Ein Käseschmiergerät für alle
08.09.2026 Gesellschaft«Es ist schade, dass herkömmliche Käseschmiergeräte zum Teil weit mehr als 10’000 Franken kosten», sagt Gottfried Ryter. Deshalb wollte er für die Bauern ein Gerät für ein kleineres Budget entwickeln.
JONATHAN SCHOPFER
«Es ist schade, dass herkömmliche Käseschmiergeräte zum Teil weit mehr als 10’000 Franken kosten», sagt Gottfried Ryter. Deshalb wollte er für die Bauern ein Gerät für ein kleineres Budget entwickeln.
JONATHAN SCHOPFER
«Das muss doch funktionieren», sagt Bauer Gottfried Ryter sich jeweils, wenn er Maschinen weiterentwickelt. Bei seinem neusten Entwurf – einem Käseschmiergerät – hat er an seine Berufskollegen gedacht. Die halbautomatische Maschine soll für sie nämlich finanzierbar sein. Auf dem Markt kosten automatischen Käseschmiergeräte zum Teil mehr als 10’000 Franken. «Das kann sich nicht jeder Bauer leisten», sagt Ryter. Dass das Gerät einem Bauern die Arbeit erleichtere und ihm diene, ist ihm Ansporn. «Vielleicht hilft es dabei, dass er weiterhin selber Käse produziert und pflegt.»
Die Idee zum eigenen Käseschmiergerät
Gottfried Ryter experimentierte bereits in den 1980er-Jahren an einem Gerät, aber ganz konkret wurde es später: «Ein Kollege war bei mir beim Klaunen.» (Anm. d. Red.: Gemeint ist das Klauenschneiden bei Kühen.) «Er fragte mich, ob ich ihm ein Käseschmiergerät machen könne. Da habe ich gesagt: Nein!» Im darauffolgenden Jahr kam der Kollege wieder und fragte nochmals. «Gut, ich will es probieren», meinte Ryter diesmal und arbeitet fortan in seiner Werkstatt daran. «Ich habe zwei Jahre daran laboriert, probiert und geknübelt», erzählt er. «Nicht ununterbrochen zwar.» Denn er holte sich immer wieder Rat bei Betrieben im Saanenland.
Auch ein Ryter braucht Hilfe
«Ich will nicht als King dastehen», betont Ryter mehrmals. «Ich bin kein Metallbauer. Ich kenne die Materialien, aber nicht bis ins letzte Detail. Deshalb fragte ich Fachleute.» Ohne dieses Fachwissen wäre die Entwicklung schwieriger gewesen, das ist ihm bewusst. Unter anderem haben ihn Angestellte sowie ehemalige Mitarbeitende von mehreren einheimischen Unternehmen aus der Landwirtschafts- und Metallbaubranche beraten und unterstützt. «Die sind alle mitverantwortlich, quasi Mitberater.»
Nun kann Ryter einen Prototyp präsentieren, den er für rund 6000 Franken verkaufen könnte. Sein Kollege, der ihn um ein Käseschmiergerät bat, besitzt bereits ein solches funktionierendes Gerät. «Mit diesem Käseschmiergerät haben wir zu zweit in einer halben Stunde ca. 150 Käselaibe gepflegt.»
«Die Menschheit ist wählerisch geworden»
«Ich habe die Maschine zu einer denkbar schlechten Zeit entwickelt», sagt Ryter. Damit meint er unter anderem, dass die Bergbauern ihren Käse nicht mehr so leicht verkaufen können. «Die Menschheit ist wählerisch geworden.» Doch nicht nur das wundert ihn: «Heute wird die ganze Käseproduktion in den Bergen infrage gestellt.» Mancherorts werde die Milch lieber in die Molkerei gebracht, statt auf der Alp Käse herzustellen. «Am liebsten bringen sie die Milch in die Molkerei und käsen nicht mehr. Das ist nicht gut.» Dadurch gehe auch das Wissen und die Vielfalt verloren. «Wenn du auf einem Berg zwei Sennhütten hast, ist der Käse geschmacklich nicht gleich. Der Keller, die Fabrikation, die Lagerung, die Pflege – das alles spielt eine Rolle. Das Bouquet geht verloren.»
«Woher weisst du das?»
Wenn es beim Tüftler im Hirn rattert, dann oftmals, weil er über Maschinen nachdenkt. «Wie funktioniert etwas, wo lässt sich etwas verbessern?» Diese Fragen treiben den Grubner mit Jahrgang 1943 schon seit seiner Schulzeit an. Als Schüler erklärte er seinem Lehrer den Viertaktmotor. «Woher weisst du das?», habe ihn der Schullehrer gefragt. Bis tief in die Nacht hat Ryter schon über Probleme gegrübelt, die ihm bei der Arbeit begegnet sind, Prototypen auf Papier gezeichnet und in seiner Werkstatt getüftelt. So sind es seine Hartnäckigkeit, gepaart mit logischem Denken, und sein handwerkliches Geschick, mit denen der Bauer schon so manche Maschine ins Leben gerufen hat: beispielsweise eine Holzspaltmaschine, eine Käsepresse und sein bekanntestes Werk, den Plani-Milchkühler (wir haben berichtet), den er zusammen mit Michi Perreten zur Marktreife brachte.
WIESO BRAUCHT ES KÄSESCHMIERE?
Bei geschmierten Käsen ist die Schmiere und deren Beschaffenheit ein wichtiges Qualitätskriterium, schreibt Agroscope. Sie beeinflusse den Reifungsvorgang wie auch die Teigbeschaffenheit, also das Innere des Käses. Auch schützt die Käseschmiere gegen unerwünschte Organismen und verhindert das Austrocknen des Käselaibes. Weiter beeinflusst es die Geschmacks- und Aromabildung.
JSC
SO FUNKTIONIERT DAS GERÄT
Der Käse wird auf den Drehteller gelegt und die Bürste gesenkt. Mit einer kleinen Pumpe gelangt Salzwasser auf die Bürste und damit wird der Käse eingeschmiert. Auf einem gegenüberliegenden Drehteller wird ein unbehandelter Käse gelegt und die Käselaiber können ausgetauscht werden. Der Prozess beginnt von Neuem.
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«Mir ist wichtiger, dass die Leute um mich herum zufrieden sind, das macht mich dann auch zufrieden»
Gottfried Ryter aus Gruben hat ein funktionierendes Käseschmiergerät entwickelt, dass er für ca. 6000 Franken herstellen kann. Was sind die nächsten Schritte und lässt er seine Errungenschaft patentieren?
JONATHAN SCHOPFER
Wie geht es mit dem Prototyp des Käseschmiergeräts weiter?
Ich möchte noch eine einfachere und günstigere Lösung finden. Das Gerät ist noch nicht fertig. Das Problem ist oft nicht die Idee, sondern die Frage, wo man ein passendes Einzelteil beziehen kann.
Wie haben Sie berechnet, was die Käseschmiermaschine kosten würde?
Ich bin zu meinem Kollegen Michi Perreten gegangen und habe gesagt: «Du musst mir helfen. Wie viel kostet die Maschine im Endeffekt?» Wir sind jedes Teil durchgegangen. Bei einem haben wir gesagt: Das braucht zwei Stunden. Beim anderen: Das braucht eine halbe Stunde. Dazu kommen das Material, zwei Motoren und all die kleinen Teile. Schlussendlich sind wir auf ca. 5500 bis 6000 Franken gekommen.
Würden Sie Ihre Erfindung patentieren lassen?
Nein, nicht patentieren. Das kostet 10’000 Franken. Dann nimmt einer ein anderes Material und macht sie nach, da kannst du nichts machen. Dann hast du nur noch Kosten. Da will ich doch lieber mit dem Preis tief bleiben. Das ist die beste Reklame.
Was bedeutet für Sie Geld?
Geld macht nicht glücklich, aber man muss welches haben. Aber es ist nicht das Wichtigste. Mir ist wichtiger, dass die Leute um mich herum zufrieden sind, das macht mich dann auch zufrieden. Mehr braucht es nicht.




