Gstaad feiert Stan Wawrinka
14.07.2026 SportMit einer eigenen «Farewell Party» würdigt das EFG Swiss Open Gstaad Stan Wawrinka. Zwischen Rückblicken auf seine eindrückliche Karriere, einer Autogrammstunde und einem Konzert von Bastian Baker wird aber auch sichtbar, dass im Schweizer Tennis bereits die nächste Generation ...
Mit einer eigenen «Farewell Party» würdigt das EFG Swiss Open Gstaad Stan Wawrinka. Zwischen Rückblicken auf seine eindrückliche Karriere, einer Autogrammstunde und einem Konzert von Bastian Baker wird aber auch sichtbar, dass im Schweizer Tennis bereits die nächste Generation bereitsteht.
MAXIME VÖGELE
Am ersten Sonntagnachmittag des diesjährigen EFG Swiss Open Gstaad schlängelt sich eine aussergewöhnlich lange Warteschlange durch das Turnierdorf. Wer sich nicht anstellt, sucht sich einen Platz im Schatten mit Blick auf die Bühne. Minuten bevor es losgeht, sind alle Augen nach vorne gerichtet. «Er wird in wenigen Minuten kommen», kündigt der Moderator an. Währenddessen läuft Bastian Baker mit seinem Gitarrenkoffer über den Platz. Kurz darauf betritt die Person, auf die alle gewartet haben, die Bühne: Stan Wawrinka.
Im Rahmen seiner Abschiedstour vom Tennissport veranstaltet das Turnier die «Stan’s Farewell Party». Mit einem Interview, einer Autogrammstunde und einem Konzert von Bastian Baker wird die Schweizer Tennislegende in Gstaad geehrt. Für Wawrinka ist Gstaad weit mehr als nur ein weiteres ATP-Turnier.
Kindheitstraum Gstaad
Aufgewachsen in Lausanne, war es für Stan Wawrinka schon als Kind ein Traum, einmal in Gstaad Tennis zu spielen: «Es war das Turnier, das ich als Kind verfolgt habe.
Ich hatte das Glück, hier so oft spielen zu dürfen.»
2003 debütierte er im Saanenland. Zwei Jahre später erreichte er den Final. 2023 gewann er gemeinsam mit Dominic Stricker den Doppeltitel. Dass Stricker an diesem Sonntagnachmittag als «Special Guest» auf der Bühne sitzt, passt deshalb gut. Die gemeinsame Turnierwoche ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben: «Für mich war es sehr wertvoll zu sehen, wie er arbeitet – und auch hier mit ihm Doppel zu spielen.»
Noch nicht fertig
Obwohl Stan Wawrinka seine letzte Saison auf der ATP-Tour bestreitet, werden die Beine noch nicht hochgelagert. «Für mich ist es das Wichtigste, zu spüren, dass ich noch konkurrenzfähig bin.» Dafür trainiere er weiterhin hart.
Vor seinem ersten Spiel gegen den 22-jährigen Portugiesen Jaime Faria zeigt sich der Routinier mit Respekt. Bei schönem Wetter werde es ein schnelles Spiel: «Deshalb gibt es wirklich für beide Chancen. Ich hoffe, dass sie diesmal auf meiner Seite liegen.»
Währenddessen im Stadion
Während Stan Wawrinka auf der Bühne auf seine lange Karriere zurückblickt, kämpft wenige Meter weiter in der Roy Emerson Arena der 21-jährige Zürcher Dylan Dietrich um den grössten Erfolg seiner noch jungen Laufbahn. Plötzlich kommt Applaus auf. Diesmal gilt er nicht Wawrinka. «Hat er gewonnen?», fragt der Moderator in die Runde und unterbricht das Interview. Tatsächlich: Dylan Dietrich bezwingt in der zweiten Qualifikationsrunde den Brasilianer Thiago Monteiro und zieht erstmals ins Hauptfeld des Swiss Open Gstaad ein.
Im Doppel wird Dietrich an der Seite von Dominic Stricker antreten. «Ich hatte vor zwei Jahren die Chance, mit Stan zu spielen. Jetzt bin ich derjenige, der seine Erfahrung weitergeben kann», meint Stricker im Interview.
Blick nach vorne
Nach dem Blick zurück richtet sich das Gespräch auf die Zeit nach dem Tennis. Wie es nach seiner Karriere weitergeht, lässt Wawrinka bewusst offen: «Ich möchte dieses Kapitel zuerst abschliessen.»
Noch ist der Rücktritt nicht vollzogen. Trotzdem gibt es bereits Dinge, auf die sich der 41-Jährige freut. Eines davon ist Skifahren: «Skifahren gehört zu den Dingen, auf die man als Tennisspieler verzichten muss.»
Passend dazu schaut am Wochenende auch Skistar Marco Odermatt in Gstaad vorbei. Er verfolgt die Qualifikationsspiele und trifft anschliessend Stan Wawrinka.
Geduld zahlt sich aus
Nach dem Interview beginnt die Autogrammstunde. Fans halten Shirts, Caps und Tennisbälle für eine Unterschrift hin, machen Erinnerungsfotos und wechseln ein paar persönliche Worte mit Stan Wawrinka. Der Andrang ist so gross, dass längst nicht alle Fans an die Reihe kommen. Wer sich früh in der Warteschlange angestellt hat, wird belohnt.
Ein Freund auf der Bühne
Kaum endet die Autogrammstunde, richtet sich der Blick erneut auf die Bühne. Jetzt gehört sie Bastian Baker. Dass ausgerechnet er den musikalischen Teil der Farewell-Party übernimmt, ist kein Zufall: «Ich habe Stan vor etwa 15 oder 16 Jahren kennengelernt. Damals hat er mir über Facebook geschrieben, dass ihm meine Musik gefällt.» Daraus entstand eine Freundschaft, die Baker während Wawrinkas Karriere an Tennisplätze auf der ganzen Welt führte.
Eine Erinnerung ist ihm besonders geblieben. Bei einem Spiel am French Open lag Wawrinka bereits mit zwei Sätzen zurück. Eigentlich hätte Baker zum Flughafen aufbrechen müssen. Doch er blieb. Wawrinka kämpfte sich eindrücklich zurück und gewann die Partie noch. «Ich habe meinen Flug verpasst – aber es war jede Minute wert.»
Ein Traumleben
Auch wenn Stan Wawrinkas Rücktritt näher rückt, ist seine Begeisterung für den Tennissport ungebrochen: «Als ich jung war, war ich von diesem Sport begeistert. Heute bin ich 41 Jahre alt und bin es noch immer.»
Für Wawrinka ist das Leben als Tennisspieler ein Traumleben. Trotz aller Reisen, Entbehrungen und der nötigen Disziplin würde er denselben Weg jederzeit wieder einschlagen. Diese Begeisterung möchte er auch der nächsten Generation mitgeben: «Man muss träumen, man muss lieben, man muss weitermachen und darf nie vergessen, dass Tennis ein Spiel ist. Vielleicht steht eines Tages eines dieser Kinder hier auf dem Platz. Denn am Ende ist das Leben als Tennisspieler ein Traumleben. Danke für all die Jahre eurer Unterstützung.»






