Ein Festival im Zeichen des Genusses
31.07.2026 Hotellerie / GastronomieMit dem Gstaad Wine & Food Festival soll im Juni 2027 ein neuer Anlass im Saanenland entstehen. Initiator Sacha Lichine möchte internationale Spitzenköche, renommierte Winzer und die regionale Gastronomie zusammenbringen.
MAXIME VÖGELE
Ein neues ...
Mit dem Gstaad Wine & Food Festival soll im Juni 2027 ein neuer Anlass im Saanenland entstehen. Initiator Sacha Lichine möchte internationale Spitzenköche, renommierte Winzer und die regionale Gastronomie zusammenbringen.
MAXIME VÖGELE
Ein neues Festival soll Ende Juni nächsten Jahres den Veranstaltungskalender Gstaads ergänzen: das «Gstaad Wine & Food Festival». Initiator ist der französische Winzer Sacha Lichine, der mit seinem Rosé «Whispering Angel» international bekannt wurde. Während vier Tagen sollen Wein, Gastronomie, Musik und Begegnungen im Mittelpunkt stehen.
Im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen» erzählt Lichine, wie die Idee zum Festival entstand, welche Ziele er damit verfolgt und wie es ihm gelang, unterschiedlichste Partner für das Projekt zu gewinnen. «Wir mussten einfach eine Menge Wein öffnen – und dann ist es irgendwie von selbst passiert», sagt er mit einem Augenzwinkern.
Breites Programm
Aus der ursprünglichen Idee ist inzwischen ein vielfältiges Programm für vier Festivaltage entstanden. Neben dem frei zugänglichen Rundgang in der Promenade am Sonntag finden über vier Tage verschiedenste Anlässe statt, die man einzeln buchen kann. Von Wein-Masterclasses über Mittag- und Abendessen bis hin zu Degustationen zu zahlreichen Themen in diversen Locations – all das erfordert eine aufwendige Logistik. Lichine zeigt sich jedoch überzeugt, die Organisation in die richtigen Hände gelegt zu haben.
Dass dabei nicht alles einfach ist, verschweigt Lichine nicht: «Letzte Woche habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich angestellt habe, denn die Umsetzung wird ziemlich detailreich sein», meint er, «aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail.»
Gstaad als Austragungsort
Seine langjährige Tätigkeit als Winzer verschaffte ihm über die Jahre ein internationales Netzwerk, auf das er beim Aufbau des Festivals zurückgreifen konnte. Gstaad eigne sich besonders als Austragungsort, meint Lichine: «Gstaad ist ein toller Ort für ein Weinund Gastronomie-Festival.» Er selbst hat seit mehreren Jahren ein Chalet im Saanenland und kennt die namhaften Hoteliers und Köche der Region. Nach Einschätzung Lichines sei Gstaad auch für viele renommierte Weingüter bereits heute ein wichtiger Ort. Viele kämen regelmässig hierher, weil sich ein Teil ihrer Kundschaft im Saanenland aufhalte.
Für die Region
Dass Wein- und Gastronomiefestivals funktionieren können, zeigen zahlreiche Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten. Nach seinen Vorstellungen solle das Festival in Gstaad auch der Region zugutekommen: «Es wird eine Kundschaft anziehen, die gerne gut isst und Wein trinkt.» Er hofft, dass auch neue Leute den Weg ins Saanenland finden und neben dem Besuch am Festival auch ausserhalb die kulinarische Welt der Region entdecken.
Nicht nur die Region soll profitieren: Über die kulinarischen Erlebnisse hinaus verfolgt das Festival auch einen wohltätigen Zweck. Ein Teil des Nettoerlöses fliesst in einen Stipendienfonds der Hotelfachschule EHL in Lausanne. Damit sollen Studierende unterstützt werden, die sich ein Studium sonst nicht leisten könnten. «Auch die Köche finden das gut, denn dort rekrutieren sie später einen Teil ihres Personals», sagt Lichine.
Im kleinen Rahmen
Über die vier Festivaltage verteilt werden insgesamt bis zu 1500 Gäste erwartet. Trotzdem soll der Anlass bewusst überschaubar bleiben. Die meisten Programmpunkte sind auf einige Dutzend bis wenige Hundert Teilnehmende ausgelegt. «Ich glaube nicht, dass daraus jemals ein Festival mit Tausenden von Besuchern wird», sagt Lichine. Die Zahl der verfügbaren Hotelzimmer in der Region setze dem Wachstum ohnehin natürliche Grenzen.
Trotz der exklusiven Veranstaltungen soll das Festival nicht nur Gäste ansprechen. Auch die lokale Bevölkerung soll eingebunden werden: Am Sonntag wird es in der Promenade einen frei zugänglichen Rundgang geben, um lokale Gastronomiebetriebe sowie Schweizer Weine und Produkte kennenzulernen. «Ich denke, es werden ganz unterschiedliche Leute kommen, darunter auch aus der örtlichen Gemeinde, und hoffentlich wird es allen gefallen», sagt Lichine.
Sommersaison stärken
Mit Ende Juni ist der Zeitpunkt des Festivals bewusst gewählt, um die Sommersaison der Region zu stärken. «Der Zeitpunkt wurde gewählt, weil an diesem Wochenende in Gstaad nicht viel los war», meint der Winzer. Ausserdem soll die Veranstaltung auch im Freien stattfinden: «Im Winter wäre es mit Stiefeln, Mänteln, Mützen und Handschuhen wohl schwierig gewesen, Leute zwischen Zelten und Pavillons herumlaufen zu lassen.»
Für Lichine ist der Zeitpunkt deshalb ebenso bewusst gewählt wie der Austragungsort. «Ich sehe das als eine Art, der Region, die mir sehr am Herzen liegt, etwas zurückzugeben.»
Positive Resonanz
Bis zum Festival vergeht zwar noch knapp ein Jahr. Die ersten Reaktionen auf das Vorhaben sind laut Lichine dennoch bereits eingetroffen. «Wenn etwas neu ist, sind die Leute zunächst skeptisch», sagt er. Gleichzeitig habe er von der Tourismusbranche, Hoteliers und auch aus der Bevölkerung viel Zuspruch für die Idee erhalten.
Am Ende gehe es ihm nicht darum, Gstaad neu zu erfinden, sondern bestehende Stärken sichtbar zu machen. «Es geht einfach darum, das, was Gstaad wirklich zu bieten hat, zum Leben zu erwecken.» Ob das Konzept aufgeht, wird sich im kommenden Sommer zeigen. Für Lichine steht jedoch schon heute fest: «Ich glaube nicht, dass ich Gstaad in etwas anderes einbezogen hätte als das, was es am besten kann, nämlich Schweizer Gastfreundschaft vom Feinsten.»

