So war Olympia 2026!
24.02.2026 SportSo war Olympia 2026!
Volle Tribünen, bewegende Momente und wertvolle Erfahrungen: Mit Sue Piller, Sandro Hauswirth und Joscha Burkhalter waren neben Franjo von Allmen drei weitere Athlet:innen aus der Region an den Olympischen Winterspielen im Einsatz. Sie erzählen, wie ...
So war Olympia 2026!
Volle Tribünen, bewegende Momente und wertvolle Erfahrungen: Mit Sue Piller, Sandro Hauswirth und Joscha Burkhalter waren neben Franjo von Allmen drei weitere Athlet:innen aus der Region an den Olympischen Winterspielen im Einsatz. Sie erzählen, wie sie die grösste Bühne ihres Sports erlebt haben – und was sie daraus mitnehmen.
SONJA WOLF
Olympia besteht nicht nur aus Medaillen und Hymnen. Es sind die Sekunden im Zielraum, das Warten im Auslauf, Gespräche im Athletendorf oder der Blick auf 20’000 Zuschauer, die ein solches Ereignis prägen. Für Sue Piller, Sandro Hauswirth und Joscha Burkhalter waren die Spiele in Italien intensive Tage zwischen Wettkampf, Teamgeist und Weitblick – Erfahrungen, die bleiben und bereits in Richtung Zukunft weisen. Wir haben «unsere» drei Athleten aus dem Saanenland und dem Obersimmental nach ihrer Rückkehr aus Italien zu ihren Eindrücken befragt.
Joscha Burkhalter: Olympia mit Weitblick
Im Massenstart – der Königsdisziplin im Biathlon – zeigte Joscha Burkhalter einen seiner stärksten Wettkämpfe der Saison. Er landete auf Platz elf und wurde bester Schweizer – ebenso wie in zwei weiteren Rennen. «Ich kann mit meinen Olympischen Spielen zufrieden sein», sagt er. Besonders stolz machte ihn, «dass ich beim Saisonhöhepunkt fehlerfrei geschossen habe». Aber auch die Staffelrennen seien emotional immer etwas Besonderes, «weil wir als Team die Schweizer Flagge vertreten dürfen. Dass es für ein Diplom gereicht hat, ist sehr schön.»
Die Atmosphäre beschreibt er als beeindruckend: «Die Stimmung mit den fast 20’000 Zuschauern pro Wettkampf war fantastisch. Es hat grossen Spass gemacht, vor solch einer Kulisse laufen zu dürfen.»
Über den Wettkampf hinaus
Gleichzeitig beobachtete er die Organisation genau. «Es war auffällig, dass sich die Organisation aus Milano nicht oder nur ganz wenig auf die Erfahrungswerte des OKs vom Biathlon-Weltcup in Antholz stützen konnte oder wollte.» Seit Jahrzehnten würden dort Weltcups und Weltmeisterschaften durchgeführt, gewisse Abläufe – etwa beim Zuschauer- oder Athletentransport – hätten «besser funktioniert». Für ihn ist das auch ein Gedanke für die Zukunft: «Ich glaube, das ist ein Learning für die Kandidatur Switzerland 2038, dass man sich bei vorhandenen Sportstätten besser auf die erfahrenen OKs stützen sollte.»
Den olympischen Spirit erlebte Burkhalter bei einem Ausflug ins olympische Dorf in Cortina. «Beim Pin-Tauschen ergeben sich immer schöne Möglichkeiten, um mit Athleten aus anderen Sportarten ins Gespräch zu kommen.» Er tauschte sich unter anderem mit jamaikanischen Bobfahrern aus oder mit der argentinischen Fahnenträgerin. Besonders spannend fand er ein Gespräch mit der Schweizerin Salomé Kora, die sowohl an Sommer- als auch an Winterspielen teilgenommen hat.
Die Unterstützung aus der Heimat spürte er ebenfalls. «Es hat mich riesig gefreut, dass verschiedene Leute aus meinem Umfeld mich vor Ort unterstützt haben.» Nach den Rennen nahm er sich bewusst Zeit für sie.
Nun gönnt er sich eine Woche zu Hause, um «körperlich und mental neue Energie zu tanken». Danach geht es weiter nach Finnland, im März stehen nochmals drei Weltcup-Wochenenden mit neun Rennen auf dem Programm.
Sue Piller: «In vier Jahren weiss ich, wie es läuft»
Als Sue Piller im Zielraum ankam, suchte sie nicht nur die Rangliste. Sie suchte ihre Familie. «Sie waren alle da – es war nicht nur für sie ein spezieller Moment, sondern auch für mich», sagt sie. «Sie haben mich immer unterstützt und waren immer für mich da. Das war ein megaschöner Moment, den wir alle genossen haben.»
Sportlich hatte sie sich mehr erhofft. Zehn Tage vor dem Rennen machten ihr Rückenprobleme zu schaffen, am Tag vor dem Rennen kam das Knie dazu. «Ich habe leider nicht mein bestes Skifahren abrufen können.» Olympia habe ihr aber etwas anderes gezeigt: «Ja, es ist ein Riesenevent. Ja, es sind die Olympischen Spiele. Aber schlussendlich bleibt es das gleiche Skifahren.» Man dürfe es nicht komplizierter machen, als es sei. «Man soll bei den Sachen bleiben, die funktionieren.»
Olympia lernen
Beeindruckt war sie von der Atmosphäre – «mega cool, man hat schon gemerkt, dass es Olympia ist» –, auch wenn die Organisation mit zahlreichen Kontrollen «sehr kompliziert» gewesen sei. Vieles sei anders gewesen als im Weltcup. Doch sie nimmt es gelassen: «Jetzt kenne ich das alles», sagt sie. «In vier Jahren weiss ich dann schon, wie es abläuft.»
Die Unterstützung aus der Heimat trug sie durch die Tage: Nachrichten aus Gsteig, Glückwünsche von Freunden – und selbstgemalte Zeichnungen der Gsteiger Erst- und Zweitklässler. «Das war mega herzig», sagt sie und lächelt. «Es ist schön zu sehen, wie es die Leute mitreisst und wie sie mitfiebern.»
Nun steht zuerst Erholung an, dann Training in der Region. Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt jedoch nicht: Anfang März geht der Skizirkus bereits weiter – mit der Junioren-WM in Norwegen und dem Weltcup in Schweden. Die erste Olympia-Erfahrung nimmt sie mit – und das Wissen, dass auch auf der grössten Bühne gilt: «Es bleibt einfach Skifahren.»
Sandro Hauswirth: Teamgeist und Olympialuft
Ein Bild ist Sandro Hauswirth besonders geblieben: Er steht nach seinem eigenen Sprung noch im Auslauf der kleinen Schanze und wartet auf Gregor Deschwanden. Unten fiebert er mit, Sekunden später fällt die Entscheidung: die Bronzemedaille. «Das hat im ganzen Team riesige Emotionen ausgelöst», erzählt er. «Dem Gregor mag ich das gönnen. Er hat so lange gekämpft.» Später wurde im kleinen Kreis gefeiert. «Nur wir Schweizer Springer und unser Team – das war sehr cool.»
Sportlich qualifizierte sich Hauswirth in beiden Einzelwettkämpfen für den Finaldurchgang der besten 30. «Ich wollte mehr», sagt er offen. Kleine Fehler hätten verhindert, dass er sein volles Potenzial ausschöpfen konnte. Emotional anspruchsvoll war für ihn das Ende der Spiele: Für den Teamevent wurden zwei Springer nominiert – er gehörte nicht dazu. «Ich brauchte Zeit, um zu verdauen, dass ich nicht gewählt wurde. Trotzdem nehme ich viel Positives von den Olympischen Spielen mit und habe noch weitere Ziele, die ich in dieser Saison verfolge.»
Mehr als nur die eigene Schanze
Olympia bedeutete für ihn aber mehr als die eigenen Wettkämpfe. Die Eröffnungsfeier etwa: «Mit den Langläufern einzulaufen, das war schön.» Im olympischen Dorf wohnten nur die Skispringer, die Schweizer Langläufer waren extern untergebracht. Umso spezieller seien die gemeinsamen Momente gewesen. An einem freien Tag schauten die Springer beim Langlauf-Sprint vorbei. «Auch mal bei einer anderen Sportart live dabei zu sein und die Schweizer anzufeuern – das war toll.»
Nicht optimal fand er, dass die offiziellen Trainings ein bis zwei Tage vor dem Wettkampf ohne Zuschauer stattfanden. «Alles war leer – schade für die Leute, die den weiten Weg auf sich genommen hatten, um uns zu sehen und zu unterstützen.» Familie und Freunde waren dennoch vor Ort. Nach seinem Sprung auf der Grossschanze standen sie an der Absperrung auf dem Weg zur Garderobe und gratulierten ihm. «Das war ein schönes Gefühl.»
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt auch ihm nicht. Nach einem einzigen ruhigen Wochenende ist er bereits wieder am Trainieren in Oberstdorf, bevor Ende Februar der Skiflug-Weltcup am Kulm in Bad Mitterndorf ansteht. Olympia nimmt er mit als grosse Erfahrung – sportlich und als Teil einer Schweizer Mannschaft, die auch disziplinübergreifend zusammenstand.








