Doline im Grund saniert und aufgewertet
14.07.2026 NaturIm Moosfang im Grund in Gstaad wurde ein bestehendes Gewässer in einer Doline saniert. Vor der Sanierung im Herbst 2025 war der Zustand so: Phasenweise gab es zu wenig und zu nährstoffreiches Wasser, das zu Algen im Weiher und zu schlechtem Geruch führte.
JONATHAN ...
Im Moosfang im Grund in Gstaad wurde ein bestehendes Gewässer in einer Doline saniert. Vor der Sanierung im Herbst 2025 war der Zustand so: Phasenweise gab es zu wenig und zu nährstoffreiches Wasser, das zu Algen im Weiher und zu schlechtem Geruch führte.
JONATHAN SCHOPFER
Es ist der 6. Juli, ein laues Lüftchen geht an diesem warmen Sommertag über die sanierte Doline im Moosfang im Grund. Schmetterlinge schwirren zur Uferböschung, an einem Strauch lässt sich eine rote Libelle nieder. Wildbienen trinken an den flachen Stellen des Stillgewässers. Im seichten Wasser sind unzählige Kaulquappen zu sehen. Einige haben sich bereits zu kleinen Grasfröschen entwickelt und sonnen sich auf Steinen.
Dieses Stillgewässer hat ebenfalls eine Verwandlung hinter sich. «Vor der Sanierung war der Zustand des Stillgewässers unbefriedigend», berichtet Brigitte Holzer, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Abteilung Naturförderung der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion (WEU) des Kantons Bern, die das Projekt kantonsseitig leitet. Die Biologin steht am Rand der Doline und blickt über das Gewässer, das ökologisch aufgewertet wurde. «Das ist ein Lebensraum, der sich nach dem Eingriff letzten Herbst noch weiter entfalten wird.»
Was alles saniert wurde
Im September 2025 begannen die Arbeiten, im November desselben Jahres konnten sie abgeschlossen werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 130’000 Franken.
Ein Teil des Budgets floss in einen neuen Wasserzufluss. Eine bereits bestehende Wasserleitung oberhalb der Doline wurde so umgeleitet, dass ein Teil des Wassers nun offen durch die Doline fliesst und danach wieder in die ursprüngliche Leitung zurückgeführt wird. «So hat das Stillgewässer mehr frisches, kühles Wasser und mehr Durchlauf», sagt Holzer, «und dadurch verbessert sich die Wasserqualität.»
Weiter wurde der löchrige Untergrund mit einer Bentonitmatte abgedichtet. Bentonit ist ein tonhaltiges Material, das Wasser zurückhalten kann. «Wir wollten einen dichten Weiher», sagt Holzer.
Auch die Struktur des Gewässers wurde verändert. Es gibt nun tiefere und flachere Bereiche sowie Zonen, die nur zeitweise nass sind. Stein- und Asthaufen, Wurzelstöcke und Baumstämme schaffen zusätzliche Lebensräume für Tiere. Rund um das Gewässer sollen sich artenreiche Pflanzenbestände entwickeln.
«Oh, ein Baldrian!», sagt Holzer, als sie eine Pflanze am Rand des Gewässers entdeckt. «Solche Pflanzen blühen im Sommer und können Schmetterlingen und anderen Insekten Nektar bieten.»
Wie das Projekt angestossen wurde
Auf die Probleme aufmerksam gemacht hatten die Grundeigentümer, die Familien Brand und Raaflaub. «Sie haben sich bei der Abteilung Naturförderung der WEU gemeldet», sagt Holzer. «Immer wieder gab es zu viele Algen, es roch», berichtet Holzer. Und auch immer wieder sei der Wasserstand gesunken, sodass der Froschlaich austrocknete und starb. «Das ist doch eigentlich schade.»
Dass das Projekt umgesetzt werden konnte, hatte mehrere Gründe. Die Doline ist im Schutzzonenplan der Gemeinde eingetragen und damit rechtlich geschützt. Zudem mussten im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Turbach Ersatzmassnahmen geleistet werden. «Das war der Stein, der das Projekt wieder ins Rollen gebracht hat – ein Glücksfall», sagt Brigitte Holzer. Auch der Renaturierungsfonds des Kantons Bern beteiligte sich an der Finanzierung. An Planung, Bauleitung und baulicher Umsetzung waren regionale Unternehmen beteiligt
WAS IST EINE DOLINE?
Eine Doline ist laut dem Wissenschaftsportal Spektrum.de eine trichter-, kessel- oder schlotförmige Hohlform im Karst mit unterirdischem Wasserabfluss. Dabei gebe es Schwächezonen im Gestein, in denen das Wasser die Gesteinsfugen aufweiten kann.
JSC
«Trockenperioden gehören zu solchen Lebensräumen dazu»
Brigitte Holzer leitete das Projekt für die Sanierung der Doline im Grund kantonsseitig. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Abteilung Naturförderung der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion (WEU) des Kantons Bern.
JONATHAN SCHOPFER
Was bringt diese Doline für die Natur?
Die Doline bietet Lebensraum für Amphibien, Reptilien, Libellen, Wildbienen, Schmetterlinge und Pflanzen. Grasfrösche gibt es bereits sicher. Ob Erdkröten und Bergmolche schon wieder da sind, wissen wir nicht. Gewässer sind in der heute stark entwässerten Landschaft wichtig für die Artenvielfalt.
Gibt es auch Tiere, die Sie hier lieber nicht haben?
Ja, Fische möchte man in diesem Stillgewässer nicht. Für Amphibien ist ein fischfreier Lebensraum wichtig, weil Fische den Laich fressen können.
Wenn jemand einen Gartenteich hat, würde die Abteilung Naturförderung dort auch mithelfen?
Nein, das wäre nicht möglich. Wenn jemand im Garten einen Teich anlegen möchte, dürfen wir das nicht finanzieren. Bei der Doline im Grund ist die Situation anders, weil sie eine regionale Bedeutung hat, im Schutzzonenplan der Gemeinde eingetragen und damit rechtlich gesichert ist.
Müssen die Anwohnerinnen und Anwohner die Doline pflegen?
Pflanzen und Sträucher rund um den Weiher sollten geschnitten, einzelne Bereiche freigehalten und je nach Entwicklung gepflegt werden. Eine solche Pflege eines Weihers darf man nicht unterschätzen.
Könnte Trockenheit dem Projekt wieder Probleme bereiten?
Trockenperioden gehören zu solchen Lebensräumen dazu. Entscheidend ist, dass der Weiher nicht mehr regelmässig zu stark austrocknet. Durch die Sanierung soll der Wasserstand im Gewässer stabiler bleiben als zuvor.
Wann ist das Projekt ein Erfolg?
In fünf Jahren soll überprüft werden, wie sich der Lebensraum entwickelt hat. Ein Erfolg wäre, wenn sich viele unterschiedliche Arten ansiedeln und die Populationen sich so vermehren, dass Tiere von hier aus andere Gewässer besiedeln. Wenn es hier sehr viele Nachkommen gibt, dann strahlen sie auch aus.
















