Ein Fest für den Polosport
25.08.2026 SportPrachtswetter, volle Ränge und spannende Duelle gab es am Hublot Polo Gold Cup Gstaad zu sehen, der vom 20. bis 23. August stattfand. Am Ende setzte sich das Team Albinati Aeronautics durch. Noch vor den Polospielern kam der Einheimische Flavio Schopfer ins Schwitzen. Er hegt und pflegt den ...
Prachtswetter, volle Ränge und spannende Duelle gab es am Hublot Polo Gold Cup Gstaad zu sehen, der vom 20. bis 23. August stattfand. Am Ende setzte sich das Team Albinati Aeronautics durch. Noch vor den Polospielern kam der Einheimische Flavio Schopfer ins Schwitzen. Er hegt und pflegt den Rasen das Jahr über und sorgt für sicheren Halt bei den galoppierenden Poloponys.
Schnelle Hufe, knappe Spiele – die Polo-Tage in Bildern
ALBINATI AERONAUTICS TRIUMPHIERT
Albinati Aeronautics hat den Hublot Polo Gold Cup Gstaad 2026, der vom 20. bis 23. August stattfand, in einem knappen Finale mit 8:7 gegen die Kielder Agro Group gewonnen. Nach einem lange ausgeglichenen Spiel setzte sich das Team um die Schweizer Brüder Fabio und Luca Meier, Adrian Laplacette und Facundo Retamar im dritten Chukker erstmals etwas ab und rettete den Ein-Tor-Vorsprung bis zum Schluss. Für die Meier-Brüder war es nach mehreren Finalteilnahmen endlich der ersehnte erste Sieg in Gstaad. Der Argentinier Adrian Laplacette wurde als bester Profispieler ausgezeichnet, war mit 17 Toren Topscorer und ritt mit Ombucito El Padrino zudem das Best Playing Pony des Finals. Juan Pepa von der Kielder Agro Group erhielt die Auszeichnung als bester Amateurspieler. Im Spiel um Platz drei gewann Team Hublot mit 7:5 gegen Gstaad Palace.
PD/JSC
Grün, grüner, Polorasen
Flavio Schopfer sorgt beim Hublot Polo Gold Cup Gstaad dafür, dass der Poloball auf dem Spielfeld möglichst gleichmässig rollt. Dafür mäht er den Rasen auf 1,8 Zentimeter. Was den Einheimischen nervös macht oder zum Staunen bringt, verrät er im Gespräch.
JONATHAN SCHOPFER
Am 17. August sitzt Flavio Schopfer auf seinem kleinen Traktor, an den ein Sichelmäher angehängt ist. Von der einen Seite zur anderen, Linie für Linie, den Blick oftmals in den Rückspiegel richtend, mäht er jeweils rund zweieinhalb Stunden lang das Polofeld. Das befindet sich direkt neben dem Flugplatz in Saanen und ist rund 85 Meter breit und 290 Meter lang. Hier treten vier internationale Teams mit ihren Ponys beim Hublot Polo Gold Cup Gstaad gegeneinander an. Dass der Poloball möglichst gleichmässig über den Rasen rollt, dafür sorgt Flavio Schopfer.
Die Trockenheit beeinflusst die Rasenpflege
Wie intensiv das Spielfeld gehegt und gepflegt werden muss, hängt vom Wetter ab. «Ich habe den diesjährigen Rasen wegen der Trockenheit fast drei Wochen nicht mehr gemäht. Und er ist schön grün geblieben. Als ich aber wieder mit dem Mähen angefangen habe, hat der Rasen gelitten.»
Mit einer alten Feuerwehrpumpe bewässerte er ausserdem das Spielfeld. «Letztes Jahr haben wir nur einmal gewässert, dieses Jahr mehrmals. Wir nehmen dabei kein Trinkwasser, sondern Wasser aus einem Entwässerungsschacht», betont Schopfer. Dass es in den letzten Tagen geregnet hat, habe ihn dennoch gefreut. «Gott sei Dank, das hat uns viel geholfen.»
Viel Aufwand für 1,8 Zentimeter hohes Gras
Die Arbeit auf dem Polofeld beginnt für Flavio Schopfer bereits Anfang Mai. Zuerst beurteilt er den Zustand des Rasens: Wie hat das Feld den Winter überstanden? Gibt es Schneeschimmel? Danach wird zum ersten Mal gemäht. Jedes Jahr wird das Feld zweimal gedüngt. Zusätzlich wird der Boden mit einer Aerifiziermaschine belüftet. Dafür werden Löcher in den Rasen gemacht und Sand eingebracht. Bei dieser körperlich anstrengenden Arbeit erhält Schopfer Unterstützung vom Skiclub Saanen. «Mit dem Sand wird der Boden etwas aufgelockert, aber die Hufe der Ponys finden trotzdem Halt.» Für das Turnier wird der Rasen auf 1,8 Zentimeter geschnitten. Seit drei Jahren nun bearbeitet er schon die Rasen. «Alles kommt mit Erfahrung.»
Der kritische Blick vor dem ersten Spiel
Während der Turniertage ist der Saanenmösner nicht besonders nervös. Etwas Anspannung gebe es vorher, wenn das Spielkomitee und die Schiedsrichter den Platz begutachten. Dann zeigt sich, ob sich die Arbeit der vergangenen Monate gelohnt hat und der Rasen den Anforderungen entspricht.
Als wir Flavio Schopfer am 17. August treffen, steht diese Kontrolle am nächsten Tag bevor.
Stöckelschuhe auf dem Polofeld
Während der Spiele wird der Rasen beansprucht. Die Hufe der Poloponys schlagen Grasstücke heraus. Schopfer findet es immer wieder eine schöne Geste, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer während der Spielpausen selbst aufs Feld gehen und die sogenannten Divots – herausgeschlagene Rasenstücke – wieder festtreten.
Dabei trifft man am Poloturnier auf internationale Gäste, aber auch auf Einheimische. Auch das Schuhwerk kann unterschiedlich sein. «Die einen kommen mit Stöckelschuhen, die anderen mit Turnschuhen», erzählt Schopfer lächelnd.
Dass der Polosport eine andere Welt ist, ist ihm bewusst. Manchmal könne er nur staunen. Er erinnert sich an eine Werbeaktion einer Flugzeugmarke. Dafür wurde neben der Tribüne ein Privatflugzeug ausgestellt. «Ein Zuschauer kam, um es zu besichtigen. Als er aus dem Privatflugzeug ausgestiegen war, erfuhr ich, dass er es gerade gekauft hatte.»
Schopfer ist sich bewusst, dass ihm diese Welt auch einen Teil seines Lebensunterhalts bringt und ist dankbar über die Chance, die ihm das Poloteam gibt. Schopfer arbeitet pro Jahr etwa 150 Stunden auf dem Platz.
Wichtig sei auch die Unterstützung seiner Familie, die ihm immer wieder unter die Arme greife. «Natürlich auch die meiner Frau, die mich am Wochenende ab und zu mähen lässt», sagt er mit einem Schmunzeln.
ZUR PERSON
Flavio Schopfer, Jahrgang 1995, wuchs in Saanenmöser auf und ist gelernter Seilbahnfachmann. Heute arbeitet er im Familienbetrieb F. Schopfer AG, der unter anderem Gartenarbeiten und Konstruktionen aller Art ausführt. Er ist mit Esther verheiratet und Vater eines Sohnes.
JSC












