Ein Fachmann gibt Ratschläge zur Sicherheit im Alltag
02.06.2026 GesellschaftUeli Müller, Präsident des Seniorenrats Saanenland, hatte Toni Müller, den stellvertretenden Gruppenchef der Prävention Berner Oberland der Kantonspolizei Bern, zu einem Informationsanlass im Kirchgemeindehaus Gstaad eingeladen. Der Anlass stiess auf grosses Interesse, ...
Ueli Müller, Präsident des Seniorenrats Saanenland, hatte Toni Müller, den stellvertretenden Gruppenchef der Prävention Berner Oberland der Kantonspolizei Bern, zu einem Informationsanlass im Kirchgemeindehaus Gstaad eingeladen. Der Anlass stiess auf grosses Interesse, viele ältere Leute (für die der Vortrag organisiert worden war) fanden den Weg ins Kirchgemeindehaus und bereicherten den Anlass mit zahlreichen Fragen.
HANSUELI GAMMETER
Toni Müller ist in jeder Beziehung ein Profi. Er hat Erfahrung als stationierter Kantonspolizist in Frutigen, arbeitet heute in der Prävention, kennt immer die neuesten Maschen der Betrüger und verfügt über die passenden Filmausschnitte.
Man liest in der Presse immer wieder von Opfern, die auf einen Betrüger hereingefallen sind und nicht selten grossen Schaden erlitten haben. Wenn es eine halbwegs beruhigende Feststellung gibt, ist es die: Die Zahl der strafbaren Handlungen, insbesondere auch der Vermögensdelikte, ist innerhalb der letzten zehn Jahre nur leicht angestiegen. Gleichzeitig hat die Bevölkerung zugenommen. Das bedeutet, dass die Delinquenz stabil geblieben ist.
Taschendiebstahl, Trickdiebstahl
Ein grosser Teil dieser Diebstähle lässt sich verhindern, wenn gewisse Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden.
In den entsprechenden Filmausschnitten waren folgende Szenen zu sehen:
– Eine Frau nimmt im Kleidergeschäft ein Kleid aus dem Regal, begibt sich in unmittelbare Nähe einer anderen Kundin, lässt das Kleid über deren Tasche gleiten und stiehlt im Schutz des Stoffes deren Portemonnaie.
– Eine Kundin lässt im Schuhgeschäft ihre Handtasche unbeaufsichtigt liegen, zwei Täter nehmen die Tasche und verschwinden.
– Ein Kunde bezahlt an einem Stand für Lebensmittel. Er steckt sein Portemonnaie in die Jackentasche. Während er seinen Einkauf entgegennimmt und verpackt, wird das Portemonnaie aus der Jackentasche gestohlen.
Was lernen wir aus diesen Szenen? Werde misstrauisch, sobald sich jemand in deinen «Intimbereich» hereindrängt (damit meint der Polizist, wenn sich jemand näher als eine Armlänge an dich heranmacht). Taschen mit Reissverschluss sind in geschlossenem Zustand zu tragen. Bei Taschen mit einer Lasche ist die Lasche nach innen zu tragen. Handgepäck soll nie unbeaufsichtigt liegen bleiben. Nach dem Bezahlen sollte das Portemonnaie nie in eine Aussentasche gesteckt werden, sondern in eine Innentasche oder in eine der vorderen Hosentaschen. Generell lässt sich sagen: Wertgegenstände sind immer so nahe wie möglich am Körper zu tragen.
Bei den Taschendieben gibt es weitere Varianten: Jemand möchte Geld wechseln. Während man nach dem Kleingeld sucht, wird das Notengeld gestohlen. Oder jemand verursacht einen künstlichen Stau. Während man zum Anhalten gezwungen wird, durchsucht eine andere Person den Rucksack. Deshalb empfiehlt es sich, bei Personenansammlungen den Rucksack vorne zu tragen oder mit dem Rücken an die Wand zu stehen. Auch sollte man im Restaurant die Wertgegenstände aus der Jacke nehmen, bevor man sie über den Stuhl hängt. Personen am Nebentisch könnten die Jackentaschen unauffällig durchsuchen.
Einbruchdiebstahl
Diebe scheuen das Licht und den Lärm. Sie ziehen es deshalb vor, durch eine nicht abgeschlossene Tür oder durch ein offenes Fenster in eine Wohnung zu gelangen. Deshalb der dringliche Rat des Polizisten: Schliessen Sie die Wohnung ab, bevor sie das Haus verlassen. Schliessen Sie auch die Fenster, wenn sie im Parterre oder im ersten Stock wohnen. Auch gekippte Fenster sind offene Fenster. Selbst wenn in der Wohnung nichts gestohlen wird, bleibt ein Gefühl der Unsicherheit zurück. Wenn man in die Ferien verreist, benachrichtigt man am besten Nachbarinnen und Nachbarn. Diese sind dann etwas sensibler, wenn sie verdächtige Vorgänge feststellen. Beobachtet man in der Nacht etwas Verdächtiges, z.B. fremde Personen im Garten oder fremde Personen beladen ein Auto mit abgedeckten Gegenständen, ist die Polizei sofort unter der Nummer 112 oder 117 zu benachrichtigen. Wartet man damit bis zum Morgen, sind allfällige Straftäter längst über alle Berge. Am häufigsten wird übrigens dann eingebrochen, wenn die Chance am grössten ist, dass niemand zu Hause ist. Dies ist tagsüber oder während der Dämmerungszeit.
Telefonbetrug, falscher Polizist, Internetbetrug
Die Täter rufen an und sagen: In Gstaad sei dreimal eingebrochen worden, bald würden zwei Polizisten vorbeikommen, um die Wertgegenstände der angerufenen Person in Sicherheit zu bringen. Oder sie sagen: Die Tochter der angerufenen Person sei schwer verunfallt, damit die nötige Notoperation vorgenommen werden könne, sei ein Vorschuss von 40’000 Franken zu leisten, das Geld werde bald abgeholt. Oder: Der Sohn habe einen Unfall verursacht und eine Person schwer verletzt. Man müsse eine Kaution bezahlen, damit der Sohn nicht ins Gefängnis gesteckt werde. Die anrufenden Personen bleiben am Apparat und üben massiven Druck aus, damit die Leute nicht zur Ruhe kommen. In allen diesen Fällen gibt eine einzig richtige Reaktion: Telefongespräch sofort beenden und bei der Tochter bzw. dem Sohn nachfragen, ob alles in Ordnung sei.
Man sollte sich auch nicht aus dem Konzept bringen lassen, wenn die anrufende Stimme die Stimme der eigenen Tochter ist. Jugendliche sind heute auf verschiedenen Plattformen präsent. Mit KI lässt sich eine jede Stimme kopieren und missbrauchen.
Zum Schluss noch ein Wort zum Internetbetrug: Jede, jeder von uns kennt sie, die vermeintlichen E-Mails der Swisscom oder der SBB, in denen wir aufgefordert werden, die Kontonummer bekannt zu geben, damit zu viel bezahlte Beträge zurückerstattet werden könnten. Reagiert man auf solche Mails, geben wir den Tätern Zugriff auf unseren PC. Dort verbreiten sie schädliche Programme und stehlen Passwörter und Kontonummern.
Zu den aktuellsten Fällen gehören jene des Anlagebetrugs: Man wird eingeladen, sein Vermögen anzulegen. Zuerst versuchsweise mit einem kleineren Betrag. Man überweist 1000 Franken und erhält schon bald einen Ertrag von 300 Franken. Die Versuchung ist gross, dem betreffenden Vermögensverwalter bei so traumhafter Rendite das ganze Vermögen anzuvertrauen. Bald folgt die Ernüchterung: Alles ist verloren. Ein weiteres trauriges Kapitel ist der Liebesbetrug. Hier wird der Wunsch eines einsamen Menschen nach Zweisamkeit missbraucht, um an sein Geld heranzukommen. Männer (oder Frauen), meist in weiter Ferne, bauen über eine Internet-Partnerschaftsbörse ein Vertrauensverhältnis zur betreffenden Person auf. Besitzen sie dieses Vertrauen, fordern sie Geldbeträge, sei es für die Operation eines nahen Angehörigen oder für die teure Reise in die Schweiz. Bleiben Sie skeptisch gegenüber solchen Liebesbezeugungen und beenden Sie den «Traum», sobald Geld gefordert wird.
Man merkt: Betrügerinnen und Betrüger sind kreativ und denken sich immer wieder neue Methoden aus, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen. In der Presse wird immer wieder auf die neuesten Methoden hingewiesen. Es lohnt sich, diese Berichte zu lesen, damit man im Ernstfall gewappnet ist.

