Es ist immer wieder schön, Berichte oder Bilder von einer Tracht in der Zeitung zu sehen. Für viele Menschen ist «Tracht» ein sehr emotionales Thema. Die Tracht bringt auch viel Geschichte mit, sei es durch Vererbung, Erlebnisse oder schöne Momente. Der Bericht las sich ...
Es ist immer wieder schön, Berichte oder Bilder von einer Tracht in der Zeitung zu sehen. Für viele Menschen ist «Tracht» ein sehr emotionales Thema. Die Tracht bringt auch viel Geschichte mit, sei es durch Vererbung, Erlebnisse oder schöne Momente. Der Bericht las sich für mich eher sehr pessimistisch, daher einige zusätzliche Infos zum Thema.
Im Moment haben wir so viele Trachtenschneiderinnen im Gebiet wie noch nie zuvor. So können Barbara Moor-Allenbach und Agnes Rieben eine Familienzeit machen, um später wieder ihre Arbeit aufzunehmen.
Was mir aber eher Sorgen macht, ist die Unwissenheit. Trachtenschneiderinnen werden/wurden in Lehrateliers in einem anderen Gebiet ausgebildet, kehren an ihre Wohnorte zurück und nähen die regionalen Trachten. Sie nähen die Regionaltrachten, die sie leider selten bis nie in ihrer Lehrzeit gesehen haben, und so entstehen Fehler, wie z.B. die abgebildete Arbeitstracht im Bericht, die leider nicht korrekt ist. Die Differenz: Die Tracht ist länger, hat eine anliegende Bluse und als Abschluss ein kleines weisses Spitzchen.
2011 habe ich meine Lehre als Trachtenschneiderin bei Margrit Marti abgeschlossen und von ihr die ganzen originalen Beschreibungen, Stoffe und Schnittmuster erhalten, danach ging sie in ihren wohlverdienten Ruhestand. Zudem noch ein wichtiges Detail: Im Bericht wurde von 24 Trachtenschneiderinnen auf der Liste berichtet. Das sind nur jene, die im Verein dabei sind, es gibt aber noch weit mehr Schneiderinnen mit einem Abschluss. Bis nach Thun sind es noch zusätzliche fünf Trachtenschneiderinnen.
Nur weil es im Saanenland kein Atelier mehr gibt und das Heimatwerk keinen Stoff mehr webt, stirbt ein so altes Handwerk nicht aus. Die Saaner Trachtenstoffe wie Paisley-, Blätter-, Festtags-, Predigt-, Werk- und Arbeitstrachtenstoffe habe ich bereits vor einigen Jahren aufgekauft und lagere sie bei mir – genug für die nächsten Jahre. Damit ein altes, für mich sehr geliebtes Handwerk in den nächsten Jahren sicher nicht aussterben kann und weiterhin viele Menschen gerne ihre Tracht anziehen können. AGNES RIEBEN, BLANKENBURG