Ueli Bach beendet nach 50 Jahren die Viehversteigerung auf der Gummalp
14.08.2026 LandwirtschaftUeli Bach aus Feutersoey blickt auf ein halbes Jahrhundert Viehversteigerung Gummalp zurück. Was 1977 aufgrund des Wandels in der Viehzucht als Familienidee begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die er nun beendete.
JONATHAN SCHOPFER
«Für 15 900 ...
Ueli Bach aus Feutersoey blickt auf ein halbes Jahrhundert Viehversteigerung Gummalp zurück. Was 1977 aufgrund des Wandels in der Viehzucht als Familienidee begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die er nun beendete.
JONATHAN SCHOPFER
«Für 15 900 Franken gab Ueli Bach seine Fauette nicht her...» – schrieb die Tageszeitung «Der Bund» im August 1989 über die Viehversteigerung auf der Gummalp bei Gstaad. Damals wollte Bach seine Fauette – eine reinrassige Simmentaler Kuh – für den gebotenen Preis nicht verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt fand die Viehversteigerung auf der Gummalp zum 13. Mal statt. An jenem Augusttag kamen rund 2000 Viehzüchter und Schaulustige auf die Gummalp.
37 Jahre später treffen wir Ueli Bach zu Hause in der Feutersoey. Er sitzt auf der Terrasse an der Sonne. Mit seinen grossen, kräftigen Händen hält er den vergilbten Zeitungsartikel des «Bunds» und liest darin. «Da hat sich viel verändert – unglaublich», sagt er.
Nach 50 Jahren hört Ueli Bach mit der Viehversteigerung auf, die letzte fand am 8. August statt. Ein bisschen Wehmut sei schon dabei. «Aber alles hat seine Zeit. 50 Jahre sind eine gute Zahl, um aufzuhören.» Den Viehhandel, der ihm noch immer Freude bereitet, gibt er jedoch nicht auf. «Ich höre ja nicht auf zu leben und handle weiterhin!»
Wie die Idee zur Viehversteigerung kam
Die Geschichte nahm in den 1970er-Jahren ihren Anfang, als Ueli Bachs Vater Adolf noch im Munihandel tätig war. «Er hat jeweils gegen 25 Stiere für den Verkauf vorbereitet und sie unter anderem am Thunmärit angeboten», erinnert sich Ueli Bach. «Das ganze Munigeschäft ist aber wegen der künstlichen Besamung abgeflacht.» Die Familie Bach wechselte deshalb zunehmend auf den Handel mit Zuchtkühen.
Die Sömmerungszeit verbrachte Familie Bach auf der Gummalp auf rund 1700 Metern und die Kundschaft kam zu ihr hinauf, um Tiere zu kaufen. «Der gute Ruf und die gute Qualität der Kühe lockten schon immer», so der Viehändler. Die Kundschaft nahm dafür weite Wege auf sich. «Von Genf über Schaffhausen bis St. Gallen haben wir schweizweit Kunden bedient.» Damals gab es noch keine Strasse bis ganz hinauf zur Alp – der Fussweg dauerte über eine Stunde. «Unsere Kunden haben schier einen ganzen Tag gebraucht, wenn sie eine Kuh kaufen wollten. Deshalb hatten wir die Idee, die Kundschaft an einem bestimmten Tag zusammenzubringen und die Tiere zu versteigern.» Mit «wir» meint Ueli Bach sich selbst, seinen Vater Adolf und Bruder Marcel, und fortan wurde am ersten Samstag im August eine Viehversteigerung durchgeführt.
Die Anfänge der Viehversteigerung
Die 1977 ins Leben gerufene Viehversteigerung kam von Anfang an gut an. «Sämtliche angebotene Tiere sind verkauft worden.» Gemäss Bach waren sie damals die Ersten in der Schweiz, die eine solche Viehversteigerung durchführten. Später seien ähnliche Veranstaltungen etwa auf dem Hornberg, im Diemtigtal und im Kandertal entstanden.
Eine Besonderheit blieb über all die Jahre bestehen: «Die angebotenen Tiere gehörten zu unserem Privatbesitz.» Bei anderen Versteigerungen konnten hingegen verschiedene Bauern ihre Tiere zur Auktion bringen.
Vieles hat sich verändert
In den ersten Jahren kamen die Käufer vom Meielsgrund her zu Fuss herauf. Erst später wurde die Alp schrittweise mit einer Strasse erschlossen. Ab 1984 sei es schliesslich möglich gewesen, mit dem Fahrzeug ganz hinaufzufahren.
Die stärksten Jahre erlebte die Viehversteigerung nach der Erschliessung. Danach kamen deutlich mehr Leute auf die Gummalp, in manchen Jahren bis zu 2000 Personen. «Das Festzelt war bumsvoll, der Stall war voll und draussen hatte es Unmengen von Leuten.» Für Raclette, Bratwürste und Getränke sowie auch für Musik wurde gesorgt. «Wir konnten in vier Stunden etwa 350 Fläschchen Weisswein verkaufen.» Viele Bauern hätten sich während des Sommers kaum gesehen. «An der Viehversteigerung freuten sie sich deshalb, ihre Berufskollegen wieder zu treffen. Unterland und Oberland kamen zusammen.» Man habe zusammengesessen und eine Flasche bestellt.
Als 1993 die Direktzahlungen eingeführt wurden, gingen der Handel und die Viehpreise deutlich zurück. «Früher lag der durchschnittliche Verkaufspreis noch bei etwa 6500 Franken, dann fiel er zeitweise auf 4000 oder sogar auf 3500 Franken. Der Preis für eine Kuh ist halt auch abhängig von den Subventionen», meint Bach. «Heute kommen vielleicht noch 300 Personen an eine Viehversteigerung, aber am späten Nachmittag sind alle weg und getrunken wird kaum mehr.»
«Für mich ist es ein Lebenswerk»
Unterdessen fährt Bauer Robin Kohli auf den Parkplatz in Feutersoey. «Ah, mein Chef kommt», sagt Ueli Bach schmunzelnd. Er erklärt: «Robin hat nun die Alp auf der Gumm und auch den Hof im Tal gepachtet.» Die beiden kommen ins Gespräch und Bach zeigt ihm einige seiner Erinnerungsstücke. Er hat auch die alten Kataloge aufbewahrt, in denen die Kühe für die Versteigerungen aufgelistet waren. Seine Frau Karin hatte sie früher noch mit der Schreibmaschine mühsam abgetippt. «Das Ganze zu organisieren, da steckt schon ‹finebitz› Schweiss dahinter. Aber ich habe es gern gemacht. Für mich ist es ein Lebenswerk.»
Seine Fauette konnte Bach übrigens später noch verkaufen, jedoch nicht an der Versteigerung.
«Die Versteigerung hat sehr gut zu meiner ganzen Sömmerung gepasst»
Nach 50 Jahren endet die Viehversteigerung auf der Gummalp. Ueli Bach erzählt von ihrem Stellenwert, davon, was einen guten Viehhändler ausmacht und weshalb es in den Anfängen von Vorteil war, schwindelfrei zu sein.
JONATHAN SCHOPFER
Ueli Bach, welche Bedeutung hatte die Viehversteigerung für Ihren Viehhandel?
Es war ein Schaufenster sowie Reklame. Ich habe ja das ganze Jahr Vieh gekauft und verkauft. Und die Versteigerung hat sehr gut zu meiner ganzen Sömmerung gepasst.
Was macht für Sie einen guten Viehhändler aus?
Da geht es vor allem um Vertrauen und Fachkenntnis. Kühe sind eine lebende Ware. Das sind nicht einfach Zahlen, die man verkauft, das sind Lebewesen. Du musst die Tiere kennen und einschätzen können. Beim Kauf einer Kuh musste ich ganz sicher sein, dass ich sie wieder verkaufen kann.
Somit sind Beziehungen wichtig?
Sehr wichtig. Der ganze Viehhandel ist eine Vertrauenssache. 95 Prozent der Leute, die an die Steigerung kamen, waren Kunden von mir. Und natürlich war auch die Zusammenarbeit mit den besten Züchtern der Schweiz wichtig. Die kennen mich und ich kenne sie.
Wie haben sich die Zuchtkühe in diesen 50 Jahren verändert?
Da ist viel passiert. Die Kühe haben heute eine bessere Milchleistung, sie werden natürlich auch besser gepflegt und besser gefüttert. Und die Zucht hat sich entwickelt. Heute läuft sehr viel über die künstliche Besamung. Hier im Berner Oberland wird vor allem einheimische Genetik verwendet. Bei den Red Holstein und Holstein kommt dagegen auch viel Genetik aus Amerika. Wenn du die alten Kataloge anschaust, siehst du schon, wie viel besser die Kühe geworden sind. Die guten Züchter kennt man, die siehst du an jeder Ausstellung.
Gab es in den 50 Jahren auch schwierige Momente?
Ja. Aber das gehört dazu. Sonst wäre das Geschäft viel zu einfach. 2014 hatten wir einen sehr nassen und trüben Sommer. Da kamen vielleicht 150 Leute an die Versteigerung. Viele Kunden riefen mich an und sagten, sie könnten nicht kommen, weil sie noch nicht geheut hätten. Und ich hatte 170 Kühe im Angebot, verkauft habe ich vielleicht 25. Es ging nicht immer alles gut, das ist klar.
Gibt es eine Anekdote, an die Sie gerne zurückdenken?
Ja. Bei einer der ersten Steigerungen bin ich mit dem Jeep hinuntergefahren, um eine Kundin abzuholen. Damals gab es noch keine richtige Strasse, das war eher ein Wanderweg. Ich habe die Frau abgeholt und auf dem Weg ist sie ohnmächtig geworden. Sie war nicht schwindelfrei. Und es war wirklich steil.
Welche Kühe haben Sie persönlich am liebsten?
Mein Herz schlägt sicher für reine Simmentaler Kühe. Aber wenn du handelst, musst du mit allen Rassen handeln, sonst kannst du nicht alle deine Kunden bedienen.






