricht und entscheidet der Gesamtvorstand, der sich aus acht Mitgliedern aus sämtlichen Gemeinden unserer Region zusammensetzt, ob ein Kind in eine Patenschaft aufgenommen oder ob ihm einmalig etwas finanziert wird», erläuterte Sandra Klopfenstein das Vorgehen des Vorstandes, der den Familien vielmals auch beratend zur Seite steht.

Unterstützt werden beispielsweise sportliche Aktivitäten, Nachhilfeunterricht – einmalig aber auch mal ein Saisonabo fürs Skifahren oder eine Zahnarztrechnung – das finanzielle Hilfsangebot ist breit gefächert: «Leider ist die Scham oftmals gross, finanzielle Hilfe in Anspruch zu nehmen. So sind wir im Vorstand gefordert, betroffene Familien auf das Angebot aufmerksam zu machen und ihnen die Schwellenangst zu nehmen», so die Präsidentin. Sämtliche Angaben werden vertraulich und unter Schweigepflicht behandelt.

LUZIA WYSSEN

 


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote