In dem Stück «Hinter den sieben Gleisen», dessen Premiere am letzten Samstag im Schulhaus Turbach stattfand, geht es um weit mehr als ein Neugeborenes und exotische Früchte. Es ist ein Schauspiel, bei dem die Darstellungskraft und der Gesang die Bühne vereinnahmen – und das ...
In dem Stück «Hinter den sieben Gleisen», dessen Premiere am letzten Samstag im Schulhaus Turbach stattfand, geht es um weit mehr als ein Neugeborenes und exotische Früchte. Es ist ein Schauspiel, bei dem die Darstellungskraft und der Gesang die Bühne vereinnahmen – und das Publikum gleich mit.
JENNY STERCHI
Ein wenig exotisch erschienen die drei Charaktere, die das Publikum durchs Stück geleiteten, schon.
Sympathische Vagabunden
Ein Ex-Clown, gespielt von Stefan von Siebenthal, dem trotz schwerer Zeiten der Spass am Leben nicht abhanden gekommen ist. Mani Raaflaub als ehemaliger Städter namens Dürst, der sich als Lebenskünstler und mit herrlicher Schlitzohrigkeit durchs Leben auf dem Land manövriert. Und ein rotbärtiger Griesgram mit dem passenden Namen Barbarossa, verkörpert von Alexander Raaflaub, der zunächst verbittert und bockig daherkommt. Zunächst? Ja, denn im Theater entwickeln sich Figuren ja bekanntermassen.
Komik und Tragik vermochten die drei Herren ganz wunderbar zu verbinden, ohne zu übertreiben. Leise Töne hatten ebenso Raum auf der Bühne wie laute Zusammenstösse zwischen den drei Figuren. Und ihre musikalischen Darbietungen haben total überzeugt.
Sprachtalent
Die 90 Minuten, die das Ensemble ohne Pause durchzog, waren ein absolutes Erlebnis. Denn während die drei Herren mehr oder weniger erfolgreich versuchen, ihr Dasein als Vagabunden zu bewahren, stellt das Leben ihnen massive Aufgaben in den Weg. Wichtigster Auftrag ist plötzlich, die junge Mutter Inge, dargestellt von Steffi Perreten, und ihr Neugeborenes zu versorgen und zu betreuen.
Steffi Perreten überzeugte nicht nur mit akzentfreiem Hochdeutsch – schliesslich mimt sie eine junge Deutsche. Sie vermochte es, Schauspiel und Gesang ineinander fliessen zu lassen.
Dass die Wöchnerin Betreuung nötig hat, macht Debora Perreten als Frau Herzog mit warmherziger, mütterlicher und mitunter strenger Art klar. Hier spuren sogar die drei Landstreicher.
Und dann die Bananen
Daneben müssen die drei Herren auch noch den Polizisten Meier in seiner Einsamkeit auffangen, den Lokführer in seinem Kummer begleiten und dem Obsthändler Colona Bananenkisten schleppen. Und da sind sie, die Bananen! Die gelbe Frucht der Südhalbkugel erhält eine zentrale Rolle in dieser turbulenten und zugleich liebevollen Inszenierung. Das gesamte Ensemble treibt sich gegenseitig dorthin, wo die Handlung hingehen soll. Ohne dabei gestresst oder plastisch zu wirken. Egal wie gross oder klein die Rolle ist, es fehlte jede einzelne, wenn sie nicht so geschickt besetzt wäre.
Ohne sie geht nichts
«Und was wären wir ohne unseren Techniker Eljakim Perreten, unsere Bühnenbauenden Susanna, Orlando und Danilo Hählen und all die anderen im Hintergrund, die fürs Gelingen jeder einzelnen Vorstellung sorgen», gab Regisseur Mani Raaflaub im Anschluss an die Premiere zu bedenken.
Aber mehr soll nun wirklich nicht verraten werden. Denn es wäre schade, diese Spiellust und Hingabe der Darstellenden zu ihren Rollen nicht selbst zu entdecken. Alles ist ein bisschen anders, als der eine oder die andere vielleicht erwartet. Und genau das macht es aus.
Die Theatergruppe Turbach spielt das Stück «Hinter den sieben Gleisen» noch bis am 21. November in sechs Vorstellungen, jeweils am Wochenende.