Ein Gesicht für «ächt – vo hie»
19.06.2026 WirtschaftUrsula Michel betreibt das «Stallbeizli» in Gstaad und gehört zu den Produzentinnen der ersten Stunde bei «Regional ächt – vo hie». Für die neue Kampagne von Gstaad Saanenland Tourismus stand sie sogar als Fotomodell vor der Kamera – ...
Ursula Michel betreibt das «Stallbeizli» in Gstaad und gehört zu den Produzentinnen der ersten Stunde bei «Regional ächt – vo hie». Für die neue Kampagne von Gstaad Saanenland Tourismus stand sie sogar als Fotomodell vor der Kamera – stellvertretend für all die teilnehmenden Produzenten.
SONJA WOLF
Ursula Michel, Sie machen seit Beginn bei «Regional ächt – vo hie» mit (siehe Kasten). Wie kam es dazu?
Katrin Espiasse von Gstaad Saanenland Tourismus ist damals auf uns zugekommen. Im ersten Moment dachte ich schon: «Puh, noch etwas mehr auf der Liste.» Aber sie hat das Projekt persönlich vorgestellt und ich habe schnell gemerkt, dass es uns Produzenten unterstützt. Deshalb habe ich von Anfang an gerne mitgemacht.
Was verkaufen Sie unter dem Label?
Vor allem unser Trockenfleisch und unsere Trockenwürste von den eigenen Kühen sowie Alpkäse und Hobelkäse. Im «Stallbeizli» versuchen wir generell, möglichst viele regionale Produkte einzusetzen.
Zusammen mit Ihnen machen inzwischen bereits 22 Produzenten mit. Was bringt Ihnen die Auszeichnung konkret?
Sie hilft, Aufmerksamkeit für die Produkte aus unserer Region zu schaffen. Viele Gäste wissen zwar, dass wir hier gute Produkte haben. Aber das Label macht auf einen Blick klar: Das kommt wirklich von hier. Wir Produzenten werden unterstützt und gleichzeitig wird sichtbarer, was in unserer Region alles entsteht.
Auf Ihrer Speisekarte sind die entsprechenden Gerichte inzwischen mit dem gelben Symbol gekennzeichnet. Reagieren die Gäste darauf?
Bis jetzt hat mich noch niemand direkt darauf angesprochen. Aber die Kampagne beginnt jetzt erst richtig sichtbar zu werden. Mit den Postkarten und Plakaten, die ab Juli zu sehen sein werden, wird das Label bekannter. Ich glaube, viele Leute werden jetzt allmählich darauf aufmerksam.
Sie erfüllen mit Ihren Produkten alle vier Kriterien des Labels (siehe Kasten). Was bedeutet für Sie «Hie trage wier Sorg»?
Früher dachte ich bei Nachhaltigkeit vor allem an biologischen Landbau – was für unseren Betrieb nicht zutrifft. Aber Nachhaltigkeit hat so viele Seiten. Für uns gehört zum Beispiel dazu, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Das Thema Food Waste ist uns sehr wichtig.
Wie zeigt sich das konkret im Alltag?
Wenn ein Gast zum Beispiel zum ersten Mal Fondue essen möchte, empfehlen wir bewusst zuerst eine kleinere Portion. Wenn es schmeckt, kann man immer noch nachbestellen. Lieber so, als wenn am Ende die Hälfte zurückgeht. Es tut mir im Herzen weh, wenn wertvolle Lebensmittel weggeworfen werden müssen. Wenn man ein Lebensmittel von Grund auf selbst produziert, so wie ich zum Beispiel den Alpkäse oder das eingemachte Gemüse, weiss man, wie viel Arbeit dahinter steckt, und darum tut es einem auch umso mehr weh, wenn man es wegwerfen muss.
Sie standen für die neue Kampagne sogar als Fotomodell vor der Kamera. Musste man Sie lange überreden?
(Lacht.) Ich sehe mich nicht gerade als Fotomodell! Und auch unser jüngster Sohn lachte, als er hörte, dass ich für das Shooting hinstehen sollte: «Ausgerechnet du?! Du bist ja gar nicht ‹ächt vo hie›!» Aber weil die Kampagne authentisch rüberkommen soll, wurde bewusst von professionellen Models abgesehen. Und da ich von Anfang an dabei war und das Label eine tolle Sache finde, habe ich schliesslich zugesagt. Irgendjemand musste ja den Kopf hinhalten.
Wie war das Fotoshooting?
Eine spannende Erfahrung! So etwas macht man ja nicht jeden Tag. Zwei Stunden lang vor der Kamera zu stehen und immer wieder zu lächeln, das war schon speziell. Die grösste Herausforderung war, die frei laufenden Kühe auf der Weide mit auf dem Bild zu haben. Die haben natürlich nicht genau das gemacht, was sie sollten. Authentisch eben… Aber es hat Spass gemacht und die Bilder sind wirklich schön geworden.
Ausser Ihnen standen auch Geissenhalter Mathias von Siebenthal und Imker Stefan Neuhaus vor der Kamera. Warum braucht die Kampagne Gesichter?
Weil die Menschen sehen sollen, wer hinter den Produkten steht. Unsere Produkte entstehen nicht in einer Fabrik. Dahinter stehen Familienbetriebe, Traditionen und eine enge Verbundenheit mit der Region. Wenn die Leute die Produzenten kennenlernen, entsteht eine andere Verbindung.
Was wünschen Sie sich für «Regional ächt – vo hie»?
Ich hoffe, dass noch mehr Produzenten mitmachen. Und dass die Kampagne uns hilft, unsere Produkte noch bekannter zu machen. Gerade beim Käse ist die Situation derzeit nicht einfach. Weichkäse ist gerade gefragter als Hobel- und Alpkäse. Umso wichtiger ist es, dass wir zeigen können, was hier mit viel Arbeit, Wissen und Herzblut entsteht. Zudem hoffe ich, dass die Gastronomiebetriebe der Region vermehrt auf die einheimischen Produkte setzen, sie in ihre Gerichte einbeziehen und schlussendlich in die Speisekarten aufnehmen.
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WAS IST «REGIONAL ÄCHT – VO HIE»?
«Regional ächt – vo hie» ist eine Initiative von Gstaad Saanenland Tourismus (GST), die regionale Produkte und ihre Produzentinnen und Produzenten sichtbarer machen will. Die Ferienregion Gstaad steht für Werte wie Qualität, Authentizität, Tradition und Nachhaltigkeit – dieselben Werte, die viele lokale Produzenten tagtäglich leben. So entsteht eine Win-win-Situation: Die Produzenten profitieren von der starken Marke Gstaad, während ihre Produkte die Identität und den Charakter der Destination mitprägen. Ariane Ludwig, Leiterin Marketing, Kommunikation & Sales bei Gstaad Saanenland Tourismus, drückt es so aus: «Im Zentrum steht die Frage: Wer steckt dahinter? Denn jedes Produkt trägt nicht nur Qualität in sich, sondern auch Identität und Herkunft.»
Aktuell nehmen 22 Produzenten mit über 60 Produkten an der Initiative teil.
Die vier Kriterien
Ein Produkt bzw. sein Produzent muss mindestens drei der folgenden vier Kriterien erfüllen, um die Auszeichnung und damit den gelben Kleber für seine Produkte zu erhalten:
1. Hie gwachse: Die Rohstoffe stammen aus der Ferienregion Gstaad.
2. Hie gmacht: Das Produkt wird in der Region verarbeitet oder hergestellt.
3. Hie d’Idee entwicklet: Die Idee oder das Rezept stammt aus der Re gion.
4. Hie trage wier Sorg: Die Produzenten engagieren sich für ökologische, soziale oder wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
SWO




