Ein Jahr im Zeichen des Wandels
05.05.2026 KulturDie ordentliche Generalversammlung der Gstaad Menuhin Festival & Academy AG am letzten Mittwochabend im Landhaus Saanen warf keine hohen Wellen. Geschäftsbericht und Jahresrechnung wurden genehmigt sowie alle Mitglieder des Verwaltungsrats für ein weiteres Amtsjahr ...
Die ordentliche Generalversammlung der Gstaad Menuhin Festival & Academy AG am letzten Mittwochabend im Landhaus Saanen warf keine hohen Wellen. Geschäftsbericht und Jahresrechnung wurden genehmigt sowie alle Mitglieder des Verwaltungsrats für ein weiteres Amtsjahr bestätigt.
ANITA MOSER
Das vergangene Jahr stand im Zeichen des Wandels, des Abschieds und des Übergangs. Verwaltungsratspräsident Aldo Kropf hat an Richard Müller übergeben, Intendant Christoph Müller an seinen Nachfolger Daniel Hope.
«Wandel war nicht nur das Motto des Gstaad Menuhin Festivals 2025 und der Leitsatz für den letzten dreijährigen Zyklus von Christoph Müller, sondern hat uns auch in anderen Bereichen im Geschäftsjahr begleitet», schreibt Aldo Kopf in seinem letzten Jahresbericht. Der wohl tiefgreifendste Wandel für das Festival im Verlauf der letzten 24 Jahre habe beim Abschiedskonzert am 6. September 2025 in der Kirche Saanen, dem Geburtsort des Festivals, stattgefunden. In einem denkwürdigen Konzert habe unter der Leitung des neuen Intendanten Daniel Hope die Verabschiedung von Christoph Müller stattgefunden. «Dabei durften wir ihn zum ersten und einzigen Mal als Cellist auf der Bühne erleben», so Kropf.
«All diese Abschiede waren emotional aufwühlend», schreibt Christoph Müller in seinem letzten Jahresbericht. «Ich wünsche Gstaad Menuhin Festival & Academy eine prosperierende und spannende neue Phase der Festivalgeschichte ab der 70. Ausgabe und freue mich auf gelegentliche Besuche als Privatmensch in Konzerten in meinem Lieblingskonzertsaal der Welt, der Kirche Saanen», so Müller.
Grosse Veränderungen
Verwaltungsratspräsident Richard Müller würdigte seinen Vorgänger Aldo Kropf für sein langjähriges Engagement und seinen grossen Einsatz. Er nahm den Faden – das Motto Wandel – auf: «Es hat sich im vergangenen Geschäftsjahr viel bewegt und nebst vielen zentralen Bereichen hat sich auch bei den involvierten Menschen viel verändert», betonte Müller. «Wir haben einen neuen künstlerischen Leiter, wir haben das Marketing neu aufgestellt und ich habe das Mandat des VR-Präsidenten übernommen.» Die ersten zwei Monate seiner Amtszeit seien geprägt gewesen von intensiver Arbeit und wichtigen Weichenstellungen, schreibt Müller in seinem Jahresbericht. «Im Zentrum stand die Weiterentwicklung unserer Organisationsstruktur.» Der Verwaltungsrat habe die Struktur vereinfacht und eine Geschäftsleitung eingesetzt. Diese Neuorganisation verfolge das Ziel, Verantwortlichkeiten zu bündeln, Prozesse zu vereinfachen und Entscheidungswege zu verkürzen. Der neuen Geschäftsleitung gehören der Intendant, der Geschäftsführer sowie die Verantwortlichen für Fundraising und Marketing an. Geleitet und koordiniert wird dieses Gremium vom Verwaltungsratspräsidenten.
Es sei klar, dass nach vielen Jahren die eingespielten Teams die Abläufe gut kennen, so Richard Müller. «Jetzt ist es unsere Herausforderung, dass wir mit diesen neuen Menschen die Abläufe kennenlernen, dass wir die Abläufe weiter optimieren und wir alle genau wissen, was wir voneinander erwarten können, respektive dass wir die Erwartungen eben auch erfüllen.» In diesem guten Spirit, wo Beständigkeit bestehe, wo aber auch die Bereitschaft für Veränderung vorhanden sei, «haben wir, so glaube ich, eine ganz gute Basis für die Zukunft. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf uns warten, erfolgreich meistern werden.»
Positive Rechnung
Geschäftsführer Lukas Wittermann erläuterte die Jahresrechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von 1121 Franken abschliesst. Das Eigenkapital beträgt 685’000 Franken.
Die anwesenden Aktionäre, die 226 von insgesamt 1050 Namenaktien vertraten, genehmigten einstimmig und ohne Enthaltungen den Geschäftsbericht sowie die Jahresrechnung und erteilten dem Verwaltungsrat Décharge.
Verwaltungsrat bestätigt
Er habe nun einige Monate mit dem Verwaltungsrat zusammenarbeiten können – zwei Monate im vergangenen Geschäftsjahr und mehrere Monate im neuen Geschäftsjahr, erklärte der Vorsitzende Richard Müller. «Ich kann Ihnen versichern, dass in diesem Verwaltungsrat absolut hervorragende Arbeit geleistet wird. Es ist eine ausgezeichnete Stimmung, es ist eine produktive Stimmung, wir haben gute Diskussionen, aber wir finden jeweils auch pragmatische Lösungen.»
Mit Applaus wurden sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrats – es sind dies Jürg Bucher, Benz Hauswirth, Christian Hoefliger, Heiner Lutz, Mario Marti, Jeremy Menuhin, Nicola Schiess, Caroline Schwenter, Hans-Ulrich Tschanz und Richard Müller – für ein weiteres Jahr bestätigt. «Wir geben unser Bestes, dass wir das Menuhin Festival weiterhin erfolgreich in die Zukunft führen werden», bekräftigte Müller.
Concert Hall
Das Festival sei mit der Gemeinde Saanen in sehr engem Kontakt, auch im Zusammenhang mit der Concert Hall, versicherte Richard Müller. «Von unserer Seite ist Hansueli Tschanz intensiv mit dem Projekt beschäftigt und wir freuen uns sehr, mit der Gemeinde Saanen und mit der Sportzentrum Gstaad AG zusammen einen sehr intensiven Austausch zu haben und dieses Projekt hoffentlich in die Zukunft zu führen.» Es gebe wenige Anlässe, die mit dem Namen Gstaad verbunden seien, betonte Gemeinderat Sigi Feller und dankte im Namen der Gemeinde, dass das Festival den Namen Gstaad in die Welt hinaustrage. «Neuer musikalischer Leiter, neues Logo und irgendwann einmal eine neue Music Hall – das hoffen wir alle.» Die Gemeinde stehe hinter dem Projekt, unterstütze es «und wir hoffen, bald eine positive Zwischenmeldung aus Bern geben zu können.» Als Bürgerin sei sie sehr glücklich über die Unterstützung seitens der Gemeinde und auch sehr glücklich, dass es zum Bau eines so wunderschönen Konzerthauses komme, betonte eine anwesende Aktionärin. Sie störe sich jedoch an den Tennisplätzen auf der Tennishalle und regte an, dass alle gemeinsam darüber nachdenken, wie die Situation optimiert werden könnte. An dem Projekt habe ein Fachgremium, zusammengesetzt aus verschiedenen Architekten, Städtebauern, Landschaftsarchitekten gearbeitet, antwortete Gemeinderätin Patricia Matti. Auch sei das Projekt mehrmals durch die OLK (Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder) und das AGR (Amt für Gemeinden und Raumordnung) geprüft worden. Es sei ein beengter Raum und die Plätze würden als Trainingsfelder, aber auch als Spielfelder während des Tennisturniers genutzt. Richard Müller ergänzte: «Es ist uns bewusst, dass es bei solch grossen Projekten immer Punkte gibt, die nicht optimal sind.» Aber es sei auch nicht möglich, einen anderen Standort ins Auge zu fassen oder das Konzept grundsätzlich zu überarbeiten. «Folglich müssen wir eine gewisse Toleranz hinbekommen, damit das Projekt eine Chance hat. Ich hoffe ganz fest, dass wir in diesem Diskussionsprozess schlussendlich einen Konsens finden.»
Mit dem besten Dank an alle, welche zum guten Gelingen des Festivals beitragen, schloss der Vorsitzende die Versammlung und erwähnte, dass es erfreulicherweise Interesse an Aktien gebe, und dass sich verkaufswillige Aktionärinnen und Aktionäre beim Festivalbüro melden könnten.
«FAMILY MATTERS»
Daniel Hope war an der Generalversammlung per Video zugeschaltet – er erholt sich momentan von einem schweren Velounfall. Zum Glück seien seine Hände in Ordnung, so Hope. Er freue sich irrsinnig auf dieses Festival. 70 Jahre seien ein grosses Jubiläum und natürlich eine grosse Verbindung zu Yehudi Menuhin, dessen Geburtstag sich wenige Tage zuvor zum 110. Mal jährte. «Ohne ihn würde ich nicht hier sitzen und es würde unser schönes Festival nicht geben.» Auf der anderen Seite gebe es viele Neuerungen. Das übergreifende Festivalmotto «Family Matters» stehe für Werte, die Yehudi Menuhin wie kaum ein anderer verkörpert habe. Familie bedeute Vertrauen, Weitergabe und Zugehörigkeit. Und genau das – Familie im weitesten Sinn – zelebriere das Programm 2026. Ein zentrales Anliegen sei für ihn der Ausbau des Nachwuchses, der jungen Künstlerinnen und Künstler. «Das war immer ein grosser Teil unseres Festivals und das wird verstärkt», so Hope.
Von entscheidender Bedeutung für die zukünftige künstlerische Ausrichtung sei zudem der Abschluss des Vertrages mit Jaap van Zweden gewesen. Dieser werde für drei Jahre das Gstaad Festival Orchestra leiten, informierte Hope.
MOA

